Selbstverteidigung für behinderte Menschen

Das Erkennen von bedrohlichen Situationen und die Auseinandersetzung damit, sind der erste Schritt zur Selbstverteidigung. Bedrohungen werden durch Abwehrtechniken entschärft. Durch das Erlernen von Strategien zur Konfliktvermeidung gelingt es, aus der „Opferrolle“ herauszukommen. Genau das trainiert die Gruppe Selbstverteidigung für behinderte Menschen (SVB) in der Karateschule Nippon.

Trainer Holger Liedtke weiß, wovon er spricht und wie er das Training individuell aufbauen muss. Der 55-jährige selbst ist körperbehindert. Seine eigene Kampfsportkarriere wurde von einem Gehirntumor beendet, dessen Entfernung zu massiven körperlichen Einschränkungen führte. Grundidee der Selbstverteidigung für behinderte Menschen ist, dass die Fähigkeiten des Einzelnen die Techniken vorgeben. „Wir wählen jeweils Standardverteidigungstechniken aus und verändern sie solange, bis sie individuell auf den Einzelnen zugeschnitten sind“, sagt Holger Liedtke.

Angefangen hat alles mit einer kleinen Gruppe in einer Krankengymnastikpraxis in Hagen im Landkreis Cuxhaven, mit der der engagierte Kampfsportler das Training aufgenommen hat. Es zeigte sich jedoch schnell, dass der Weg nach Hagen für die meisten Schüler, die aus Bremerhaven kamen, zu weit war. Dann kam das Angebot der Karateschule „Nippon“, in deren Räumen zu trainieren. Seit Januar 2003 gehört die „Selbstverteidigung für behinderte Menschen“ zum festen Angebot der Schule.

Nachdem es zunächst das Ziel war, eine kompromisslose und effektive Selbstverteidigung für den Einsatz „auf der Straße“ zu unterrichten, ist das Training beim SVB inzwischen ganzheitlicher geworden. „Wir versuchen zum Beispiel, mit Elementen der traditionellen Kampfkünste ein besseres Körpergefühl zu erzeugen“, schildert Holger Liedtke. Je nach eigenem Anspruch werden seine Schüler auch darin unterstützt, Wettkämpfe zu bestreiten, an Lehrgängen teilzunehmen oder einfach nur Spaß an der Bewegung in der Gruppe zu haben. Dabei gibt es bei allem einen wesentlichen Unterschied zu anderen Kampfkunstsystemen, sagt Trainer Holger Liedtke: „Hier steht der Mensch mit seinen Fähigkeiten im Mittelpunkt und nicht der technische Stil!“

Mehr Informationen zu dem Thema gibt es unter: www.behinderung-selbstverteidigung.de

Hinweise für blinde und sehbehinderte Wahlberechtigte und zum barrierefreien Wählen

Bei der Bundestagswahl 2013 können blinde und sehbehinderte
Wahlberechtigte ihre Stimme mit Hilfe von Stimmzettelschablonen eigenständig
und ohne Hilfe einer Vertrauensperson abgeben. Wie der Bundeswahlleiter
mitteilt, werden die Stimmzettelschablonen kostenlos von den Landesvereinen
des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e.V. (DBSV) ausgegeben.

Stimmzettelschablonen werden bundesweit seit der Bundestagswahl 2002 und der
Europawahl 2004 angeboten. Die Kosten für die Herstellung der Schablonen
werden den Blindenvereinen von der Bundesregierung erstattet.

Zur Orientierung sind alle Stimmzettel einheitlich in der rechten oberen
Ecke gelocht oder gestanzt, an der Stimmzettelschablone ist dazu passend die
rechte obere Ecke abgeschnitten. Mit jeder Schablone werden
Begleitinformationen zum Aufbau der Schablone und zum Stimmzettel
ausgegeben, je nach Landesverband in Punktschrift, als Audio-CD, im
DAISY-Format oder in Großdruck. So können blinde und sehbehinderte
Wählerinnen und Wähler
am Wahltag in der Wahlkabine oder vorher per
Briefwahl selbstständig ihren Stimmzettel ausfüllen. Wer im Wahllokal wählt,
sollte allerdings die Wahlschablone wieder mit nach Hause nehmen, damit das
Wahlgeheimnis gewahrt bleibt. Auf dem Stimmzettel selbst ist kein
Unterschied festzustellen.

