Europawahl 2014: Hinweise für blinde und sehbehinderte Wahlberechtigte und zum barrierefreien Wählen

Bei der Europawahl 2014 können blinde und sehbehinderte
Wahlberechtigte
ihre Stimme mit Hilfe von Stimmzettelschablonen eigenständig
und ohne Hilfe einer Vertrauensperson abgeben. Wie der Bundeswahlleiter
mitteilt, werden die Stimmzettelschablonen kostenlos von den Landesvereinen
des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e.V. (DBSV) ausgegeben.

Stimmzettelschablonen werden bundesweit seit der Bundestagswahl 2002 und der
Europawahl 2004 angeboten. Die Kosten für die Herstellung der Schablonen
werden den Blindenvereinen durch die Bundesregierung erstattet.

Zur Orientierung sind alle Stimmzettel einheitlich in der rechten oberen
Ecke gelocht oder gestanzt, an der Stimmzettelschablone ist dazu passend die
rechte obere Ecke abgeschnitten. Mit jeder Schablone werden
Begleitinformationen zum Aufbau der Schablone und zum Stimmzettel
ausgegeben, je nach Landesverband in Punktschrift, als Audio-CD, im
DAISY-Format oder in Großdruck. So können blinde und sehbehinderte
Wählerinnen und Wähler am Wahltag in der Wahlkabine oder vorher per
Briefwahl selbstständig ihren Stimmzettel ausfüllen. Wer im Wahllokal wählt,
sollte allerdings die Wahlschablone wieder mit nach Hause nehmen, damit das
Wahlgeheimnis gewahrt bleibt. Auf dem Stimmzettel selbst ist kein
Unterschied festzustellen.

Wer mit einer Stimmzettelschablone wählen möchte, kann diese – auch ohne
Mitglied in einem Blindenverein zu sein – anfordern
* über die bundesweite Hotline des DBSV unter 01805 / 66 64 56 (0,14
Euro/Minute aus dem deutschen Festnetz), die automatisch die Verbindung zum
zuständigen Landesverband herstellt oder
* direkt bei den Landesvereinen des DBSV, die aus der Liste am Ende dieser
Pressemitteilung ersichtlich sind.

Für Wahlberechtigte mit Mobilitätseinschränkungen ist der barrierefreie
Zugang zum Wahlraum besonders wichtig. Auf der Wahlbenachrichtigung wird
darüber informiert, ob der Wahlraum barrierefrei zugänglich ist und wo
Informationen über barrierefreie Wahlräume und Hilfsmittel erhältlich sind.
Ist der Wahlraum nicht barrierefrei zugänglich, kann ein Wahlschein
beantragt werden und damit in einem anderen, barrierefrei zugänglichen
Wahlraum in Kreis oder in der kreisfreien Stadt, in dem der Wahlschein
ausgestellt ist, gewählt werden. Selbstverständlich besteht auch die
Möglichkeit per Briefwahl zu wählen. Beim Antrag auf Briefwahl muss kein
Grund angegeben werden, warum das Wahllokal am Wahltag nicht aufgesucht
werden kann. Weitere Informationen können dem Wahlschein und dem Merkblatt
zur Briefwahl, das den Briefwahlunterlagen beigefügt ist, entnommen werden.

Wer nicht oder nicht ausreichend lesen kann oder wegen einer körperlichen
Beeinträchtigung daran gehindert ist, selbst den Stimmzettel zu
kennzeichnen, zu falten oder in die Wahlurne zu werfen, kann sich im
Wahllokal oder bei der Briefwahl durch eine andere Person unterstützen
lassen. Die Hilfsperson kann frei bestimmt werden, beispielsweise auch aus
den Mitgliedern des Wahlvorstandes. Soweit für die Hilfeleistung
erforderlich, darf sie gemeinsam mit dem Wähler oder der Wählerin die
Wahlkabine aufsuchen. Die Hilfsperson darf aber nur die Wünsche des Wählers
oder der Wählerin erfüllen und ist verpflichtet, ihre dadurch erlangten
Kenntnisse von der Wahl des anderen geheimzuhalten.

