Behinderung darf kein Nachteil sein

„Teilhabe und Selbstbestimmung sind für Menschen mit Behinderung noch längst nicht selbstverständlich. Die Behindertenpolitik in der nächsten Legislaturperiode muss endlich die Voraussetzungen für ein gleichberechtigtes Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung schaffen.“ Das fordert Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, anlässlich des morgigen Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.

Immer noch fehlt es aus Sicht des VdK an umfangreichen Maßnahmen für eine barrierefreie Gesellschaft. „Es ist unverständlich, dass bisherige Gesetzesänderungen noch lange nicht alle Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention erfüllen. Solange etwa die privaten Anbieter von Gütern und Dienstleistungen von der Verpflichtung zur Barrierefreiheit ausgenommen bleiben, sind Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigungen benachteiligt“, so Mascher.

Alle Lebensbereiche müssten so gestaltet werden, dass sie auch von allen Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung, genutzt werden können. „Dazu gehören öffentlich zugängliche Gebäude, Wohnungen und medizinische sowie pflegerische Einrichtungen ebenso wie Bahnhöfe und Verkehrsmittel oder Informations- und Kommunikationsmedien“, erklärt die VdK-Präsidentin. Denn Barrierefreiheit komme allen zugute. „Menschen mit Behinderung profitieren davon, aber auch Ältere, Eltern mit Kindern oder Menschen, die zeitweise mobilitätseingeschränkt sind“, so Mascher.

Im Zuge seiner Aktion zur Bundestagswahl „Soziale Spaltung stoppen!“ fordert der Sozialverband VdK weitere Verbesserungen für Menschen mit Behinderung. „Für Menschen mit Behinderung muss es mehr Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten am regulären Arbeitsmarkt geben“, erklärt Mascher. Zudem müsse das gemeinsame Lernen vorangebracht werden. „Bund und Länder gemeinsam müssen Inklusion in allen Schulen und Hochschulen vor allem mit ausreichend gut qualifiziertem Personal endlich umsetzen.“ Und schließlich müsse die Politik endlich dafür sorgen, dass Behinderung nicht arm macht. „Die Eingliederungshilfe muss einkommens- und vermögensunabhängig gewährt werden“, fordert die VdK-Präsidentin.

„Wohnen für Menschen mit Behinderungen muss inklusiv ausgebaut werden.“

Mit seiner „Inklusion braucht Aktion„-Tour machte Projektkoordinator Karl Grandt Halt in Hannover. Der Name der Tour ist Programm: Die Mitglieder des Vereins „Health – Media g. e. V.“ als Veranstalter wollen damit auf die Belange von Menschen mit Behinderungen aufmerksam machen.

Eine ‚Haltestelle‘ war das Niedersächsische Sozialministerium. Die vollständige Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben ist dort eines der Schwerpunktthemen. Sozialministerin Cornelia Rundt lobte im Gespräch mit Karl Grandt die Aktion, denn sie biete die gute Gelegenheit, Verständnis für die Belange von Menschen mit Behinderungen zu wecken. Eines dieser Bedürfnisse ist das Thema Wohnen. „Wie jeder andere Mensch möchten auch Menschen mit Behinderungen möglichst selbstbestimmt in einem eigenen häuslichen Umfeld wohnen. Wohnen für Menschen mit Behinderungen muss deshalb inklusiv ausgebaut werden“, betont Cornelia Rundt. Obwohl in den vergangenen Jahren bereits viele Anstrengungen unternommen wurden, ambulant betreute Wohnangebote in Niedersachsen aufzubauen, besteht nach wie vor ein hoher Handlungsbedarf. „Die Förderung des Ausbaus ambulanter Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen hat für mich klare Priorität gegenüber einem weiteren Zuwachs stationärer Einrichtungsplätze“, so Rundt.

Derzeit leben in Niedersachsen ca. 25.000 Menschen mit Behinderungen in vollstationären Einrichtungen. Ab dem Jahr 2020 wird auf Grund der Neuregelungen des Bundesteilhabegesetzes die Unterscheidung zwischen „stationär“ und „ambulant“ aufgelöst. Das eröffnet die Möglichkeit, die Rahmenbedingungen für neue ambulante Wohnplätze besonders für Menschen, die erstmals auf solche Plätze angewiesen sind, zu verbessern. Dies soll auch dadurch geschehen, indem wirtschaftliche Anreize für die Leistungsanbieter von ambulanten Angeboten verbessert werden und wirtschaftliche Anreize für Leistungsanbieter, die neue stationäre Angebote schaffen wollen, reduziert werden. Menschen mit Behinderungen sollen dort wohnen können, wo es bedarfsgerecht ist und wo es sich nach ihren eigenen Wünschen richtig für sie anfühlt – nicht dort, wo Leistungsanbieter eigene wirtschaftliche Interessen in den Vordergrund stellen.

Der Aktionsplan Inklusion 2017/2018, den das Landeskabinett am 6. Januar 2017 beschlossen hat, ist ein weiterer Meilenstein niedersächsischer Politik für und mit Menschen mit Behinderungen. Er hat unter anderem das Ziel, dass Menschen mit Behinderungen in jedem Alter unabhängig und selbstbestimmt am Wohnort ihrer Wahl leben können. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, dass ausreichend Wohnraum zur Verfügung steht, der Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zu einem selbstbestimmten Wohnen ermöglicht. Der Aktionsplan sieht daher vor, die Schaffung bezahlbaren Wohnraums für Menschen mit Behinderungen durch Neu-, Um- und Ausbau sowie Modernisierungsmaßnahmen zu erleichtern.

