„Wohnen für Menschen mit Behinderungen muss inklusiv ausgebaut werden.“

Mit seiner „Inklusion braucht Aktion„-Tour machte Projektkoordinator Karl Grandt Halt in Hannover. Der Name der Tour ist Programm: Die Mitglieder des Vereins „Health – Media g. e. V.“ als Veranstalter wollen damit auf die Belange von Menschen mit Behinderungen aufmerksam machen.

Eine ‚Haltestelle‘ war das Niedersächsische Sozialministerium. Die vollständige Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben ist dort eines der Schwerpunktthemen. Sozialministerin Cornelia Rundt lobte im Gespräch mit Karl Grandt die Aktion, denn sie biete die gute Gelegenheit, Verständnis für die Belange von Menschen mit Behinderungen zu wecken. Eines dieser Bedürfnisse ist das Thema Wohnen. „Wie jeder andere Mensch möchten auch Menschen mit Behinderungen möglichst selbstbestimmt in einem eigenen häuslichen Umfeld wohnen. Wohnen für Menschen mit Behinderungen muss deshalb inklusiv ausgebaut werden“, betont Cornelia Rundt. Obwohl in den vergangenen Jahren bereits viele Anstrengungen unternommen wurden, ambulant betreute Wohnangebote in Niedersachsen aufzubauen, besteht nach wie vor ein hoher Handlungsbedarf. „Die Förderung des Ausbaus ambulanter Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen hat für mich klare Priorität gegenüber einem weiteren Zuwachs stationärer Einrichtungsplätze“, so Rundt.

Derzeit leben in Niedersachsen ca. 25.000 Menschen mit Behinderungen in vollstationären Einrichtungen. Ab dem Jahr 2020 wird auf Grund der Neuregelungen des Bundesteilhabegesetzes die Unterscheidung zwischen „stationär“ und „ambulant“ aufgelöst. Das eröffnet die Möglichkeit, die Rahmenbedingungen für neue ambulante Wohnplätze besonders für Menschen, die erstmals auf solche Plätze angewiesen sind, zu verbessern. Dies soll auch dadurch geschehen, indem wirtschaftliche Anreize für die Leistungsanbieter von ambulanten Angeboten verbessert werden und wirtschaftliche Anreize für Leistungsanbieter, die neue stationäre Angebote schaffen wollen, reduziert werden. Menschen mit Behinderungen sollen dort wohnen können, wo es bedarfsgerecht ist und wo es sich nach ihren eigenen Wünschen richtig für sie anfühlt – nicht dort, wo Leistungsanbieter eigene wirtschaftliche Interessen in den Vordergrund stellen.

Der Aktionsplan Inklusion 2017/2018, den das Landeskabinett am 6. Januar 2017 beschlossen hat, ist ein weiterer Meilenstein niedersächsischer Politik für und mit Menschen mit Behinderungen. Er hat unter anderem das Ziel, dass Menschen mit Behinderungen in jedem Alter unabhängig und selbstbestimmt am Wohnort ihrer Wahl leben können. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, dass ausreichend Wohnraum zur Verfügung steht, der Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zu einem selbstbestimmten Wohnen ermöglicht. Der Aktionsplan sieht daher vor, die Schaffung bezahlbaren Wohnraums für Menschen mit Behinderungen durch Neu-, Um- und Ausbau sowie Modernisierungsmaßnahmen zu erleichtern.

Auch Menschen, die aufgrund der Schwere ihrer Behinderung oder aus anderen Gründen in einer stationären Wohneinrichtung leben, sollen eine größtmögliche Teilhabe erleben können. Auf diese Weise soll sich ein intensiverer Kontakt zwischen Menschen mit und ohne Behinderung ergeben.

Auf Bundesebene wird sich das Land auch in Zukunft dafür einsetzen, dass Menschen mit Behinderungen, die zugleich pflegebedürftig sind, in den Genuss der vollen Leistungen der Pflegeversicherung kommen. Das jetzige System sieht nur eine geringe Pauschalleistung der Pflegekassen vor, wenn Pflegebedürftige in vollstationären Einrichtungen der Eingliederungshilfe wohnen.

„Wir haben in der Politik neue Wege beschritten“, betont Cornelia Rundt, „der alte Fürsorgeansatz ist Vergangenheit. Nun geht es darum, dass Menschen mit Behinderungen die volle Teilhabe haben, um selbstbestimmt leben zu können.“