Versorgungsangebot für Menschen mit Schizophrenie

Seit Anfang 2013 können alle Versicherten der AOK Niedersachsen, die an Schizophrenie erkrankt sind, das Versorgungsangebot der Integrierten Versorgung Schizophrenie (IVS) im Umkreis ihres Wohnorts nutzen. Dazu zählen erweiterte ambulante Behandlungsoptionen, die in der Regelversorgung nicht oder nicht in solchem Umfang angeboten werden. Derzeit nehmen rund 180 Netzwerkpartner (Fachärzte, Fachpflegedienste, Rückzugsraumeinrichtungen, Psychiatrische Institutsambulanzen und Klinikpflegedienste) an der Integrierten Versorgung teil. Das Ziel der Versorgungsinitiative von AOK Niedersachsen und dem Institut für Innovation und Integration im Gesundheitswesen (I3G) GmbH ist eine individuelle, bedarfsgerechte Betreuung der Patienten. Sie soll sowohl die Qualität als auch die Effizienz der Versorgung für die Patienten steigern.

In der IVS hat der Patient direkten Zugang zum Behandlungsteam, zu jeder Zeit, rund um die Uhr. Für Peter Roddau vom Psychiatrischen Pflegedienst in Springe, bedeutet die IVS: „Weniger Bürokratie und konstante Betreuung. Die Patienten haben die Möglichkeit bei Bedarf, wann immer und wie oft sie möchten, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Aktuell konnten wir dadurch eine Krise im gewohnten Umfeld eines Patienten meistern.“

Laut Dr. Roseline Brinkman, niedergelassene Psychiaterin in Lohne, ist es wichtig, dass Patienten mit Schizophrenie lernen, mit ihrer Krankheit umzugehen, um möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung bleiben zu können: „Die IVS kann durch die intensive ambulante Versorgung einen wichtigen Beitrag leisten und helfen, die Häufigkeit der Krankenhausaufenthalte zu reduzieren.“

Dr. Klaus Suwelack, Mitglied der Geschäftsführung der I3G GmbH betont: „Der Ausbau des regionalen Versorgungsangebotes geht auch in diesem Jahr noch weiter. Durch Einbindung weiterer Ärzte, Pflegedienste und Einrichtungen (Ambulanzen, Kliniken etc.) in den Regionen wird die wohnortnahe Versorgung noch dichter.“ Weitere Infos unter www.i3g-gmbh.de

Guter Schlaf verringert den Schmerz

Die meisten Menschen wollen für ihre Angehörigen da sein, wenn diese hilfsbedürftig werden. So holen viele den Pflegefall zu sich in die Wohnung oder ziehen bei diesem ein, um ihm so lange wie möglich die Gelegenheit zu geben, in seinem gewohnten Umfeld im Kreis der Familie zu bleiben. Viele schwere Erkrankungen wie Osteoporose-, Arthrose- oder Tumorleiden sind dauerhaft von starken Schmerzen begleitet. Vor allem nachts kommen die Betroffenen kaum zur Ruhe, da sich Knochenschmerzen, Muskelverspannungen oder Druckschmerzen beim Liegen einstellen. Erholsamer Schlaf ist jedoch ein Grundbedürfnis, um sich einigermaßen wohl zu fühlen. Je schlechter Schmerzpatienten schlafen, umso stärker empfinden sie ihr Leiden, da das Schmerzempfinden durch die fehlende Erholung stärker in den Vordergrund tritt. Psychische Symptome wie Tagesschläfrigkeit, Gereiztheit, Depressionen oder Ängste können hinzukommen.