Auch Menschen, die aufgrund der Schwere ihrer Behinderung oder aus anderen Gründen in einer stationären Wohneinrichtung leben, sollen eine größtmögliche Teilhabe erleben können. Auf diese Weise soll sich ein intensiverer Kontakt zwischen Menschen mit und ohne Behinderung ergeben.

Auf Bundesebene wird sich das Land auch in Zukunft dafür einsetzen, dass Menschen mit Behinderungen, die zugleich pflegebedürftig sind, in den Genuss der vollen Leistungen der Pflegeversicherung kommen. Das jetzige System sieht nur eine geringe Pauschalleistung der Pflegekassen vor, wenn Pflegebedürftige in vollstationären Einrichtungen der Eingliederungshilfe wohnen.

„Wir haben in der Politik neue Wege beschritten“, betont Cornelia Rundt, „der alte Fürsorgeansatz ist Vergangenheit. Nun geht es darum, dass Menschen mit Behinderungen die volle Teilhabe haben, um selbstbestimmt leben zu können.“

VdK-Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ ist ein voller Erfolg

Die VdK-Kampagne „Weg mit den Barrieren!“, mit der sich der VdK für eine Gesellschaft ohne Hindernisse einsetzt, ist schon zur Halbzeit ein großer Erfolg. Mehr als 55 000 Menschen unterstützen bereits die VdK-Forderungen für ein barrierefreies Deutschland. „Seit Anfang des Jahres konnten wir mit zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Aktionen und Veranstaltungen deutliche Akzente setzen“, erklärt Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland.

Wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Kampagne ist das Engagement der Landes-, Orts- und Kreisverbände. „Alle Verbandsstufen des VdK sind aktiv und machen sich vor Ort für Barrierefreiheit stark, damit Menschen mit Behinderung und Beeinträchtigungen wirklich teilhaben können“, so die VdK-Präsidentin.

Dass das Thema „Barrierefreiheit“ die Menschen berührt, zeigt vor allem auch die „Landkarte der Barrieren“, die das Herzstück der VdK-Kampagne ist. „Seit Kampagnenstart haben uns schon mehr als 1600 Meldungen über Bahnhöfe, Internetseiten, Geschäfte, Arztpraxen, Behörden und öffentliche Plätze erreicht, die für Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigungen kaum oder gar nicht zugänglich sind. Das zeigt, dass wir von einer inklusiven Gesellschaft noch weit entfernt sind. Wir brauchen aber Barrierefreiheit im umfassenden Sinn“, so Mascher.

Der Sozialverband VdK kritisiert erneut vehement, dass in der kürzlich vom Bundestag verabschiedeten novellierten Fassung des Behindertengleichstellungsgesetzes die Privatwirtschaft beim Abbau von Barrieren nicht in die Pflicht genommen wird. „Es bedarf klarer gesetzlicher Regelungen, um Teilhabe zu garantieren, und auch um die Zugänglichkeit im Bereich privater Güter und Dienstleistungen, wie zum Beispiel Arztpraxen, sicherzustellen“, fordert die VdK-Präsidentin.

Dass der Druck des VdK auf die Politik Wirkung zeigt, machen die jüngst verkündeten Pläne des Bundesverkehrsministeriums deutlich, mehr als 100 kleine Bahnstationen in Deutschland barrierefrei umzubauen. „Das ist ein erster Schritt, dem viele weitere folgen müssen. Verkehrsmittel und -anlagen müssen für alle zugänglich sein. Deswegen fordern wir auch weiterhin ein höheres Tempo beim Umbau der Bahnhöfe und mehr Zuschüsse vom Bund“, erklärt Mascher.

Der VdK wird beim Thema Barrierefreiheit nicht locker lassen und auch im Vorfeld der Bundestagswahl im nächsten Jahr Politiker aller Parteien überall im Land mit seinen Forderungen zur Barrierefreiheit konfrontieren. „Von einer barrierefreien Gesellschaft profitieren nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern auch Ältere, Familien oder Menschen, die nur vorübergehend ein Handicap haben“, so die VdK-Präsidentin.

Der VdK ist mit über 1,75 Millionen Mitgliedern die größte Interessenvertretung behinderter und älterer Menschen in Deutschland. Mit der Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ macht sich der Sozialverband VdK für eine barrierefreie Gesellschaft stark. Jetzt informieren: www.weg-mit-den-barrieren.de

Deutscher Behindertenrat fordert: Neuer Hilfsfonds für ehemalige Heimkinder in Behinderteneinrichtungen und Psychiatrien ohne weitere Verzögerungen und Diskriminierungen

Der Deutsche Behindertenrat (DBR) fordert anlässlich des morgigen Treffens der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Länder die Verantwortlichen aus Bund, Ländern und Kirchen auf, ohne weitere Verzögerungen einen diskriminierungsfreien Hilfsfonds zur Anerkennung des Leids ehemaliger Heimkinder in Behinderteneinrichtungen und Jugendpsychiatrien aufzubauen und Nachbesserungen im aktuellen Entwurf vorzunehmen.

