Reisen für Alle

Der Urlaub soll die schönste Zeit des Jahres sein. Die meisten Menschen verbinden damit die Möglichkeit, sich zu entspannen, vom Alltag zu erholen und „abzuschalten“. Doch wie planen eigentlich diejenigen ihren Urlaub, die aktivitäts- oder mobilitätseingeschränkt sind und damit besondere Bedürfnisse in puncto Service und Qualität haben? Vor jeder Reise müssen sie sich besonders gründlich über die Gegebenheiten vor Ort informieren. Dadurch ist die Wahl eines geeigneten Reiseziels für sie oft mit einem erheblichen Aufwand verbunden.

Um Menschen mit Handicap, älteren Menschen und auch Familien mit Kindern die Urlaubsplanung zu erleichtern, startet Niedersachsen jetzt mit der Umsetzung des bundesweit neu eingeführten Zertifizierungs- und Kennzeichnungssystems Reisen für Alle.

Mit dem System können Beherbergungsbetriebe, Gastronomie, Freizeiteinrichtungen, Verkehrsträger und öffentliche Infrastrukturen zertifiziert werden. Damit kann das angestrebte Ziel, barrierefreie Serviceketten für den Tourismus darzustellen, unmittelbar erreicht werden. Durch die Zertifizierung erhalten alle Gäste eine verlässliche Auskunft über den Grad der Barrierefreiheit eines geprüften Betriebes oder einer Einrichtung. Die Prüfung und Auszeichnung der Betriebe findet durch die Landesmarketinggesellschaft TourismusMarketing Niedersachsen GmbH (TMN) statt.

Im Auftrag der Landesmarketinggesellschaft werden zukünftig speziell geschulte Erheber interessierte Betriebe und Orte besuchen und auf Basis deutschlandweit gültiger Erhebungskriterien überprüfen. So kann eine einheitliche Informationsqualität und -tiefe sichergestellt werden.

„Das neue Kennzeichnungssystem bringt uns einen großen Schritt weiter auf unserem Weg zu einem Tourismus für Alle in Niedersachsen. Ein Ziel unserer Tourismuspolitik ist es, das Reiseland Niedersachsen für alle Menschen erlebbar zu machen. Das Ziel der Inklusion von Menschen mit Behinderungen ist daher Bestandteil der Koalitionsvereinbarung. Das barrierefreie Angebot der niedersächsischen touristischen Leistungsträger richtet sich insbesondere auch an Reisende im hohen Alter, Familien mit kleinen Kindern oder Gesundheitsurlauber. Für sie bedeutet die zusätzliche Information zu den touristischen Einrichtungen ein Mehr an Service – schon bei der Reiseplanung“, sagte Staatssekretärin Daniela Behrens anlässlich der Unterzeichnung des Masterlizenzvertrags durch die TMN.

Das Kennzeichnungssystem Reisen für Alle wurde in mehrjähriger Zusammenarbeit und Abstimmung mit zahlreichen Betroffenenverbänden sowie allen touristischen Verbänden, Landesmarketing-Organisationen und weiteren Akteuren im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) geförderten Projektes entwickelt. Die an der Zertifizierung Reisen für Alle interessierten Betriebe und Leistungsträger können sich bei der TMN melden, von der alles Weitere organisiert wird. Die Zertifizierungen der Betriebe und Erheber sind zunächst für drei Jahre gültig. Die Kosten für die Erhebungen sowie für die Schulungen der geplanten rund 30 Erheber trägt die 100%ige Landesgesellschaft TMN.

Welttag der Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember

„Mehr Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben ermöglichen“

Der Deutsche Behindertenrat (DBR) hat scharfe Kritik an der Beschäftigungspolitik für behinderte Menschen geübt. Das Aktionsbündnis forderte, die gesetzlich vorgegebene Beschäftigungspflicht einzuhalten, wonach private und öffentliche Arbeitgeber schwerbehinderte Menschen beschäftigen müssen.

„Die Ausgleichsabgabe deutlich zu erhöhen, ist überfällig. Und zwar zielgerichtet für die 37.000 Unternehmen, die ungeachtet ihrer Pflicht keinen einzigen behinderten Menschen beschäftigen“, erklärte Adolf Bauer, Präsident des Sozialverband SoVD und DBR-Sprecher am Dienstag. Der Verbandspräsident stellte anlässlich des am 3. Dezember stattfindenden Welttages der Menschen mit Behinderungen elf Forderungen des DBR-Aktionsbündnisses vor. „Wenn Unternehmen behinderte Arbeitslose trotz ausgezeichneter Qualifikationen nicht einstellen und damit ihre Pflichten vollständig ignorieren, sollen sie dafür einen höheren Preis zahlen, als dies bisher der Fall war“, sagte Bauer. Er verwies auf Studien wonach Arbeitslose mit einer Behinderung in der Regel besser qualifiziert sind als nichtbehinderte. Zudem müssten mehr Anreize und Unterstützung für die Unternehmen geschaffen werden, die bereits erkannt haben, dass sich die Beschäftigungspflicht in Wahrheit auszahlt.

„Der Trend könnte längst positiv verlaufen. Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung muss das Jahr 2015 deshalb umso mehr genutzt werden, um verstärkte Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben zu gewährleisten“, betonte Bauer.

Neben der Arbeitsmarktpolitik zeigt der Forderungskatalog auch den Handlungsbedarf in den Bereichen Bildung, Wahlrecht und Barrierefreiheit auf. Zudem forderte der DBR Maßnahmen gegen die fortwährende Gewalt an behinderten Menschen. „Das Zwei-Klassen-Strafrecht muss beendet werden, in dem immer noch nach der Widerstandsfähigkeit der Opfer unterschieden wird“, sagte DBR-Sprecherratsmitglied Barbara Vieweg.

Im DBR haben sich über 140 Organisationen behinderter und chronisch kranker Menschen zu einem Aktionsbündnis vereinigt. Es repräsentiert mehr als 2,5 Millionen Betroffene in Deutschland. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) hat am 3. Dezember 2013 den Vorsitz im Sprecherrat des DBR für das Jahr 2014 übernommen.

Informationen:
Heft Für einen behindertenpolitischen Aufbruch 2015: www.deutscher-behindertenrat.de
TV-Clip Du fühlst Dich gar nicht anders: www.youtube.com/watch?v=qSRg_3ELWxc&feature=youtu.be