Mikrostimulation hilft und kann kostenlos getestet werden

Auch bestimmte Wirkstoffe in Schmerzmitteln können die Schlafphasen negativ beeinflussen und die Schlafstadien, die für die Erholung wichtig sind, verkürzen. Eine gute Möglichkeit zur Unterstützung eines gesunden Schlafes kann zum Beispiel eine Spezialmatratze des Anbieters Thomashilfen sein. Mehr Informationen hierzu gibt es unter www.thevo.info. Die „ThevoRelief“-Matratze wurde eigens für Schmerzpatienten entwickelt und bietet eine optimale Druckentlastung, die den Liegeschmerz reduziert. Anstelle eines Lattenrostes verfügt sie über eine spezielle Flügelfederung. Diese nimmt minimale Bewegungen des Liegenden auf und gibt sie wieder sanft zurück. Diese Mikrostimulation löst beim Schläfer ein Geborgenheitsgefühl aus und verhilft zu wesentlich besserem Schlaf. Kostenlose Testmodelle können unter der Telefonnummer 04761-88677 angefordert werden.

Den Schmerz nicht in den Mittelpunkt stellen

Eine übermäßige Anteilnahme der Angehörigen kann das Schmerzempfinden des Patienten sogar verstärken. Dann besteht die Gefahr, dass der Fokus auf den Schmerz das Leben des Betroffenen noch mehr bestimmt. Stattdessen sollte man mit gemeinsamen Unternehmungen oder Hobbys, die eine hohe Konzentration erfordern, vom Schmerzgeschehen ablenken. Auch die Beschäftigung mit Tieren oder Enkelkindern kann den Patienten Freude bringen.

Versorgung von immobilen Patienten

Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) begrüßt die zum 01. April in Kraft getretenen Neuregelungen für die bessere zahnärztliche Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen.

Durch eine zusätzliche Leistungsposition bei den Gesetzlichen Krankenversicherungen wird die Versorgung von immobilen Patienten, die selbst keine Zahnarztpraxis mehr aufsuchen können, verbessert. „Bereits seit 1995 verweisen die Zahnärztekammern auf die zahnmedizinische Unterversorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen“, erklärt der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, Prof. Dr. Dietmar Oesterreich. „Die BZÄK hatte als wichtige Maßnahme einen Leitfaden zur Alterszahnmedizin für Zahnärzte und einen Pflegekalender für die Unterstützung des Pflegepersonals in Altersheimen entwickelt. Für die Verbesserung der Versorgung und der Prävention waren jedoch Veränderungen auf gesetzlicher Grundlage gefordert.“

Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung haben 2010 in Zusammenarbeit mit den zahnmedizinischen Fachgesellschaften das Reformkonzept „Mundgesund trotz Handicap und hohem Alter“ vorgestellt, in dem Lösungen für die für die zahnmedizinische Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen angeboten werden.

„Da zukünftig die Zahl der betroffenen Patienten zunimmt, ist es richtig, die Rahmenbedingungen für eine aufsuchende Betreuung durch den Zahnarzt zu verbessern. Handlungsbedarf besteht aber weiterhin bei der Verbesserung der Prävention und der Betreuung von Menschen mit Behinderungen in der Zahnarztpraxis“, so Oesterreich.

Kostenloser Online-Ratgeber Mund- und Zahnpflege für pflegende Angehörige: Die Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hat in Zusammenarbeit mit der BZÄK einen kostenlosen Ratgeber entwickelt. Der Leitfaden soll die tägliche Mund- und Zahnhygiene sowohl für Pflegebedürftige als auch für die pflegenden Angehörigen erleichtern: www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/b/Ratgeber_Mundgesundheit.pdf

„Umfrage zur Pflegekammer eine klare „Ablehnung durch Nichtteilnahme“

„Wenn sich von etwa 40.000 Pflegenden in Rheinland-Pfalz nur gut 5.000 für eine Pflegekammer aussprechen, dann sollte die Landesregierung anerkennen, dass die Pflegenden die Verkammerung für unwichtig halten und ablehnen.“ Mit diesen Worten kommentiert der stellvertretende Landesvorsitzende des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) Manfred Hoffmann die geringe Beteiligung an der Umfrage zur Pflegekammer.