„Menschen, die bereits als Kinder oder Jugendliche in Psychiatrien Gewalt erlebt haben oder in Behinderteneinrichtungen ohne Bezahlung arbeiten mussten, sind aktuell dreifach diskriminiert: Ihnen wurde in der Jugend grausames Leid angetan; im Fonds Heimerziehung, der seit 2012 existiert, wurden sie nicht berücksichtigt und bei der Diskussion um den neuen Hilfsfonds gibt es immer wieder Verzögerungen und Geschacher um die Finanzierung der Stiftung. Das ist endwürdigend und nicht tragbar!“, empört sich Ulrike Mascher, Vorsitzende des Sprecherrats im DBR.

Nach dem Vorschlag einer Arbeitsgruppe von Vertreterinnen und Vertretern vom Bund, den Ländern und den Kirchen für ein Konzept für eine Stiftung „Anerkennung und Hilfe“, soll Menschen, die als Kind oder Jugendliche Leid oder Unrecht in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder in Psychiatrien erlitten haben, eine einmalige materielle Anerkennung zukommen. Die Stiftung orientiert sich an den beiden „Fonds Heimerziehung Ost und West“, an den sich bereits seit 2012 ehemalige Heimkinder wenden können. Diese richteten sich jedoch lediglich an Ehemalige aus der Jugendhilfe und nicht aus der Behindertenhilfe oder Psychiatrien.

„Die aktuellen Pläne zum Aufbau einer neuen Stiftung müssen dringend noch nachgebessert werden!“, fordert Mascher weiter. „Ein Antrag auf Anerkennung steht und fällt mit der Glaubhaftmachung. Sie muss unkompliziert vonstattengehen.“

Deshalb fordert der DBR insbesondere:

1. Die Glaubhaftmachung bei der Beantragung von Leistungen aus der Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ muss unkompliziert durch Nachweise zu erbringen sein, die eine Unterbringung in einer für Gewalt, Missbrauch und Arbeit ohne Bezahlung bekannte Einrichtung der Behindertenhilfe oder Psychiatrie darlegen!

2. Der Grundsatz „Nichts über uns ohne uns!“ muss auch für die Anlauf- und Beratungsstellen der Stiftung vor Ort sowie die wissenschaftliche Aufarbeitung gelten!

3. Die vorgesehenen pauschalen Anerkennungsunterstützungsleistungen und Rentenersatzleistungen dürfen nicht zu weiteren Diskriminierungen führen! Sie müssen in der Höhe entsprechend der beiden Fonds Heimerziehung West und Ost angelegt sein.

„Es muss gelingen, dass sich Menschen, die als Kinder und Jugendliche Gewalt, Missbrauch, Demütigungen und anderes Leid in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder Psychiatrien erfahren haben und nun bereits seit mehreren Jahren auf eine Anerkennung warten, nicht erneut diskriminiert werden, indem die sichtbare Anerkennung geringer ist als in den Heimkinderfonds!“, so Mascher abschließend.

Info: Der Deutsche Behindertenrat (DBR) ist ein Aktionsbündnis der Behindertenverbände und Selbsthilfeorganisationen in Deutschland und engagiert sich seit vielen Jahren für die Rechte von Menschen mit Behinderung. Im DBR haben sich über 140 Organisationen behinderter und chronisch kranker Menschen vereinigt. Es repräsentiert mehr als 2,5 Millionen Betroffene. Mehr unter www.deutscher-behindertenrat.de

Selbstbestimmt Wohnen im Alter – auch für Menschen mit Behinderungen!

Die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Petra Wontorra, hat heute im Rahmen eines Fachtages ihre neue Broschüre „Selbstbestimmt Wohnen im Alter – auch für Menschen mit Behinderungen?“ vorgestellt. Die Broschüre wurde in Zusammenarbeit mit dem Niedersachsenbüro „Neues Wohnen im Alter“ erstellt. Der Grundsatz, dass Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt leben können, muss auch für Menschen mit Behinderungen im Alter gelten. Die Broschüre soll helfen, das Bewusstsein dafür zu stärken.

„Es gibt nur wenig Informationen darüber, wie älter werdende Menschen mit Behinderungen in Niedersachsen leben. Mit einer neuen Broschüre schließen wir diese Informationslücke, präsentieren vorbildliche Projekte und machen deutlich, dass ältere Menschen mit Behinderung ein Recht darauf haben, solange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld zu leben“, so Petra Wontorra.

Die Ergebnisse einer Befragung über die Wohnmöglichkeiten für älter werdende Menschen mit Behinderungen werden in der Broschüre zusammengefasst. Dabei sind zwei Tatbestände für die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen alarmierend: Es kommt immer noch vor, dass Menschen das Wohnheim verlassen müssen, in welchem sie jahrelang gelebt haben, ohne dass sie es wollen. Sie müssen umziehen, weil sie eine Altersgrenze erreicht haben oder noch häufiger, weil sie pflegebedürftiger werden. Aber genauso wie andere Menschen auch betrachten viele „ihr“ Wohnheim als ihre Heimat und wollen nicht zwangsweise in eine Altenwohneinrichtung ziehen müssen.

In der Erhebung wurde auch die Vermutung bestätigt, dass viele Menschen mit Behinderungen im fortgeschrittenen Alter immer noch bei ihren Eltern leben. „Aber was passiert, wenn die oft hochbetagten Eltern nicht mehr da sind? Wir brauchen Ideen und Strategien, um zu verhindern, dass diese Menschen dann zwangsläufig in Altenpflegeheime übersiedeln müssen“, mahnt Wontorra an.

