Teilhabe von Menschen mit Behinderungen auf allen Ebenen stärken und praktisch erfahrbar machen“

Die vollständige gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ist ein Prozess, der von der Landesregierung auf vielen Eben vorangebracht wird. Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt: „Unser Gemeinwesen wird vor allem in den Kommunen gestaltet. Wir wollen deshalb den Gedanken der Inklusion auch dort stärken, wo ihn Menschen mit und ohne Behinderungen direkt und ganz konkret erleben: in den Städten und Gemeinden. Das ist ein wichtiger Beitrag für eine bessere Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen.“

Vor diesem Hintergrund hat das Niedersächsische Sozialministerium eine neue Förderrichtlinie veröffentlicht. Mit 1,675 Millionen Euro in 2016 und jeweils 425.000 Euro in den Folgejahren können ab sofort Projekte mit bis zu 50.000 Euro gefördert werden, die ganz konkret die Infrastruktur für Menschen mit Behinderungen vor Ort verbessern, innovative Wohnformen ermöglichen oder die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben erleichtern.

Mit dem Geld, so Ministerin Rundt, könne der eher schwammige Begriff der ‚Inklusion‘ endlich im Alltag umgesetzt werden. Wichtig sei ihr dabei, dass vor allem ein Umdenken in den Köpfen stattfinde. „Menschen mit Behinderung gehören in die Mitte der Gesellschaft, nicht an den Rand“, betont die Ministerin: „Ich bin sicher, dass unsere Förderung auch dazu einen wertvollen Beitrag leisten wird. Barrierefreiheit muss endlich kostengünstiger Standard werden und nicht mehr als Sonderlösung dem Mehrkostenargument zum Opfer fallen.“

In einem vorhergehenden Ideenwettbewerb 2014 wurden bereits Kommunen mit zusätzlichen Fördermitteln bedacht, die sich erfolgreich um die Entwicklung inklusiver Sozialräume und ein Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen auf örtlicher Ebene bemüht hatten.

Eine der Kommunen war die Landeshauptstadt Hannover, die die Fördermittel in Höhe von 90.000 Euro für neue Projekte und Maßnahmen eingesetzt hat. So ist das inklusive Kultur-Café Anna Blume in Hannover-Stöcken unterstützt worden. Mit einem Schülercafé der Wilhelm-Schade-Schule wurde ferner ein realistisches Arbeits- und Übungsfeld für Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen geschaffen.

Auch der Landkreis Friesland gehörte dazu. Er hat mit den Fördermitteln in Höhe von 130.000 Euro einen Inklusionsfonds geschaffen, mit dem Lebensräume für Menschen mit und ohne Behinderungen füreinander geöffnet, näher gebracht sowie der gegenseitige Respekt und das gegenseitige Verständnis gestärkt werden sollen. Mit dieser besonderen Lösung wurde eine beachtliche Aktivierung der gesellschaftlichen Kräfte vor Ort erreicht.

Die Stadt und der Landkreis Göttingen gehörten ebenfalls zu den 2014 ausgewählten Kommunen. Mit den zur Verfügung gestellten 90.0000 Euro ist ein interkommunales Projekt „Inklusion Bewegen“ initiiert worden. Dabei ist ein Fahrplan für ein inklusives Gemeinwesen entwickelt worden. Erwähnenswert ist auch ein Newsletter, der zum Europäischen Protesttag von Menschen mit Behinderungen am 05.05.2015 erstmals erschienen ist.

Die Stadt Oldenburg hat mit den erhaltenen 90.000 Euro ihre vorbildhaften Ansätze der Partizipation von Menschen mit Behinderungen intensiviert und beispielsweise im schulischen Bereich bemerkenswerte Fortschritte erreicht. Die Erfahrungen dieses Inklusionsprozesses sind in einem Sammelband, der im Belz-Verlag erschienen ist, zusammengefasst worden.

Auch die Stadt Langen hat den Förderbetrag in Höhe von 50.000 Euro sehr sinnvoll eingesetzt. Inzwischen ist sie mit der Samtgemeinde Bederkesa zur Stadt Geestland fusioniert und hat die Verwirklichung der Inklusion in den Grundschulen dialogorientiert fortgesetzt. Ferner wurde das Außengelände der integrativen Kindertagesstätte Nimmerland in einen barrierefreien und naturbelassenen Erlebnisraum umgestaltet.

„Die Erfahrungen mit dem Ideenwettbewerb haben deutlich gemacht, dass Partizipation und Inklusion in den Landkreisen, Städten und Gemeinden schon gelebt werden, dass hierfür aber auch ein weiterer kleiner Schubs hilfreich ist“, so Ministerin Rundt.