„Die Pflegenden haben ganz andere Probleme, die mit einer Kammer nicht gelöst werden“, erklärt Hoffmann die geringe Teilnahme: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege wünschen sich verbesserte Personalschlüssel, weniger Bürokratie und eine höhere Anerkennung für ihren Beruf, auch durch bessere Bezahlung. Die Kammer wird für all diese Bereiche aber nicht zuständig sein und ist deshalb unsinnig.“

Die Landesregierung solle jetzt nicht versuchen, ihr Wunschprojekt Pflegekammer dadurch durchzudrücken, indem sie ein Minderheitsvotum als Willen der Pflegenden präsentiere. „Viele Pflegende haben ihre Ablehnung einfach durch das legitime Instrument der Nichtteilnahme ausgedrückt“, so Hoffmann. „Immerhin 2.000 Pflegenden war die Ablehnung einer Kammer so wichtig, dass sie sich durch den komplizierten Registrierungsprozess gequält haben, um mit Nein zu stimmen.“.

Wie schwer es den Pflegenden gemacht wurde, sich an der Befragung zu beteiligen, zeigt nach Einschätzung des bpa auch die Tatsache, dass ein Viertel derjenigen, die sich vor der Abstimmung registriert haben, letztlich keine Stimme abgegeben haben. „Diese nicht abgegebenen Stimmen müsste das Ministerium eigentlich als bewusste Enthaltungen werten. Faktisch hat sich also nur etwas mehr als die Hälfte der rund 9.500 registrierten Pflegenden für eine Kammer ausgesprochen.“

Der bpa, in dem fast 400 ambulante und stationäre Pflegeunternehmen in Rhein-land-Pfalz mit Rund 8.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern allein in der Pflege organisiert sind, kritisiert weiterhin den jährlichen finanziellen Aufwand für die Pflegekammer von vier Millionen Euro und vor allem die Zwangsmitgliedschaft, mit der Pflegende bei einer Verkammerung zusätzlich belastet werden. Die Kammer bringe keine erkennbaren Vorteile, binde aber viel Geld und personelle Ressourcen, das in der Pflege an anderer Stelle dringen gebraucht würde.

„In mehreren anderen Bundesländern gibt es klare Entscheidungen gegen die Pflegekammer“, ruft Hoffmann in Erinnerung und verweist auf entsprechende Äußerungen der thüringischen Sozialministerin Taubert sowie eine große Befragung von Pflegenden in Niedersachsen. Dort hatten sich die Betroffenen deutlich gegen Zwangsmitgliedschaften und hohe Kammerbeiträge ausgesprochen. Auch Bremen habe sich gegen die Gründung einer Kammer ausgesprochen.

Ab 1. April verbesserte zahnmedizinische Versorgung für pflegebedürftige Menschen

Ab dem 1. April wird die zahnmedizinische Betreuung von Versicherten in stationärer und häuslicher Pflege deutlich einfacher. Darauf weist Dr. Wolfgang Eßer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), anlässlich der Internationalen Dental-Schau (IDS) in Köln (12. – 16. März 2013) hin. Auf die zusätzlichen Leistungen hatten sich Krankenkassen und Vertragszahnärzte Ende 2012 geeinigt. Für die KZBV ist dies ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem umfassenden zahnmedizinischen Versorgungskonzept für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung.

Der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen beinhaltet ab April eine neue Position für Menschen, die aufgrund von Alter, Krankheit oder Behinderung nicht in Zahnarztpraxen kommen können. Zudem wird mit der neuen Regelung das Wegegeld für Zahnärzte angepasst. Bisher wurde die aufsuchende Betreuung häufig nur durch ehrenamtliches Engagement von Vertragszahnärzten gewährleistet. Mit Blick auf den demografischen Wandel und die wachsende Zahl pflegebedürftiger Menschen erklärt Dr. Wolfgang Eßer: „Die zahn-medizinische Versorgung muss demografiefest werden. Immer mehr Menschen können den Zahnarzt ihres Vertrauens nicht mehr aufsuchen. Parallel dazu nehmen altersassoziierte Erkrankungen wie Parodontitis oder Wurzelkaries zu.