Dass es auch anders geht, belegt die Broschüre an 14 so genannten Leuchtturmprojekten. Darüber hinaus enthält die Broschüre Empfehlungen für die niedersächsische Sozialpolitik und die Akteurinnen und Akteure vor Ort. Hier werden Vorschläge aus der Studie abgeleitet, die dazu beitragen sollen, dass auch älter werdende Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt leben können.

„Besonders wichtig wird die Broschüre zusätzlich durch eine Liste von Adressen von Wohneinrichtungen, in denen Menschen mit Behinderungen auch im hohen Alter leben können“, so die Mitautorin Annette Brümmer vom Niedersachsenbüro Neues Wohnen im Alter.

„Ich bin sicher, dass die Broschüre dazu beiträgt, die Lebenssituation von älter werdenden Menschen in Niedersachsen mehr in den Fokus der Politik und der Öffentlichkeit zu bringen, und hoffe, dass dadurch zunehmend Wohnmöglichkeiten, insbesondere selbstbestimmte Wohnformen für älter werdende Menschen mit Behinderungen in Niedersachsen entstehen“, so die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen.

Menschen mit Behinderung müssen weiter auf die Verwirklichung ihrer Rechte warten

„Menschen mit Behinderung müssen auch weiterhin auf die Verwirklichung ihrer Rechte warten. Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich die Bundesrepublik zwar bereits 2009 verpflichtet, geeignete Maßnahmen für eine inklusive Gesellschaft zu treffen und damit die Gleichstellung mit anderen Menschen sicherzustellen. Von diesem Ziel sind wir aber noch weit entfernt.“ Das erklärt Ulrike Mascher, Sprecherratsvorsitzende des Deutschen Behindertenrats (DBR) und Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai.

Der DBR kritisiert unter anderem, dass es mit dem nun vorliegenden Entwurf des Bundesteilhabegesetzes nicht gelungen sei, die eigenverantwortliche und selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben von Menschen mit Behinderung wesentlich zu verbessern. „In der Koalitionsvereinbarung hat die Bundesregierung 2013 versprochen, dass sie die Menschen, die aufgrund einer wesentlichen Behinderung nur eingeschränkte Möglichkeiten der Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft haben, aus dem bisherigen ‚Fürsorgesystem‘ herausführen und die Eingliederungshilfe zu einem modernen Teilhaberecht weiterentwickeln werde. Dieses Versprechen wurde kaum erfüllt“, erklärt Mascher.

Es sei vor allem nicht hinnehmbar, dass der Personenkreis, der Leistungen der Eingliederungshilfe in Anspruch nehmen darf, eingeschränkt wird. „Die neuen Hürden sind viel zu hoch und nicht akzeptabel, weil die Gefahr besteht, dass viele Menschen, die heute leistungsberechtigt sind, zukünftig von Leistungen ausgeschlossen werden. Leistungsverschlechterungen werden wir nicht akzeptieren“, so Mascher.

Auch kritisiert der DBR, dass die Einkommens- und Vermögensgrenzen für erwerbstätige Menschen mit Behinderung nicht abgeschafft werden sollen. „Diese Grenzen sind für Menschen mit Behinderung immer eine Barriere, die sie an einem selbstständigen und selbstbestimmten Leben hindert. Zwar ist die Anhebung der Vermögensgrenzen ein erster Schritt, aber sie reicht bei weitem nicht aus“, betont die DBR-Sprecherratsvorsitzende.

Unverzichtbar für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben ist aus Sicht des DBR die Barrierefreiheit. Das novellierte Behindertengleichstellungsgesetz verpflichtet aber vorrangig nur Träger der öffentlichen Gewalt und die Sozialleistungsträger. „Der Bereich privater Güter und Dienstleistungen, wie beispielsweise Arztpraxen, Wohnungen, Internet, Supermärkte, Taxis oder Restaurants, wird nicht gesetzlich geregelt und bleibt im Bereich der Freiwilligkeit. Ausnahmen darf es bei der Barrierefreiheit aber nicht geben. Wir brauchen Barrierefreiheit im umfassenden Sinn“, erklärt Mascher.

Info: Der Deutsche Behindertenrat (DBR) ist ein Aktionsbündnis der Behindertenverbände und Selbsthilfeorganisationen in Deutschland und engagiert sich seit vielen Jahren für die Rechte von Menschen mit Behinderung. Im DBR haben sich über 140 Organisationen behinderter und chronisch kranker Menschen vereinigt. Es repräsentiert mehr als 2,5 Millionen Betroffene. Mehr unter www.deutscher-behindertenrat.de

Frankfurter Sehenswürdigkeiten sind auch für Menschen mit Handicap erlebbar

Ein Museum, das nur über Treppen zu erreichen ist, ein hoher Einstieg in den Bus oder eine Beschilderung in sehr kleiner Schrift: Reisende mit Handicap sind in ihren Unternehmungen oft eingeschränkt. Das gilt nicht nur für Menschen mit Behinderung, sondern auch für Senioren, Familien mit Kinderwagen oder Schwangere. „Damit alle Menschen uneingeschränkt am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben können, bemühen sich bereits viele Städte in Deutschland um ein barrierefreies touristisches Angebot“, weiß Beate Fuchs, Reiseexpertin bei der Ratgeberzentrale.de. Das beste Beispiel sei in dieser Beziehung Frankfurt am Main, das sich auch für Gäste mit Behinderung als attraktives Städtereiseziel präsentiere.