Wer mit einer Stimmzettelschablone wählen möchte, kann diese – auch ohne
Mitglied in einem Blindenverein zu sein – anfordern
• über die bundesweite Hotline des DBSV unter 01805 / 66 64 56 (0,14
Euro/Minute aus dem deutschen Festnetz), die automatisch die Verbindung zum
zuständigen Landesverband herstellt oder
• direkt bei den Landesvereinen des DBSV, die aus der Liste am Ende
dieser Pressemitteilung ersichtlich sind.

Für Wahlberechtigte mit Mobilitätseinschränkungen ist der barrierefreie
Zugang zum Wahlraum besonders wichtig. Auf der Wahlbenachrichtigung wird
darüber informiert, ob der Wahlraum barrierefrei zugänglich ist und wo
Informationen über barrierefreie Wahlräume und Hilfsmittel erhältlich sind.
Ist der Wahlraum nicht barrierefrei zugänglich, kann ein Wahlschein
beantragt werden und damit in einem anderen, barrierefrei zugänglichen
Wahlraum in diesem Wahlkreis gewählt werden. Selbstverständlich besteht auch
die Möglichkeit per Briefwahl zu wählen. Weitere Informationen können dem
Wahlschein und dem Merkblatt zur Briefwahl, das den Briefwahlunterlagen
beigefügt ist, entnommen werden.

Wer nicht oder nicht ausreichend lesen kann oder wegen einer körperlichen
Beeinträchtigung daran gehindert ist, selbst den Stimmzettel zu
kennzeichnen, zu falten oder in die Wahlurne zu werfen, kann sich im
Wahllokal oder bei der Briefwahl durch eine andere Person unterstützen
lassen. Die Hilfsperson kann frei bestimmt werden, beispielsweise auch aus
den Mitgliedern des Wahlvorstandes. Soweit für die Hilfeleistung
erforderlich, darf sie gemeinsam mit dem Wähler oder der Wählerin die
Wahlkabine aufsuchen. Die Hilfsperson darf aber nur die Wünsche des Wählers
oder der Wählerin erfüllen und ist verpflichtet, ihre dadurch erlangten
Kenntnisse von der Wahl des Anderen geheimzuhalten.

Folgende Landesverbände des DBSV stellen für blinde und sehbehinderte
Wahlberechtigte auf Anforderung kostenlos Stimmzettelschablonen zur
Verfügung:

Bundesland Verein bzw. Verband und Erreichbarkeit

Baden-
Württemberg Badischer Blinden- und Sehbehindertenverein V.m.K.,
Mannheim, Telefon: 0621 / 40 20 31

Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden
e.V., Freiburg, Telefon: 0761 / 3 61 22

Blinden- und Sehbehindertenverband
Württemberg e. V., Stuttgart, Telefon: 0711 / 2 10 60-0

Bayern Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund e.V,
München, Telefon: 089 / 5 59 88-0

Berlin Allgemeiner Blinden- und Sehbehindertenverein
Berlin gegr. 1874 e.V., Telefon: 030 / 8 95 88-0

Branden-
burg Blinden-und-Sehbehinderten-Verband e.V.,
Cottbus, Telefon: 0355 / 2 25 49

Bremen Blinden- und Sehbehindertenverein Bremen e.V.,
Telefon: 0421 / 24 40 16-10

Hamburg Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e. V.,
Telefon: 040 / 20 94 04-0

Hessen Blinden- und Sehbehindertenbund in Hessen e.V.
Frankfurt/Main, Telefon: 069 / 15 05 96 72

Mecklenburg-
Vorpommern Blinden- und Sehbehindertenverein Mecklenburg-Vorpommern
e.V., Rostock, Telefon: 0381 / 77 89 80

Niedersachsen Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen e.V.,
Hannover, Telefon: 0511 / 51 04-0