Die mit dem GKV-Spitzenverband getroffene Vereinbarung zur aufsuchenden Betreuung hilft vielen Betroffenen. Auch die Dental-Industrie hat das Problem erkannt und präsentiert hier auf der IDS verbesserte portable Behandlungseinheiten. Die aufsuchende Betreuung ist jedoch nur ein Weg. Wir müssen auch dafür sorgen, dass die Hindernisse abgebaut werden, die Menschen vom Praxisbesuch abhalten. Wir brauchen Barrierefreiheit. Wir haben daher den Gesetzgeber gemeinsam mit anderen Organisationen im Gesundheitswesen aufgefordert, Förderprogramme zum barrierefreien Um- und Neubau von Praxen aufzulegen. Die KZBV berät außerdem auch auf der IDS zu nötigen baulichen Maßnahmen.“

Bereits 2010 hatte die KZBV gemeinsam mit der Bundeszahnärztekammer und zahnmedizinischen Fachgesellschaften das Reformkonzept „Mundgesund trotz Handicap und hohem Alter“ mit Lösungen für die gesamtgesellschaftliche Aufgabe der medizinischen Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderung vorgestellt.

70 % der Pflege­bedürf­tigen wer­den zu Hause ver­sorgt

Im Dezember 2011 waren in Deutschland 2,50 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI). Mehr als zwei Drittel (70 % oder 1,76 Millionen) aller Pflegebedürftigen wurden nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zu Hause versorgt. Von diesen erhielten 1,18 Millionen Pflegebedürftige ausschließlich Pflegegeld – das bedeutet, dass sie in der Regel allein durch Angehörige gepflegt wurden. Weitere 576 000 Pflegebedürftige lebten ebenfalls in Privathaushalten, bei ihnen erfolgte die Pflege jedoch zusammen mit oder vollständig durch ambulante Pflegedienste. In Pflegeheimen vollstationär betreut wurden insgesamt 743 000 Pflegebedürftige (30 %).

Die Mehrheit (65 %) der Pflegebedürftigen war weiblich. Insgesamt 83 % der Pflegebedürftigen waren 65 Jahre und älter, mehr als ein Drittel (36 %) war über 85 Jahre alt.

Die Nachfrage nach Leistungen der ambulanten Pflegedienste und der vollstationären Pflegeheime hat im Vergleich zu 2009 zugenommen: Die Anzahl der in Heimen vollstationär Versorgten ist um 3,6 % (+ 26 000) gestiegen; die Zahl der durch ambulante Dienste betreuten Pflegebedürftigen um 3,8 % (+ 21 000). Diese Angaben beruhen auf Befragung der Pflegeheime und ambulanten Pflegedienste durch die Statistischen Ämter der Länder und des Bundes.

Der Zeitvergleich der Zahl der allein durch Angehörige versorgten Pflegebedürftigen ist nur eingeschränkt möglich. Rechnerisch nahm die Zahl der allein durch Angehörige versorgten Pflegebedürftigen gegenüber 2009 um 10,9 % (+ 116 000) zu. Diese Angaben basieren auf Datenlieferungen der Pflegekassen. Die aktuell berechnete Zunahme erscheint aber im Vergleich mit Daten des Bundesministeriums für Gesundheit über die Entwicklung der Zahl der Leistungsempfängerinnen und -empfänger der sozialen Pflegeversicherung und auch im längerfristigen Vergleich um bis zu 90 000 Personen zu hoch. Ursache dafür sind Änderungen in den Abläufen der Pflegekassen bei der Datenmeldung.

