Vorträge, Lesungen und Themenführungen für Menschen mit Hörschädigung oder gehörlose Menschen

Auch in der zweiten Hälfte des Jubiläumsjahres „Hildesheim 2015“ können Menschen mit Hörschädigung oder gehörlose Menschen Vorträge, Lesungen und Themenführungen in Gebärdensprache besuchen. Bereits im ersten Halbjahr gab es 15 Veranstaltungen, die von der Johannishofstiftung finanziert wurden. Dank der Fördergelder der Aktion Mensch e.V. können nun von August bis November 2015 neun weitere Veranstaltungen angeboten werden. In einem YouTube-Video fasst Jörg Apel das Angebot im Jubiläumsjahr in Gebärdensprache zusammen.

Beim Stadtjubiläum „Hildesheim 2015“ sind über 200 der 350 Veranstaltungen des Festprogramms barrierefrei. Dazu zählen auch Vorträge, Lesungen und Führungen in Gebärdensprache, von denen im ersten Halbjahr 15 angeboten wurden. Über 60 Menschen mit Hörschädigung oder gehörlose Menschen nutzten das Angebot. Die Aktion Mensch e.V. stellt einen Förderbetrag von 5.000 Euro zur Verfügung, von dem im zweiten Halbjahr weitere neun Veranstaltungen mit Simultanübersetzung bezahlt werden können. „Wir freuen uns, dass so viele Menschen das Angebot nutzen und dass es auch von August bis November weitere Veranstaltungen in Gebärdensprache geben wird“, sagt Anke Persson vom Büro 1200. In einem YouTube-Video fasst Jörg Apel, selbst gehörlos, die neun Veranstaltungstipps in Gebärdensprache zusammen. Das Video kann unter https://youtu.be/d0bvyg7nKZc abgerufen werden.

Folgende Vorträge, Lesungen und Themenführungen werden im zweiten Jubiläumshalbjahr simultan übersetzt: Kunsthistoriker Dr. Stefan Bölke erklärt in dem Vortrag „Eine Stadt in Bewegung – Die Elektrische in Hildesheim“ am Freitag, 7. August, 19 Uhr die Geschichte der Elektrifizierung Hildesheims. Veranstaltungsort ist das Stadtmuseum im Knochenhauer-Amtshaus. Krimiautorin Sabine Hartmann liest aus ihrem Krimi „Mord im Museum“ am Freitag, 11. September, um 19 Uhr in der Portiuncula im Roemer- und Pelizaeus-Museum, einem Raum, der nur zu besonderen Anlässen für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Zwei Tage später, am Sonntag, 13. September, findet die Themenführung „30 Jahre Krieg und Not“ durch das 17. Jahrhundert Hildesheims statt. Hier wird ab 14 Uhr simultan übersetzt. Treffpunkt ist der Marktplatz. Am Sonntag, 11. Oktober, wird die thematisch daran anknüpfende Führung durch das 18. Jahrhundert „Reiche Kirche, arme Leute und
Pikantes“ ebenfalls übersetzt. Treffpunkt ist die St. Magdalenen-Kirche in der Mühlenstraße um 14 Uhr. Weiter geht es am Mittwoch, 21. Oktober, 19 Uhr im Riedelsaal der Volkshochschule Hildesheim. Hier wird Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer über die Rolle Hildesheims im Landkreis und in der Metropolregion referieren. Die Themenführung „Auf dem Weg in die Moderne“ am Sonntag, 8. November, führt durch das 19. Jahrhundert in Hildesheim. Treffpunkt ist ab 14 Uhr auf dem Marktplatz.

Führungen ausschließlich in Gebärdensprache mit Jörg Apel
Jörg Apel, selbst gehörlos, bietet am Samstag, 26. September, von 10 bis 12 Uhr eine Stadtführung mit anschließender Führung durch die Sonderausstellung im Roemer- und Pelizaeus-Museum in Gebärdensprache an. Eine Stadtführung und eine Führung durch das neueröffnete Dommuseum gibt es am Freitag, 28. August und Freitag, 4. September. Anmeldungen nimmt Jörg Apel per E-Mail an jorgapel@gmx.de entgegen.