Stadtführung für Menschen mit Sehschwäche

Für Menschen mit einer Sehschwäche beispielsweise gibt es eine eigene Stadtführung durch den historischen Stadtteil rund um den Römerberg. Abgestimmt auf die besonderen Bedürfnisse der Teilnehmer beschäftigt sich der Rundgang „Frankfurt begreifen“ mit spannenden Anekdoten, dem Ertasten von Reliefabdrucken und der Verkostung lokaler Spezialitäten. Die Gäste lernen die Stadt auch anhand eines taktilen Lageplans kennen, der in verschiedenen Strukturen, leuchtenden Farben und Brailleschrift gestaltet ist. Straßen, Wege, Fußgängerzonen, Grünflächen und Gewässer haben jeweils eine eigene Struktur, an der sie ertastet werden können. Außerdem sind die Sehenswürdigkeiten mit einer Nummer gekennzeichnet, die in einer Legende erklärt wird.

Anfassen erwünscht

Eine Übersicht über die Zugänglichkeiten der wichtigsten Frankfurter Sehenswürdigkeiten gibt es unter www.frankfurt-tourismus.de/barrierefrei. Ungehindert können Rollstuhlfahrer beispielsweise den Blick über die Stadt vom Main Tower in 200 Metern Höhe genießen. Viele Museen in Frankfurt bieten auch Führungen für Besucher mit Handicap an. Im Goethe-Haus gibt es Angebote für Blinde und Sehbehinderte und das Museum Angewandte Kunst lässt Objekte ausnahmsweise von Blinden ertasten. Das Museum zur Geschichte der Gehörlosen und Schwerhörigen bietet einen Einblick in das Alltagsleben mit Hörbehinderung.

Ein besonderes Erlebnis ist ein Spaziergang durch den Duft- und Tastgarten der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte. Hier wachsen rund 100 verschiedene Sträucher, Stauden und Zwiebelgewächse, die intensiv duften und in kontrastreichen Farben blühen, um seheingeschränkten Menschen die visuelle Wahrnehmung zu erleichtern.

Menschen mit Behinderung wird gleichberechtigte Teilhabe zu oft verwehrt

„Mit der Bahn verreisen, das Internet nutzen, zum Arzt, zur Universität oder ins Kino gehen – für Menschen mit Behinderung ist das nicht selbstverständlich. Eine gleichberechtigte Teilhabe bleibt Millionen Menschen in Deutschland immer noch verwehrt“, so Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, anlässlich des heutigen internationalen Tages der Menschen mit Behinderung.

Deutschland habe sich 2009 mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention zwar zu einer umfassenden Teilhabe von Menschen mit Behinderung verpflichtet. „Von einer inklusiven Gesellschaft sind wir aber immer noch weit entfernt. Bestehende Vorgaben werden oftmals nicht umgesetzt. In einigen Bereichen fehlen klare gesetzliche Regelungen ganz“, so Mascher. Die Bundesregierung müsse endlich geeignete Maßnahmen treffen, damit Menschen mit Behinderung nicht länger ausgegrenzt und benachteiligt werden. „Wohnungen, Verkehrsmittel sowie alle privaten Güter und Dienstleistungen müssen endlich so gestaltet werden, dass sie für alle zugänglich sind. Dazu gehören einheitliche Vorgaben mit verbindlichen Fristen, Kontrollen, Sanktionen sowie eine entschiedene Förderung durch den Bund“, fordert die VdK-Präsidentin.

Vor allem von einer gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderung am deutschen Arbeitsmarkt könne keine Rede sein. Etwa 40 Prozent der 7,5 Millionen schwerbehinderten Menschen sind im erwerbsfähigen Alter, das heißt, sie sind 15 bis 65 Jahre alt. „Diese Gruppe stößt auf dem Arbeitsmarkt auf viel zu viele Barrieren“, kritisiert VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Während die 11715 öffentlichen Arbeitgeber ihre Beschäftigungsquote mit 6,6 Prozent sogar übererfüllen, hinken die privaten Unternehmen noch gewaltig hinterher. 78,5 Prozent der 138095 Betriebe erreichen den vorgeschriebenen Beschäftigtenanteil von fünf Prozent nicht. In jedem vierten aller verpflichteten Betriebe arbeitet kein einziger Mensch mit Behinderung.

„Arbeit ist einer der wichtigsten Schlüsselfaktoren für gesellschaftliche Teilhabe“, betont Ulrike Mascher. „Wir fordern mehr Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten am allgemeinen Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung. Es darf zudem nicht sein, dass Betriebe keinen einzigen Schwerbehinderten beschäftigen. Arbeitgeber, die sich der Beschäftigungspflicht für Schwerbehinderte komplett entziehen, sollen eine erhöhte Ausgleichsabgabe zahlen.“

Heute übernimmt turnusgemäß für ein Jahr der Sozialverband VdK Deutschland den Vorsitz des Deutschen Behindertenrates (DBR). Der DBR ist ein breites politisches Aktionsbündnis der Behindertenverbände und Selbsthilfeorganisationen in Deutschland und engagiert sich seit vielen Jahren für die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Im DBR haben sich über 140 Organisationen behinderter und chronisch kranker Menschen zu einem Aktionsbündnis vereinigt. Es repräsentiert mehr als 2,5 Millionen Betroffene in Deutschland. Der VdK ist der größte Behindertenverband Deutschlands.