Bessere zahnmedizinische Versorgung für Pflegebedürftige

Der GKV-Spitzenverband und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung haben sich am 17.12.2012 in Berlin auf zusätzliche Leistungen zur besseren zahnmedizinischen Betreuung von Versicherten in häuslicher und stationärer Pflege geeinigt. Ab 2013 wird es im Leistungskatalog der Krankenkassen eine neue Position für die aufsuchende Betreuung von Pflegebedürftigen, Menschen mit Behinderung und eingeschränkter Alltagskompetenz geben, die nicht mehr selbst in die Zahnarztpraxen kommen können. Auch das Wegegeld, das Zahnärzte für Haus- und Heimbesuche erhalten, wird angepasst. Mit der zügig und einvernehmlich getroffenen Regelung hat die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen einmal mehr ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt.

Beide Seiten zeigten sich mit dem Ergebnis der Verhandlungen im Bewertungsausschuss zufrieden. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg, erklärte: „Wir wollen und müssen uns in der gesetzlichen Krankenversicherung rechtzeitig auf die Herausforderungen des demografischen Wandels und die wachsende Zahl Pflegebedürftiger einstellen. Das gilt natürlich auch für den zahnärztlichen Sektor. Wo der Patient nicht mehr zum Zahnarzt kommen kann, muss der Zahnarzt zum Patienten kommen. Dafür haben wir jetzt eine solide Grundlage geschaffen. Wir hoffen, dass dieser Schritt dazu beiträgt, die zahnärztliche Betreuung von Pflegebedürftigen und Behinderten weiter zu verbessern.“

Der stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes der KZBV, Dr. Wolfgang Eßer, sagte: „Wir setzen uns seit Jahren für eine bessere Versorgung von Patienten ein, die aufgrund von Pflegebedürftigkeit oder Behinderung nicht in die Praxis kommen können. Wir sind froh, jetzt nach konstruktiven Gesprächen eine gute Einigung erzielt zu haben. Mit den vereinbarten Leistungen wird die vertragszahnärztliche Betreuung der betroffenen Patienten deutlich einfacher. Bisher war sie vor allem durch ehrenamtliches Engagement von Zahnärzten getragen. Jetzt gibt es für diese Patienten einen verbrieften Anspruch auf aufsuchende Betreuung. Damit haben wir eine wichtige Etappe in der Umsetzung unseres zahnärztlichen Versorgungskonzeptes für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung geschafft.“

Die neuen Leistungen sollen ab April 2013 zur Verfügung stehen. Grundlage für die Verbesserungen ist eine Änderung im fünften Sozialgesetzbuch, die der Gesetzgeber im Rahmen des GKV-Versorgungsstrukturgesetzes beschlossen hatte. Der Bewertungsausschuss Zahnärzte und Krankenkassen ist für die genaue Beschreibung neuer Leistungen und ihre Honorierung zuständig.

„Freiheitsentziehende Maßnahmen“ (FeM)

Da FeM einen erheblichen Eingriff in die Selbstbestimmung eines Pflegebedürftigen darstellen, sind sie grundsätzlich immer auf ein Mindestmaß zu beschränken. Sie dienen ausschließlich dem Zweck, den Pflegebedürftigen zu schützen. FeM können nicht gänzlich vermieden werden, sie können jedoch entscheidend reduziert werden, wenn bei allen Beteiligten das Bewusstsein für den schwerwiegenden Eingriff in die persönliche Freiheit des Betroffenen geschärft und alternative Handlungsweisen diskutiert werden.

Rechtliche Grundlagen:

Eine FeM ist aufgrund der o. g. Gründe nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig, wie z. B. bei Selbstgefährdung. Es gelten – wie bei der Unterbringung – die Grundsätze der Erforderlichkeit und der Verhältnismäßigkeit.