Folgende Landesverbände des DBSV stellen für blinde und sehbehinderte
Wahlberechtigte auf Anforderung kostenlos Stimmzettelschablonen zur
Verfügung:

Baden-Württemberg
Badischer Blinden- und Sehbehindertenverein V.m.K. in Mannheim,
Telefon: 06 21 / 40 20 31
Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden e. V. in Freiburg,
Telefon: 07 61 / 3 61 22
Blinden- und Sehbehindertenverband Württemberg e. V. in Stuttgart,
Telefon: 07 11 / 2 10 60-0

Bayern
Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund e. V. in München,
Telefon: 0 89 / 5 59 88-0

Berlin
Allgemeiner Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin gegr. 1874 e. V.,
Telefon: 0 30 / 8 95 88-0

Brandenburg
Blinden- und Sehbehinderten-Verband Brandenburg e. V. in Cottbus,
Telefon: 03 55 / 2 25 49

Bremen
Blinden- und Sehbehindertenverein Bremen e. V.,
Telefon: 04 21 / 24 40 16-10

Hamburg
Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e. V.,
Telefon: 0 40 / 20 94 04-0

Hessen
Blinden- und Sehbehindertenbund in Hessen e. V. in Frankfurt/Main,
Telefon: 0 69 / 150 59 66

Mecklenburg-Vorpommern
Blinden- und Sehbehindertenverein Mecklenburg-Vorpommern e. V. in Rostock,
Telefon: 03 81 / 77 89 8

Niedersachsen
Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen e. V. in Hannover,
Telefon: 05 11 / 5 10 4

Nordrhein-Westfalen
Lippischer Blinden- und Sehbehindertenverein e. V. in Detmold,
Telefon: 0 52 31 / 63 00-0
Blinden- und Sehbehindertenverband Nordrhein e. V. in Meerbusch,
Telefon: 0 21 59 / 96 55-0
Blinden- und Sehbehindertenverein Westfalen e. V. in Dortmund,
Telefon: 02 31 / 55 75 90-0

Rheinland-Pfalz
Landesblinden- und Sehbehindertenverband Rheinland-Pfalz e. V. in Mainz,
Telefon: 0 61 31 / 6 93 97 36

Saarland
Blinden- und Sehbehindertenverein für das Saarland e. V. in Saarbrücken,
Telefon: 06 81 / 81 81 81
Sachsen
Blinden- und Sehbehinderten-Verband Sachsen e. V. in Dresden,
Telefon: 03 51 / 8 09 06 11

Sachsen-Anhalt
Blinden- und Sehbehinderten-Verband Sachsen-Anhalt e. V. in Magdeburg,
Telefon: 03 91 / 2 89 62 39

Schleswig-Holstein
Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein e. V. in Lübeck,
Telefon: 04 51 / 40 85 08-0

Thüringen
Blinden- und Sehbehindertenverband Thüringen e. V. in Weimar,
Telefon: 0 36 43 / 74 29 07

Weitere Auskünfte gibt:
Büro des Bundeswahlleiters
Telefon: (0611) 75-4863
http://www.bundeswahlleiter.de/de/kontakt/index.html

Handbike-Premiere beim Würzburger Residenzlauf

Auftakt für sportliches Inklusionsprojekt der Stadt Würzburg in Zusammenarbeit mit der Inklusionsbeauftragten Annette Wolz und dem Sanitätshaus HAAS.

Beim diesjährigen 26. Würzburger Residenzlauf am 13. April erwartet die Zuschauer eine besondere Premiere: Wenn um kurz nach 15.45 Uhr die Inline-Skater ihre Runden gedreht haben, werden sich erstmals Handbike-Fahrer auf die Rennstrecke begeben, um die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit dieser handbetriebenen Liegefahrräder zu präsentieren. Die Athleten, die bei diesem ersten Demonstrationsrennen teilnehmen, haben sichtbare körperliche Behinderungen – zum Teil sind beide Beine amputiert, Prothesen werden für das Rennen abgenommen – und feierten bei namhaften Handbike-Rennserien beeindruckende Erfolge. So gehen unter anderem die amtierenden Süddeutschen Meister Nadia und Matthias Schumacher sowie der 3. Deutsche Meister im Jahr 2010 Dominik Blessing an den Start. Die Sportgeräte selbst beeindrucken durch ihre ungewöhnliche Optik und Schnelligkeit (bis zu 60 Stundenkilometer). Die Rennmaschinen sind aber auch für den alltäglichen Freizeitsport und für Menschen ohne Behinderung bestens geeignet.