Nordrhein-
Westfalen Lippischer Blinden- und Sehbehindertenverein e.V.,
Detmold, Telefon: 05231 / 63 00-0
Blinden- und Sehbehindertenverband
Nordrhein e.V., Meerbusch, Telefon: 0 21 59 / 96 55-0
Blinden- und Sehbehindertenverein
Westfalen e.V., Dortmund, Telefon: 0231 / 55 75 90-0

Rheinland-
Pfalz Landesblinden- und Sehbehindertenverband
Rheinland-Pfalz e.V., Mainz, Telefon: 06131 / 6 93 97 36

Saarland Blinden- und Sehbehindertenverein für das
Saarland e.V., Saarbrücken, Telefon: 0681 / 81 81 81

Sachsen Blinden- und Sehbehinderten-Verband Sachsen e.V.,
Dresden, Telefon: 03 51 / 8 09 06 11

Sachsen-
Anhalt Blinden- und Sehbehinderten-Verband
Sachsen-Anhalt e. V., Magdeburg, Telefon: 0391 / 2 89 62 39

Schleswig-
Holstein Blinden- und Sehbehindertenverein
Schleswig-Holstein e.V., Lübeck, Telefon: 0451 / 40 85 08-0

Thüringen Blinden- und Sehbehindertenverband Thüringen e.V.,
Weimar, Telefon: 03643 / 74 29 07

Weitere Auskünfte gibt:
Büro des Bundeswahlleiters,
Telefon: 0611 75-4863,
https://www.destatis.de/DE/Service/Kontakt/Bundeswahlleiter/Kontakt.html

„Diskriminierung im Bildungsbereich und im Arbeitsleben“

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und die Beauftragten der Bundesregierung und des Deutschen Bundestages haben zum zweiten Mal einen Gemeinsamen Bericht zur Diskriminierung vorgelegt. Die Schwerpunkte des Berichts, Bildung und Arbeit, wurden zusammen mit dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, gewählt. In diesen beiden Feldern erhält der Beauftragte eine Vielzahl von Beschwerden. Auch vier Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention spiegeln sie nach wie vor die massive Diskriminierung behinderter Menschen in Schule und Beruf wider.

Hinsichtlich der Bildung fordert der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, dass auf dieser Grundlage das gemeinsame Lernen für alle Kinder und Jugendlichen eine Selbstverständlichkeit wird: „Nach wie vor wird es Eltern sehr schwer gemacht, einigen sogar verweigert, ihr behindertes Kind zu einer allgemeinen Schule gehen zu lassen. Die UN-Behindertenrechtskonvention spricht aber allen Kindern das Recht zu, gemeinsam mit allen anderen die Schule zu besuchen. Schulen und Schulämter haben die Pflicht die Teilhabe zu ermöglichen. Dabei ist es auch wichtig, die notwendige Unterstützung an den Schulen zu gewähren.“

Im Bereich Diskriminierung im Arbeitsleben ist der Übergang von der Schule in den Beruf häufig Anlass für Einzeleingaben. Junge Menschen mit Behinderungen haben oft schlechte Perspektiven und bewerben sich eher selten auf betriebliche Ausbildungsplätze. Der Beauftragte für die Belange behinderter Menschen möchte, dass auch behinderte Jugendliche bei betrieblichen Ausbildungen zum Zug kommen.

Hubert Hüppe: „Für Jugendliche mit Behinderungen führt der Weg viel zu oft von der Förderschule direkt in eine Sonderwelt des Arbeitsmarktes. Gerade Jugendlichen mit dem Lernschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ wird oft keine Alternative zur Werkstatt für behinderte Menschen geboten. Auch hier müssen neue Möglichkeiten geschaffen werden, um Wünschen und Fähigkeiten des Einzelnen auch in Ausbildung und Arbeit im allgemeinen Arbeitsmarkt mehr gerecht zu werden.“

Der Behindertenbeauftragte sieht aufgrund der Einzeleingaben auch Defizite bei der Vermittlung arbeitsuchender behinderter Menschen. In den Eingaben wird oft beklagt, es fehlten spezifische Kenntnisse und die Bereitschaft, in einem Netzwerk mit anderen zuständigen Stellen nach beruflichen Möglichkeiten zu suchen.