Grundsätzlich benötigt die Heimleitung für eine FeM die vorherige Genehmigung des Betreuers bzw. des Bevollmächtigten. Dieser wiederum muss eine solche Maßnahme vorab von dem entsprechenden Betreuungsgericht genehmigen lassen. Im Falle, dass es noch keinen Betreuer oder Bevollmächtigten gibt, muss sich die Einrichtung direkt an das Gericht wenden (§ 1846 BGB). Bei Gefahr im Verzug, d. h. wenn schnell gehandelt werden muss, kann das Personal die Maßnahme sofort einleiten, muss sich aber unverzüglich im Anschluss an die Maßnahme um die Genehmigung bemühen, spätestens am nächsten Tag (§ 34 StGB).

Das Gericht darf eine FeM genehmigen, falls eine der beiden folgenden Voraussetzungen vorliegt (§ 1906 Abs. 4 BGB):

– bei Selbstgefährdung (z. B. Gefahr von Selbstmord oder schwerer Gesundheitsschädigung);

– wenn eine Heilbehandlung notwendig ist.

Weder der Betreuer noch der Bevollmächtigte noch das Gericht dürfen der Einrichtung pauschal das Recht übertragen, Maßnahmen gegen den Willen des Betroffenen zu ergreifen. Dies bedeutet, dass für jede einzelne Maßnahme sowohl eine ausdrückliche Zustimmung des Betreuers bzw. Bevollmächtigten als auch eine ausdrückliche Genehmigung des Gerichts erforderlich sind. Wenn es sich um immer die gleiche Maßnahme aus immer dem gleichen Grund handelt, reicht allerdings eine einmalige Genehmigung.

Auch muss der Betreuer bzw. der Bevollmächtigte jede beabsichtigte Maßnahme vorher mit dem Betroffenen besprochen haben – außer im Fall einer dringenden Notmaßnahme (§ 1901 Abs. 3 BGB).

Aktuelles zum Thema FeM:

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt in einem aktuellen Schreiben vor Bauchgurten zur Patientenfixierung, da sie das Wohl des Patienten bzw. des Pflegebedürftigen erheblich gefährden können, indem sie sich von der Taille aus kopfaufwärts verlagern. Das Schreiben ist unter folgendem Link abrufbar: www.bfarm.de/DE/Medizinprodukte/riskinfo/empfehlungen/bauchgurte_2012.html Ebenfalls auf die potentielle Verlagerung des Gurtes kopfaufwärts bezieht sich auch ein Beitrag des ZDF, welcher sich auf der Homepage zoom.zdf.de abrufen lässt.

Neues Portal für barrierefreie Arztpraxen

Das Portal „vdek-Arztlotse“ Ärzteverzeichnis, Arztsuche und Arzt-Bewertung? erleichtert die Suche nach barrierefreien Arztpraxen und bietet die Möglichkeit, Ärzte zu bewerten.

Das Portal „vdek-Arztlotse – Ärzteverzeichnis, Arztsuche und Arzt-Bewertung“ erleichtert die Suche nach barrierefreien Arztpraxen. Die Website erlaubt die bundesweite Suche nach Allgemeinmedizinern und Fachärzten. Zu den einzelnen Praxen gibt es Informationen zur Rollstuhltauglichkeit, zu Aufzügen oder behindertengerechten Toiletten. Aktuell sind mehr als 240 000 Praxen verzeichnet. Zum Portal gehört auch ein Lexikon medizinischer Begriffe, das erleichtert die Suche nach dem zuständigen Facharzt. Neben der Arztsuche haben die Patienten die Möglichkeit, Ärzte zu bewerten. Das Portal
www.vdek-arztlotse.de wurde unter anderem vom Verband der Ersatzkassen gestartet.

Pflege-Neuausrichtungsgesetz setzt positive Akzente für Menschen mit Behinderung

„Das im Deutschen Bundestag verabschiedete Pflege-Neuausrichtungsgesetz stärkt die Situation pflegebedürftiger Menschen mit Behinderung. Es unterstützt Menschen mit eingeschränkten Alltagskompetenzen, verbessert die medizinische Versorgung pflegebedürftiger Menschen und stellt den Vorrang ambulanter vor stationären Hilfen in den Mittelpunkt“, so Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen.