Mit dem Handbike-Demonstrationsrennen möchten Jens Röder, Leiter des Sportamtes der Stadt Würzburg und Mitveranstalter des Residenzlaufes, in Kooperation mit der unterfränkischen Inklusionsbeauftragten Annette Wolz und dem Sanitätshaus HAAS das Thema Inklusion und Inklusionssport einem breiten Publikum vorstellen. „Die Idee für diese Aktion ist erst wenige Monate alt“, berichtet Constantin Carl, Geschäftsführer des Hauptgesellschafters HAAS GmbH. „Dass es so schnell zu einer konkreten Umsetzung kommt, ist dem Engagement seitens der Veranstalter und insbesondere des Einsatzes von Herrn Röder zu verdanken“. Dabei soll es nicht bei diesem einen Demonstrationsrennen bleiben: „Ziel ist es, Veranstalter von Handbike-Rennserien zu gewinnen, um künftig auch in Würzburg einen festen Termin in dieser Kategorie zu installieren“, ergänzt Annette Wolz. Die Kindergärtnerin und Gründerin des Vereins „Annettes Kinderturnen e. V.“ ist Fachwartin für Inklusion BVS Bayern und Inklusion Unterfranken. Unter dem Motto „Sport kennt keine Grenzen, sondern verbindet!“ trainiert sie seit 2001 mit Kindern mit und ohne Behinderung für den Residenzlauf.

Maßgeblich an der Umsetzung des Demonstrationsrennens beteiligt sind zudem das REHA-Team des Sanitätshauses HAAS und die beiden Mitarbeiter Nadia und Matthias Schumacher. Beide sind selbst Prothesenträger und seit Jahren im Handbikesport aktiv. „Wir möchten Menschen, die das Schicksal eines Lebens mit einer Querschnittslähmung oder einer Amputation tragen müssen, an unserer Leidenschaft für den Handbikesport teilhaben lassen“, erklärt Nadia Schumacher, amtierende Süddeutsche Meisterin. Sie und ihr Mann haben auf diese Weise zurück ins Leben gefunden. „Vielleicht wird der eine oder andere Zuschauer beim Residenzlauf angesichts der imposanten Höchstleistungen der Athleten mit Behinderung selbst zu sportlicher Aktivität motiviert“, hofft sie. „Handbikes sind nämlich nicht nur für Profis geeignet, sondern für jedermann attraktive Freizeitsportgeräte.“

Der Würzburger Residenzlauf ist jedes Jahr ein sportliches Highlight für internationale Spitzenathleten, aber auch Freizeit- und Nachwuchsläufer. Mit der Handbike-Aktion als Auftakt eines längerfristigen Inklusionsprojektes nimmt die Sportgroßveranstaltung in diesem Bereich eine Vorreiterrolle ein.

Vorerst feststehende Teilnehmer beim 1. Handbike-Demonstrationsrennen
in Würzburg:

Dominik Blessing
3. Deutscher Meister in der Kategorie U23 (2010)

Mahlon Jenkins
Styrkeproven-Teilstrecke in Lillehammer-Oslo über 220 km (2013)

Matthias Schumacher
1. Süddeutscher Meister (2013)

Nadia Schumacher
1. Süddeutsche Meisterin, 3. Deutsche Meisterin, 2. in NHC-Gesamtwertung (2013); aktuell in Vorbereitung auf die Paralympics in Brasilien 2018

Winfried Sigg (Teilnahme noch nicht bestätigt)
Vier Paralympicteilnahmen, eine Goldmedaille (1996), mehrere Silber- und Bronzemedaillen

Bernd Ziegler
Neusiedlersee-Marathon in Lillehammer-Oslo über 125 km, Tour du Lac Leman über 544 km (2013)

Transatlantikflug im Rollstuhl

Wenn Rollstuhlfahrer einen Langstreckenflug buchen, etwa über den Atlantik in die USA, wollen sie wissen, ob sie mit dem Bord-Rolli die Toilette benutzen können – bei über acht Stunden Flugdauer ein wichtiges Kriterium. Die Airbus-Flotte der Lufthansa, die bei Langstreckenflügen ab Frankfurt, Düsseldorf und München eingesetzt wird, ist entsprechend ausgestattet. „Je nach Flugzeugtyp verfügen unsere Maschinen über eine extragroße Bordtoilette, einen größeren Waschraum mit zweiter Tür für den Rollstuhl oder einen Waschraum mit zwei Wänden, die man bei Bedarf aufklappen kann“, erklärt Bettina Rittberger von der Lufthansa in der „Apotheken Umschau“. Sicherheitshalber sollte man sich jedoch vor dem Flug erkundigen, ob dieser Service auf der gebuchten Route auch verfügbar ist.