Gehörlos fernsehen bei „logo!“

Zum „Internationalen Tag der Gehörlosen“ am Sonntag, 29. September 2013, übersetzt eine Gebärdendolmetscherin erstmals die komplette „logo!“-Nachrichtensendung um 19.50 Uhr live im Studio bei KiKA.

„logo!“ möchte auf die Situation der rund 80 000 Gehörlosen in Deutschland aufmerksam machen und betroffenen Kindern ermöglichen, eine Sendung zu verfolgen. Außerdem sollen hörende Zuschauer erleben können, wie „logo!“ in Gebärdensprache aussieht.

Auch inhaltlich geht es am 29. September um dieses Thema: Die Zuschauer lernen eine Familie kennen, in der die Eltern taub sind und die Kinder hören können. Wie wird kommuniziert? Wie haben die Kinder sprechen gelernt? Und gibt es durch die Zweisprachigkeit auch manchmal Schwierigkeiten?

Die ZDF-Kindernachrichten werden täglich bei KiKA ausgestrahlt: samstags bis donnerstags um 19.50 Uhr und freitags um 19.25 Uhr, die „logo!“-Kurznachrichten sind montags bis freitags um 14.08 Uhr und um 16.18 Uhr zu sehen. Das begleitende Onlineangebot mit tagesaktuellen Nachrichten für Kinder gibt es unter www.zdftivi.de, den ZDF-Internetseiten für Kinder, oder direkt unter www.logo.de.

Inklusion und Medien: Tagung beim Behindertenbeauftragten der Bundesregierung

Über 150 Journalistinnen und Journalisten, Medienmacher, Expertinnen und Experten diskutierten in Berlin über Anforderungen, Probleme und beispielhafte Modelle für Menschen mit Behinderungen in den Medien. Ziel der Tagung der Grimme-Akademie im Auftrag des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen war es, Orientierung zu vermitteln und beispielhafte Konzepte für die Medienarbeit zu zeigen.

Menschen mit Behinderungen spielen in den Medien kaum eine Rolle. Weder als Medienmacher noch in der Berichterstattung. Darstellerinnen und Darsteller mit Behinderung sind nach wie vor die Ausnahme; die Berichterstattung ist oft von Klischees geprägt.

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe: „Inklusion in den Medien heißt, dass Menschen mit Behinderungen und ihre Belange überall zum Thema werden. In der Berichterstattung wollen sie als Menschen wahrgenommen werden und nicht deswegen, weil sie behindert sind.“

Der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann, zeigte in seiner Begrüßung, wie die Medien das Bild behinderter Menschen in der Gesellschaft prägten und prägen und hob die positive Entwicklung in den vergangenen 40 Jahren hervor. Bei der Tagung im Kleisthaus solle es auch darum gehen, welche neuen Perspektiven es gebe: „Es geht um das Universale, um das allgemein Verbindende. Es geht um die Frage, ob und wie die Angebote in den Medien inklusiv gemacht werden können.“

Bei der Tagung wurden viele Best-Practice-Beispiele vorgestellt, so etwa die Arbeit der abm – der arbeitsgemeinschaft behinderung und medien in München. Die Redaktion „Sehen statt Hören“, die seit 1975 im Bayerischen Rundfunk besteht, skizzierte ihre Arbeit. Außerdem wurde das barrierefreie Angebot des NDR Hamburg vorgestellt.

Workshops widmeten sich den Themen „Barrierefreiheit im Netz“, „Inklusion und Sprache“ und „Medien als Berufsfeld für Menschen mit Behinderung“.

Zu den Referenten und Diskutanten gehörten u.a. Dr. Ingo Bosse von der Universität Halle, Moderator, Schauspieler und Autor Martin Fromme, der Blogger und Geschäftsführer des Hamburger Blinden- und Sehbehindertenverbandes, Heiko Kunert, die Schauspielerin und Regisseurin Sheri Hagen, die Schauspielerin ChrisTine Urspruch, Gisela Höhne, Regisseurin und künstlerische Leiterin des Theaters RambaZamba und Burkhardt Althoff, stellvertretender Redaktionsleiter beim ZDF-Das kleine Fernsehspiel.