Das Gesetz unterstützt unter anderem Menschen, die erheblich in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt sind, etwa aufgrund einer Demenzerkrankung oder einer sogenannten „geistigen Behinderung“. Neben den heute schon möglichen Betreuungsleistungen in der Pflegestufe Null erhält diese Personengruppe erstmals Pflegegeld von monatlich 120 Euro oder Pflegesachleistungen von bis zu 225 Euro für zusätzliche Betreuungsleistungen. Auch die Leistungen in den Pflegestufen I und II werden für diese Personengruppe in der ambulanten Betreuung erhöht. Er bedaure allerdings, so der Beauftragte, dass Pflegebedürftige der Pflegestufe III hier ausgenommen seien. Daneben verbessert das Pflege-Neuausrichtungsgesetz auch die zahnärztliche Versorgung von Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz, indem die aufsuchende zahnärztliche Versorgung dieser Personengruppe zusätzlich vergütet wird.

Zudem wird mit dem Pflege-Neuausrichtungsgesetz die medizinische Versorgung von Pflegebedürftigen in Pflegeheimen verbessert. Die Einrichtungen sind zukünftig verpflichtet, die Pflegekassen darüber zu informieren, wie die ärztliche Versorgung und Arzneimittelversorgung in den Einrichtungen geregelt ist. Außerdem werden für Arztbesuche, etwa für die zahnärztliche Versorgung, von Heimbewohnern mehr finanzielle Mittel bereitgestellt.

„Hinzu kommt, dass pflegebedürftige Menschen, die in vollstationären Einrichtungen leben, für Tage an denen sie zuhause gepflegt werden, anteilig Pflegegeld erhalten. Dies war insbesondere eine Forderung von Angehörigen behinderter Menschen, die umgesetzt werden konnte“, betonte Hubert Hüppe.

Menschen mit Behinderung, die zuhause gepflegt werden, haben zukünftig außerdem einen Anspruch auf Kurzzeitpflege in einer Einrichtung der Behindertenhilfe bis zum 25. Lebensjahr. Bisher konnten Sie, etwa bei Krankheit des pflegenden Familienmitglieds, Pflegeleistungen ab Volljährigkeit nur in einer Pflegeeinrichtung bekommen. Bei einem Aufenthalt von pflegenden Angehörigen in Rehabilitationseinrichtungen wird es zukünftig – unter bestimmten Voraussetzungen – zudem möglich sein, dass der pflegebedürftige Mensch den pflegenden Angehörigen begleitet. Die mit dem Pflege-Neuausrichtungsgesetz eingeführten Förderungen ambulant betreuter Wohngruppen schaffen darüber hinaus Alternativen zu einem Aufenthalt in Pflegeheimen. Die Pflegebedürftigen können die Zuschüsse, mit denen die Gründung der Wohngruppen unterstützt wird, für eine barrierefreie Umgestaltung der gemeinsamen Wohnung einsetzen.

„Das Pflege-Neuausrichtungsgesetz stärkt außerdem Selbsthilfegruppen im Bereich der Pflege mit mehr Beteiligungsrechten und einer finanziellen Förderung durch die Pflegekassen von jährlich etwa 8 Mio. Euro. Dies entspricht dem Grundsatz ‚Nichts über uns, ohne uns‘. Es muss dabei sichergestellt werden, dass Selbsthilfegruppen finanziell so gestellt werden, dass sie die Beteiligungsrechte auch tatsächlich wahrnehmen können“, so Hubert Hüppe.

Es bleibe aber noch Handlungsbedarf, so der Beauftragte. „Insbesondere müssen Leistungen der Pflegeversicherung von einer funktionsbezogenen auf eine teilhabeorientierte Pflegeversicherung umgestellt werden. Im Mittelpunkt steht hierbei ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff, der bereits seit etlichen Jahren auf der politischen Agenda steht“, so Hubert Hüppe.