Reedereien räumen Barrieren ab

Reisen ohne Barrieren, davon träumen viele Menschen mit Beeinträchtigungen. Doch häufig werden sie unsanft von der Realität eingeholt: die Zimmertüren zu schmal, die Dusche unerreichbar und Restaurants mit Stufen. Mehrere Kreuzfahrt-Reedereien räumen diese Barrieren ab und stellen ihre Flotten auf einen barrierefreien Urlaub um. Die Experten von kreuzfahrten.de, dem Kreuzfahrten-Reisebüro im Internet, geben einen Überblick über die Ausstattung der Schiffe von zehn Anbietern.

Generell gilt: Vor einer Kreuzfahrt sollten Gäste herausfinden, welches Schiff ihren Bedürfnissen entspricht. Viele Cruiseliner verfügen über ein Kontingent behindertengerechter Kabinen. Vor Reiseantritt verschicken die meisten Kreuzfahrtveranstalter einen Fragebogen und fragen nach den individuellen Bedingungen für einen reibungslosen Aufenthalt an Bord. So kann geklärt werden, welche Ausstattung nötig ist und an welcher Stelle die Urlauber auf Hilfe angewiesen sind. Die Berater von kreuzfahrten.de unterstützen Menschen mit Beeinträchtigungen bei der Wahl der passenden Kreuzfahrt und geben weitere wertvolle Tipps und Hilfestellungen.

Doch nicht nur die Barriere-Freiheit auf See ist ein Thema für Menschen mit Beeinträchtigungen. Für viele Gäste liegt der große Reiz der Kreuzfahrt in den Erlebnissen an Land. Die Angebote an Bord lassen sich bis auf wenige Ausnahmen von Menschen mit eingeschränkter Mobilität nutzen. Doch wie ist es mit den Ausflügen? Können Rollstuhlfahrer von Bord gehen, um sich Land und Leute anzuschauen, oder ist das Ufer nur mit Tender-Booten zu erreichen? Hinzu kommt, dass nicht alle Reisebusse für Landausflüge mit Hebebühnen für Rollstuhlfahrer bestückt sind. Sondertransfers verursachen oft erhebliche Kosten. Auch Passagiere, die Ernährungswünsche haben oder Diätvorschriften beachten müssen, sollten sich vor Reiseantritt an die Reederei wenden. Meist ist es für die Küche kein Problem, darauf Rücksicht zu nehmen.

Zehn Reedereien im Check: Wegweiser zur Barriere-Freiheit

AIDA Cruises: Nahezu alle öffentlichen Bereiche der AIDA-Schiffe wie Bars, Restaurants, Lifte, Außendecks, WC und Kabinen sind barrierefrei mit Schildern in Profil- und Brailleschrift erreichbar. Gäste mit Beeinträchtigungen lädt die Reederei am ersten Tag der Reise zu einem Treff ein, auf dem Fragen zu Landgängen und Reservierungen besprochen werden. Diese Gäste berät ein Schalter mit geschultem Personal. Die Wellness-Anwendungen und Sport-Felder stehen allen Gästen zur Verfügung, allerdings ist nicht der gesamte Bereich barrierefrei. An Bord der AIDAprima wird es auf Deck 15 einen Pool-Lift für Reisende im Rollstuhl geben. An Bord der AIDAcara und AIDAstella wurde das Sportangebot um Kranking erweitert: Dieses Ausdauertraining auf Krank-Cycles ermöglicht Rollstuhlfahrern uneingeschränktes Training. Im Kundencenter können sich Gäste beraten lassen, welche Landausflüge unkompliziert möglich sind. Rollstühle werden nach Voranmeldung an Bord vermietet. Allerdings kann AIDA nicht garantieren, dass Rollstuhlfahrer, die uneingeschränkt auf ihr Gefährt angewiesen sind, in jedem Fall einen Landgang machen können. Nur wer mit einem faltbaren Rollstuhl reist und sicher in ein Boot steigen kann, wird die Tender-Boote nutzen können.

Carnival Cruise Line: Behindertengerechte Aufzüge mit fühlbaren Armaturen erleichtern die Handhabung der Lifte. Alle Schiffe der Flotte bieten barrierefreie Kabinen mit Bewegungsfreiheit und Schränken, Schreibtischen sowie Badezimmern für rollstuhlgerechte Nutzung. Die Reederei empfiehlt frühzeitig zu reservieren, da diese Kabinen schnell ausgebucht sind. Für den Transport zwischen Flughafen und Hafen kann ein hydraulischer Lift-Transfer bestellt werden. Wer einen Rollstuhl mieten möchte, sollte sich früh an die Reederei wenden, da nur eine begrenzte Anzahl zur Verfügung steht. Tender-Boote sind nicht zugänglich, wenn Personen auf den Rollstuhl angewiesen sind und keine Treppen steigen können. Außerdem können keine elektrischen Rollstühle mit an Bord eines Tender-Bootes genommen werden. Es ist jedoch möglich, auf Tender-Booten einen klappbaren Rollstuhl mitzuführen.