Eine filmische Dokumentation der Veranstaltung, die in Kooperation mit Sozialhelden veranstaltet wurde, und eine Dokumentation der Tweets werden in Kürze auf der Seite www.behindertenbeauftragter.de veröffentlicht.

Weltweit erste Taubblinden-Demo

Am Freitag, dem 4. Oktober 2013, werden taubblinde Menschen in Berlin gegen ihre unhaltbare Situation und für die Anerkennung ihrer Behinderung demonstrieren. Die Demonstration ist die erste ihrer Art weltweit. Sie startet um 12 Uhr am Platz der Republik (vor dem Bundestag) und führt am Bundesrat vorbei zum Potsdamer Platz. Die Demonstranten, die weder hören noch sehen können, ziehen an symbolische Eisenkugeln gekettet durch die Straßen – ein Bild dafür, dass Taubblindheit wie Isolationshaft wirkt, wenn die nötige Unterstützung fehlt. Am Potsdamer Platz geben taubblinde Menschen ab 14 Uhr Auskunft über ihre Lebenssituation und ihren Hilfebedarf. Bei dem Austausch werden sie von qualifizierten Assistenten unterstützt.

Wenn Taubblindheit in der deutschen Gesetzgebung vorkommt, wird sie definiert als die Summe von Blindheit und Gehörlosigkeit – aber das wird dieser Behinderung nicht gerecht. Wer nicht hören kann, ist extrem auf den Sehsinn angewiesen, als Blinder nutzt man sein Gehör sehr intensiv. Taubblinde Menschen müssen auf beide Hauptsinne verzichten, können also viel weniger ausgleichen als jemand mit „nur“ einer Behinderung. Ohne Assistenz ist beispielsweise die Ausübung des Wahlrechts nicht möglich, aber auch der tägliche Einkauf oder ein Arztbesuch werden zu unlösbaren Problemen.

Nach Schätzungen des Gemeinsamen Fachausschusses „Hörsehbehindert/Taubblind“ (GFTB) im Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband gibt es bundesweit 2.500 bis 6.000 taubblinde Menschen, die nicht angemessen mit Hilfsmitteln und Assistenzleistungen versorgt werden. Im Jahr 2007 hat der GFTB deshalb erstmals gefordert, dass die Betroffenen ein spezielles Merkzeichen „Tbl“ im Schwerbehindertenausweis erhalten. Solche Merkzeichen dienen dem Nachweis, dass man das Recht auf bestimmte Nachteilsausgleiche oder Sozialleistungen hat. Bei öffentlichen Stellen, Unternehmen und Ärzten ist Taubblindheit so gut wie unbekannt. Mit einem Merkzeichen könnten die Betroffenen belegen, dass sie spezielle Hilfsmittel, Assistenz sowie Dolmetsch- und Rehabilitations-Angebote brauchen.

Nachdem es auch in dieser Legislaturperiode nicht gelang, ein eigenes Merkzeichen für Taubblindheit im Schwerbehindertenausweis einzuführen, wollen die Betroffenen öffentlich auf ihre extrem schwierige Lebenssituation aufmerksam machen.

Die Veranstalter der Demo sind:
– die Bundesarbeitsgemeinschaft der Taubblinden (BAT)
– der Verein Leben mit Ushersyndrom (LMU)
– der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV)
– die Stiftung Taubblind Leben

Weitere Infos unter www.taubblind.dbsv.org

Rund um die Themen Sehen, Blindheit und Sehbehinderung findet vom 8. bis 15. Oktober die Woche des Sehens statt – Infos unter www.woche-des-sehens.de

VdK und BAG Selbsthilfe rufen Politik zu mehr Barrierefreiheit auf

„Politische Informationen müssen für jeden zugänglich sein.“ Das forderte die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Ulrike Mascher, gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe, Volker Langguth-Wasem. Anlass ist eine Untersuchung des Projekts „Digital informiert – im Job integriert“ (Di-Ji) im Vorfeld der Bundestagswahl.