Bei der Bewusstseinsbildung zum Thema Menschen mit Behinderung muss die Wertschätzung für die Leistungsfähigkeit behinderter Menschen in den Mittelpunkt gestellt werden. Statt einer defizitorientierten Betrachtungsweise müssen die Fähigkeiten und Talente stärker im Fokus stehen und darauf aufbauend nach Beschäftigungsmöglichkeiten gesucht werden Die konkreten Arbeitsbedingungen sind häufig Anlass für Einzeleingaben an den Behindertenbeauftragten. Zwar kann der Behindertenbeauftragte hier keine Anweisungen erteilen, häufig kann er aber zwischen Arbeitgebern und behinderten Beschäftigten vermitteln und so eine Lösung finden.

Studie „Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen in Deutschland“

Die Langfassung der im Auftrag des Bundesfamilienministeriums durchgeführten Studie „Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen in Deutschland“ wurde nunmehr veröffentlicht.

Die Langfassung der im Auftrag des Bundesfamilienministeriums durchgeführten Studie „Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen in Deutschland“ wurde nunmehr veröffentlicht. In dieser bundesdeutschen Prävalenzstudie wurden erstmalig umfangreiche Daten zu Gewalt und Diskriminierung in unterschiedlichen Lebensbereichen von Frauen mit Behinderungen erfasst. Die Untersuchung besteht aus einer repräsentativen Befragung von 1561 Frauen zwischen 16 bis 65 Jahren mit starken und dauerhaften Beeinträchtigungen und Behinderungen sowohl in Haushalten als auch in Einrichtungen, einer nichtrepräsentativen Zusatzbefragung von 341 seh-, hör- und schwerstkörper-/mehrfachbehinderten Frauen und einer qualitativen Befragung von 31 von Gewalt betroffenen Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen.

Die Ergebnisse zeigen, dass Mädchen und Frauen mit Behinderungen in besonders hohem Ausmaß Opfer von Gewalt in jeglicher Form werden und darüber hinaus oft vielfältigen Formen von Diskriminierungen und struktureller Gewalt ausgesetzt sind.

Die Publikation finden Sie unter:

www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationen,did=199822.html

Behindertenbeauftragter legt Bilanz seiner Amtszeit vor

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, hat eine Bilanz seiner Tätigkeit in der 17. Legislaturperiode gezogen. Schwerpunkt seiner Arbeit war die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die in Deutschland seit März 2009 verbindlich ist.

Mit dem Leitgedanken der UN-Behindertenrechtskonvention „Nichts über uns ohne uns“ wurde ein Inklusionsbeirat eingerichtet, der überwiegend mit Menschen mit Behinderungen besetzt ist. Behinderte Menschen sind hier Expertinnen und Experten in eigener Sache. Alle Veranstaltungen des Behindertenbeauftragten fanden unter Beteiligung behinderter Menschen statt und ihre Mitwirkung bei Gesetzgebungsverfahren und anderen politischen Prozessen wurde vielfach durchgesetzt.

Insgesamt ist es in den vergangenen Jahren in etlichen Lebensbereichen gelungen, die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen voranzubringen. Dazu zählen unter anderem Verbesserungen im Bereich der Mobilität, im Gesundheits- und Pflegebereich sowie bei der Barrierefreiheit, etwa im elektronischen Rechtsverkehr mit den Gerichten, im Internetangebot von Bundesbehörden und in der Filmförderung. Ebenso konnten schlechtere Bedingungen, die sich im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise zunächst abzeichneten, verhindert werden, so z.B. Einschnitte in der Eingliederungshilfe im Rahmen der Gemeindefinanzkommission.

Handlungsbedarf besteht weiter in nahezu allen Lebensbereichen. Teilhabe mitten in der Gesellschaft ist oft noch nicht verwirklicht. Fast alle Akteure bekennen sich zwar zur Inklusion, konkrete Schritte fehlen aber häufig noch. Im Bildungsbereich und im Arbeitsleben etwa steigt die Zahl der Menschen in Sondereinrichtungen teilweise weiter an.