Celebrity Cruises: Alle Kreuzfahrtschiffe von Celebrity Cruises sind für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ausgestattet. Gäste mit einem Rollstuhl können also alle Bereiche der Schiffe genießen. In vielen Kabinenkategorien stehen barrierefreie Kabinen für Rollstuhlfahrer zur Verfügung. Individuelle Wünsche müssen bei der Buchung angegeben werden.

Costa Kreuzfahrten: Alle Costa-Schiffe verfügen über behindertenfreundliche ausgestattete Kabinen in verschiedenen Kategorien. Im Theater sind Stellplätze für Rollstuhlfahrer mit Sitzplätzen für Begleitpersonen reserviert und in den Buffet-Restaurants Tische für Gäste mit eingeschränkter Mobilität. Zum Abendessen in den À-la-carte-Restaurants erhalten Passagiere einen Tisch, der ihren Bedürfnissen entspricht. Wer mit einer Begleitperson Stufen steigen kann, hat in der Regel kein Problem, Transferbusse für die Landausflüge zu nutzen. Sofern ein Gast fremde Hilfe benötigt oder der Rollstuhl nicht faltbar ist, organisiert die Reederei einen Privattransfer. Tender-Boote sind für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich, in Zweifelsfragen entscheidet der Kapitän.

Cunard Lines: Die Cunard-Schiffe verfügen über eine begrenzte Anzahl von Kabinen und Suiten für körperlich behinderte Passagiere. Gäste, die Hilfe benötigen, dürfen, so die Reederei, nur mit einer Begleitperson reisen, da an Bord keine Hilfsdienste angeboten werden. Rollstühle müssen mitgebracht und deren Maße vor Reisebeginn mit Cunard abgestimmt werden. Rollstuhlfahrer können nicht in Tendern übergesetzt werden, wenn das Schiff auf Reede liegt. Auch in einigen Tidehäfen wie Hamburg oder Zeebrügge sowie auf den Kanarischen Inseln kann wegen der Wasserstände nicht garantiert werden, dass die Gäste das Schiff verlassen können. Die Gangway kann wegen der Höhenunterschiede zwischen Schiff und Pier sehr steil sein. Das Verlassen des Schiffes ist dann für Rollstuhlfahrer aus Sicherheitsgründen nicht möglich.

Hapag-Lloyd Kreuzfahrten: Auf der MS Europa und der MS Europa 2 finden Gäste ein Hospital und eine Hämodialyse-Station sowie eine Osmose-Anlage für eine Dialyse wie zu Hause. Die Dialysezeiten können laut Reederei so gelegt werden, dass die Gäste auf Häfen und Landausflüge nicht verzichten müssen. Ein Dialysearzt sowie ein Pflegeteam sind an Bord. Gäste, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, müssen mit einer Begleitperson reisen und werden gebeten, den eigenen Rollstuhl mitzubringen. An Bord sind alle Fahrstühle rollstuhlgerecht, die Gesellschaftsräume und einige Außendecks sind bequem erreichbar. Alle Türen zu den Außendecks auf der Backbordseite verfügen über Rampen. Hapag-Lloyd bietet behindertengerechte Suiten mit komfortablen Betten von denen eines elektrisch verstellbar ist. Die Bäder sind befahrbar und mit einer ebenerdigen Dusche mit Sitz bestückt. Alle Türschwellen in der Suite haben Rampen. Probleme können bei Landausflügen mit Bussen auftreten. Der Reise-Concierge organisiert vor und während der Kreuzfahrt maßgeschneiderte, kostenpflichtige Ausflüge. Fahrten mit den Motorschlauchbooten der Expeditionsschiffe MS Hanseatic und MS Bremen sind für Rollstuhlfahrer oder gehbehinderte Personen aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Die Crew bemüht sich jedoch, bei guten Wetter- und Seebedingungen Ausnahmen von dieser Regel zu ermöglichen.

MSC Kreuzfahrten: Die Flotte von MSC verfügt über 174 behindertengerechte Kabinen mit mehr Bewegungsfreiheit als andere Kabinen. Alle Decks, öffentliche Bereiche und Tender-Boote sind für Gäste mit eingeschränkter Mobilität so gut wie möglich zugänglich. Zudem stehen auf allen Schiffen bei den Ein- und Ausschiffungen oder für Notfälle Rollstühle zur Verfügung. Passagiere, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, werden gebeten mit einer Begleitperson zu reisen. Viele Schiffe der Flotte sind für die Zubereitung glutenfreier Mahlzeiten zugelassen, und die Crew berät bei der Auswahl von Speisen bei Lebensmittelunverträglichkeit. Auf einigen Kreuzfahrten führen Dritt-Unternehmen Hämodialyse-Geräte mit.

Norwegian Cruise Line: Jedes Schiff verfügt über Kabinen mit breiteren Türen und rollstuhlgerechten Badezimmern sowie Kabinen mit Licht- und Vibrationsalarm für Seh- und Hörgeschädigte. Blindenhunde sind auf allen Schiffen erlaubt. Norwegian Cruise Line (NCL) hat einen Exklusivvertrag mit dem Anbieter Special Needs at Sea geschlossen, der sämtliche Sauerstoff- und Mobilitätshilfedienste an Bord bereitstellt. Darin eingeschlossen sind nicht motorisierte Rollstühle, elektronische Mobilitätsgeräte wie Scooter und nach Voranmeldung Sauerstoffvorrichtungen während der Kreuzfahrt und auf Landausflügen. Auch Peritoneal-Dialyse-Patienten sind herzlich willkommen, allerdings sind die Schiffe nicht für Hämo-Dialyse-Patienten ausgestattet. NCL kann keine Transfers mit Tender-Booten für Rollstuhlfahrer anbieten. Einige Landausflüge in Tender-Häfen sind für Personen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, nicht möglich.