Barrierefreies Jubiläum
Über 200 der 350 Jubiläumsveranstaltungen sind barrierefrei. Knapp 30 ehrenamtliche „Barrierescouts“ haben die rund 100 Programmpartner des Jubiläumsjahres beraten und dabei unterstützt, Barrieren zu minimieren. So wurde darauf geachtet, dass etwa Stadtführungen nicht über Treppenstufen führen, Theaterstücke in Gebärdensprache übersetzt oder Konzerte in leichter Sprache beworben werden. Eine besondere Herausforderung sind Veranstaltungen in
Gebärdensprache. Menschen mit Hörschädigung oder gehörlose Menschen finden selten Veranstaltungen, die simultan übersetzt werden. Die Kosten für die Gebärdensprachdolmetscher sind gerade für kleinere kulturelle Projekte nicht aufzubringen. Mit Unterstützung der Diakonie Himmelsthür hat das Büro 1200 Gelder akquiriert, mit denen die insgesamt 24 Veranstaltungen übersetz worden sind.

Aktuelle Informationen sind unter www.hildesheim2015.de abrufbar.

Erste barrierefreie Betriebe in Niedersachsen ausgezeichnet

Heute sind am Alfsee insgesamt 33 Betriebe aus Niedersachsen mit den Qualitätszertifikaten KinderFerienLand (11 Betriebe), ServiceQualität Deutschland in Niedersachsen (14 Betriebe) und Reisen für Alle (8 Betriebe) ausgezeichnet worden. Für die Landesregierung ist die Verbesserung des Qualitätsmanagements im Tourismus ein integraler Bestandteil zur weiteren Stärkung des Leitmarktes Tourismus in Niedersachsen.

Wirtschaftsstaatssekretärin Daniela Behrens erklärte: „Die Fähigkeit sich im Wettbewerb mit anderen nationalen und internationalen Destinationen zu behaupten, wird auf Dauer nicht nur das Verhältnis von Preis und Leistung, sondern vor allem die Qualität eines Angebots entscheiden. Qualitätssicherung und -steigerung ist eine unabdingbare Voraussetzung, um Gäste für Niedersachsen zu gewinnen und langfristig zu binden. Barrierefreies Reisen ist eine Schlüsselaufgabe bei der qualitativen Tourismusentwicklung in Niedersachsen.“

Im Rahmen der heutigen Veranstaltung wurden die ersten acht Betriebe mit der bundesweit einheitlichen Zertifizierung für Barrierefreiheit „Reisen für Alle“ ausgezeichnet. Niedersachsen setzt seit Anfang 2015 das bundesweit einheitliche Kennzeichnungs- und Zertifizierungssystem „Reisen für Alle“ um. Dazu Carolin Ruh, Geschäftsführerin der TourismusMarketing Niedersachsen GmbH: „Wir wollen den barrierefreien Tourismus in Niedersachsen noch weiter ausbauen. Die Urlauber sollen unkompliziert in den Urlaub fahren können. Das Zertifikat „Reisen für alle“ schafft Transparenz für die Gäste. Die gesamte touristische Servicekette von der Anreise über den Aufenthalt bis hin zur Kundenbetreuung und -information wird erfasst. Zugleich unterstützen wir mit einheitlichen Qualitätskriterien und verlässlichen Kennzeichen das Tourismusmarketing im In- und Ausland.“ Bis Ende 2015 sollen in Niedersachsen rund 100 Betriebe für das Zertifikat „Reisen für alle“ zertifiziert werden.