Di-Ji hatte die Barrierefreiheit der Internetauftritte von Bundestagsabgeordneten und Fraktionen mit einem automatischen Testtool überprüft – und war insgesamt auf viele Barrieren für Menschen mit Behinderungen gestoßen. Zusätzlich lagen Meldungen über Barrieren bei der Meldestelle für digitale Barrieren vor.

Die Di-Ji-Partner Sozialverband VdK Deutschland und Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Selbsthilfe hatten daraufhin Verbesserungen gefordert. Die Tests ergaben: Die Websites der Abgeordneten enthalten viele Barrieren, bei den Fraktions-Webseiten bestehen im Durchschnitt einige Barrieren. Es mangelt zum Beispiel an Untertiteln in Videos, Alternativtexten für Grafiken oder Angeboten in Gebärdensprache und leichter Sprache. Häufig sind zudem Dokumente auch mit Hilfsmitteln nicht zugänglich, weil sie technisch nicht korrekt erstellt wurden.

„Die Ergebnisse führen uns wieder einmal vor Augen, dass Menschen mit Behinderungen häufig auf wichtige Informationen nicht zugreifen können – in diesem Fall auf Informationen über Abgeordnete oder politische Themen vor der Wahl“, so Mascher. Dabei werde das Internet immer stärker zur Informationsquelle. „Digitale Barrierefreiheit ist deswegen für die politische Teilhabe für alle zunehmend entscheidend.“

Hinzu kommt: Von Barrierefreiheit im Internet profitieren nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern auch ältere Menschen, deren Seh- oder Hörvermögen abnimmt oder die motorische Schwierigkeiten haben.

Auch vor diesem Hintergrund kritisierte Mascher, dass nur wenige der Abgeordneten auf die Test-ergebnisse reagiert haben. Alle Abgeordneten waren über die Barrieren auf ihren Webseiten informiert worden. Volker Langguth-Wasem, der Vorsitzende der BAG Selbsthilfe, zeigte dafür ebenfalls Unverständnis: „Es muss den Politikern ein Anliegen sein, alle Bürger zu erreichen.“ Leider spielten aber Inklusion und Rechte für Menschen mit Behinderungen insgesamt im aktuellen Wahlkampf so gut wie keine Rolle.

Von den mehr als 580 angeschriebenen Abgeordneten hatten nur 30 eine Rückmeldung zu dem Thema gegeben und Verbesserungen angekündigt. Ulrike Mascher und Volker Langguth-Wasem appellieren daher erneut an die Verantwortlichen. „Wir hoffen, dass sie dem Thema in Zukunft die angemessene Aufmerksamkeit schenken“, so Mascher. In Deutschland leben rund neun Millionen Menschen mit einer Behinderung.

Mehr Informationen über das Projekt „Digital informiert – im Job integriert“ finden Sie unter
www.di-ji.de.

Internetangebot des Beauftragten jetzt komplett in Leichter Sprache

Der Internet-Auftritt des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, ist jetzt für noch mehr Menschen zugänglich. Das Informationsangebot in Leichter Sprache wurde deutlich ausgeweitet.

So können jetzt alle Texte aus den Themenbereichen des Behindertenbeauftragten in Leichter Sprache gelesen werden. Viele komplexe Themengebiete wie z.B. das Allgemeine Gleichstellungsgesetz sind jetzt einfach dargestellt. Davon profitieren nicht nur Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung oder einer Leseschwäche. Auch fachfremde Personen oder Menschen mit Migrationshintergrund, die die deutsche Sprache nicht gut beherrschen, können dieses Angebot nutzen.

Aktuell wurde auch ein Vorleseprogramm eingebunden, mit dem man sich alle Texte auf der Homepage sowie viele eingebundene Dokumente vorlesen lassen kann.