Royal Caribbean International: Alle Schiffe der Reederei verfügen über zweckmäßig ausgestattete Kabinen, breite Korridore, funktionale Bäder und Hilfsgeräte für Gäste mit Seh- und Hörbehinderung. Rollstuhlfahrer dürfen früher einchecken, werden mit Fahrzeugen, die mit einem Lift ausgestattet sind, zum Schiff gefahren und können dort Rampen und hydraulische Lifts für Pool und Whirlpool nutzen. Der Zugang zum Tender-Boot ist via Lift behindertengerecht. Rollstühle stehen nicht zur Verfügung. Alternativ können Menschen, die diese Unterstützung an Bord benötigen, einen Rollstuhl bei einem Fremdanbieter anmieten. Passagiere, die eine Sauerstofftherapie benötigen, bekommen an Bord Unterstützung, müssen aber ihr eigenes Sauerstoffgerät mitführen. Gleiches gilt für Gäste, die mit eigenem Gerät eine Peritoneal-Dialyse durchführen können. Bei Voranmeldung erfüllt die Küche Diätwünsche für Diabetiker und Personen mit Laktose-Intoleranz.

TUI Cruises: Alle Schiffe der Flotte verfügen über barrierefreie Kabinen mit mehr Fläche, breiteren Eingangs- und Badezimmertüren und spezielle Ausstattungen. Fast alle Bereiche an Bord sind barrierefrei erreichbar. Jedes Treppenhaus verfügt über Aufzüge, die mit Rollstühlen befahrbar sind. In den Restaurants sind Tische für Gäste mit eingeschränkter Mobilität reserviert, und alle Bars und Lounges sind zugänglich. Für die Pools und Whirlpools gibt es keine Einstiegshilfen. Das Ausflugsteam berät die Passagiere bei der Wahl geeigneter Landausflüge. In Ausflugsbroschüren ist verzeichnet, welche Angebote für Gäste mit eingeschränkter Mobilität geeignet sind. Gäste, die einige Schritte gehen können und nicht dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen sind, können die Schiffe in jedem Hafen verlassen. Für Rollstuhlfahrer kann das nicht gewährleistet werden, da in Häfen, vor denen das Schiff auf Reede liegt, ein für Rollstuhlfahrer nicht zugänglicher Tender-Service erforderlich ist.

Einchecken und starten für Inklusion

Unter dem Motto „Gemeinsam starten“ rufen der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), der Sozialverband Deutschland (SoVD) und der Berliner Leichtathletik Verband (BLV) zur Teilnahme am Inklusionslauf am 6. Juni auf. Die Verbände organisieren das Sportereignis für Menschen mit und ohne Behinderungen zum zweiten Mal. Die Veranstaltung richtet sich an behindertensportlich Aktive aus Verbänden und Initiativen ebenso wie an Interessierte aus ganz Deutschland.

SoVD-Präsident Adolf Bauer:
„Wie sehr Inklusion Menschen mobilisiert, wollen wir am 6. Juni demonstrieren. Denn dann gehen wir erneut an die Startlinie, um in Berlin ein Zeichen zu setzen. Jeder Mensch, mit oder ohne Behinderung, kann überall dabei sein. In der Schule, am Arbeitsplatz, im Wohnviertel, in der Freizeit. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern, dem BLV und dem DBSV, rufen wir alle Unterstützerinnen und Unterstützer des Inklusionsgedankens zur Teilnahme auf!“

DBSV-Präsidentin Renate Reymann:
„Sport machen ist schwieriger, wenn man nicht gut sehen kann. Deswegen ist ein Inklusionslauf eine tolle Idee, die alle zusammenbringt, die sich gern bewegen. Besonders passend ist, dass der Lauf am bundesweiten Sehbehindertentag, dem 6. Juni startet, wo wir dieses Jahr fürs Fitbleiben auch mit Sehbehinderung werben. Ich danke besonders allen, die sich als Begleitläufer für blinde und sehbehinderte Lauffans zur Verfügung stellen. Denn ohne Sehvermögen braucht man jemanden, der den richtigen Weg weist. Vielleicht finden sich so ja auch neue Lauftandems zusammen.“

BLV-Präsident Gerhard Janetzky:
„Bewegung ist unmittelbar mit dem Leben verbunden. Egal ob auf zwei Beinen, im Rolli, alleine oder gemeinsam. Bewegung verbindet und bringt die Menschen zueinander. Seit auch ihr dabei, wenn Berlin das Tempelhofer Flugfeld am 06. Juni in Bewegung versetzt. Der SoVD-Inklusionslauf ist für alle offen. Je mehr dabei sind, desto bunter und vielfältiger wird es. Inklusion ist ja bekanntlich, wenn alle mitmachen!“

Link zur Anmeldung:
http://www.inklusionslauf.de/wp/anmeldung-inklusionslauf-2015.html