Die TMN ist in Niedersachsen für alle drei Initiativen der Träger im Land. Alle zertifizierten Unternehmen und Leistungsträger sind durch ihre Prüfung Teil des Landesmarketings. Staatssekretärin Daniela Behrens sagte: „Qualitätsvoller Tourismus muss ganzheitlich und übergreifend gedacht werden. Die Ansiedlung der Initiativen bei der TMN bedeutet die Bündelung von Kompetenzen und zugleich eine Stärkung der Qualität im Tourismus.“

Inklusion – aber nur wenn sie nichts kostet?

Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen müssen auch dann umfassend unterstützt werden, wenn sie im Rahmen der Inklusion eine normale Schule besuchen. Das setzen engagierte Träger von Behinderteneinrichtungen derzeit mit einer Petition an die bayerische Politik durch. Die beim Besuch von Förderschulen übliche Kostenübernahme für Fahrten zur Schule wird nach derzeitiger Regelung nahezu ersatzlos gestrichen, wenn ein Kind auf eine Regelschule wechselt. Das Kultusministerium muss nun Abhilfe schaffen.

Wenn junge Menschen mit Behinderungen jeden Morgen in eine Förderschule gebracht werden, beteiligen sich die Kostenträger an diesen oftmals hohen Fahrtkosten für die notwendigen begleiteten Transporte. Erfolgt jedoch im Rahmen der erwünschten Inklusion zum Beispiel der Besuch einer inklusiven Grundschule, werden bisher jährlich nur rund 400 Euro zum Beispiel für eine Busfahrkarte erstattet.

Auf diese Ungleichbehandlung machte die im Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) organisierte Stiftung ICP München jetzt mit einer Petition aufmerksam. „Auch zu einer Regelschule müssen schwerbehinderte, in ihrer Mobilität eingeschränkte Kinder mit einem Fahrdienst gebracht werden. Das darf nicht von der Schulart abhängig gemacht werden“, erklärt der ICP-Vorstandsvorsitzende Dr. Hans Beyrle. „Durch die unverständliche Verweigerung der Fahrtkosten beim Besuch inklusiver Schulen werden die Kinder also fast zum Besuch von Förderschulen gedrängt, obwohl der Freistaat Bayern und auch die UN-Behindertenrechtskonvention etwas völlig anderes wollen.“

In einer Anhörung unterstützte nun auch der Ausschuss für Bildung und Kultus im bayerischen Landtag die Forderung der Stiftung und überwies die Petition als „Material“ an die Staatsregierung. „Ein wichtiger Schritt ist geschafft, denn damit wird das zuständige Ministerium aufgefordert, die Situation zu prüfen und zum Beispiel über eine Verordnung oder im Rahmen einer Gesetzesnovelle Abhilfe zu schaffen“, erläutert der Leiter der bpa-Landesgeschäftsstelle in München Joachim Görtz.

Allerdings sei damit den betroffenen Kindern nicht direkt geholfen, ärgert sich der bayerische bpa-Landesvorsitzende Kai A. Kasri. „Der Ausschuss konnte sich nicht dazu durchringen, das Schulfinanzierungsgesetz kurzfristig zu ändern. Wir müssen nun darauf hoffen, dass das Kultusministerium zügig eine Lösung für Schülerinnen und Schüler mit Behinderung, die eine inklusive Grundschule besuchen, findet und die finanziellen Hürden schnell beseitigt.“

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) bildet mit mehr als 8.500 aktiven Mitgliedseinrichtungen (davon über 1.000 in Bayern) die größte Interessenvertretung privater Anbieter sozialer Dienstleistungen in Deutschland. Einrichtungen der ambulanten und (teil-)stationären Pflege, der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendhilfe in privater Trägerschaft sind im bpa organisiert. Die Mitglieder des bpa tragen die Verantwortung für rund 260.000 Arbeitsplätze und circa 20.000 Ausbildungsplätze (siehe www.youngpropflege.de oder auch www.facebook.com/Youngpropflege). Das investierte Kapital liegt bei etwa 20,6 Milliarden Euro.

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