Die gesamte Bilanz können Sie als PDF hier nachlesen
oder eine Broschüre beim Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen bestellen.

Inklusion geht alle an

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat am Mittwoch den Teilhabebericht vorgelegt. Mit dem Teilhabebericht der Bundesregierung über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen wurde die frühere Berichterstattung über behinderte Menschen komplett überarbeitet. Der Bericht untersucht die Teilhabechancen beeinträchtigter Menschen und soll eine empirisch fundierte Informationsbasis für Politik und Praxis liefern. Im Teilhabebericht werden erstmals nicht nur die Situation schwerbehinderter Menschen betrachtet, sondern auch die der Menschen, die mit chronischen Krankheiten oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen leben. Der Bericht untersucht die Frage, inwiefern Menschen, die beeinträchtigt sind, im Zusammenwirken mit Umweltfaktoren in ihren Teilhabechancen eingeschränkt und somit behindert sind. Der Teilhabebericht löst bisherige Berichte ab, in denen die Bundesregierung vor allem die eigenen Maßnahmen und Aktivitäten darstellte. Für den Teilhabebericht war die Perspektive und Expertise von Menschen mit Behinderungen sehr maßgeblich.

Hubert Hüppe, der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, begrüßte den neuen Ansatz des Teilhabeberichts: „Der Teilhabebericht zeigt deutlich, dass es oft die Lebensverhältnisse sind, die Menschen behindern und nicht ihre Einschränkungen. Seit langem weisen Menschen mit Behinderungen darauf hin, was sie von der gleichberechtigten Teilhabe abhält. Ich bin daher froh, dass ihre Sicht in diesen Bericht eingeflossen ist.“

Der Teilhabebericht nutzt Indikatoren, um das Maß der Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen zu zeigen. Dieser Ansatz wurde aus der UN-Behindertenrechtskonvention abgeleitet, er basiert auf einem Vergleich der Teilhabe von Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen.

Hubert Hüppe: „Der Teilhabebericht macht deutlich, wie vielfältig die Lebenssituationen von Menschen sind. Darum ist auch klar, die Unterstützung muss den Menschen folgen, nicht umgekehrt. Dieser Bericht macht noch einmal deutlich, dass wir jetzt ein Bundesleistungsgesetz brauchen, um die bisherige Eingliederungshilfe neu zu gestalten.“

Der Teilhabebericht zeigt: Inklusion geht alle an. In Deutschland leben 18,1 Millionen Menschen mit einer Beeinträchtigung, das sind 20 Prozent der Bevölkerung

Conterganopfer erhalten jetzt angemessene Entschädigungen

Zum 1.8.2013 erhalten Conterganopfer um ein Vielfaches erhöhte Renten, die künftig, je nach Schweregrad der Behinderung, monatlich zwischen 612 und 6912 Euro betragen. Damit geht die jahrzehntelange Unterversorgung der Geschädigten zu Ende, so Christian Stürmer, Vorsitzender des Contergannetzwerkes Deutschland e.V.

Bei „Contergan“ handelt es sich um den größten Pharmaskandal der Bundesrepublik Deutschland: 10.000 Opfer, tausende tote Kinder, wovon heute noch rd. 2700 Betroffene leben. Der Staat stellte die Schädigungsfirma Grünenthal von allen Haftungspflichten per Gesetz frei, ohne bisher selbst für eine angemessene Kompensation zu sorgen. Die Betroffenen mussten, wenn sie überhaupt arbeitsfähig sind, zumeist verfrüht aus dem Erwerbsleben ausscheiden; Assistenz- und Pflegekosten konnten großteils nicht aufgebracht werden.

Erreicht werden konnten die jetzigen Leistungserhöhungen, indem die CDA Baden-Württemberg dem Contergannetzwerk Türen zu wesentlichen Politikern geöffnet hat. Hieraufhin bewirkte der Landesvorsitzende der CDU Baden-Württemberg, Thomas Strobl, am 31.01.2013 bei der Bundeskanzlerin, dass die Leistungserhöhung (im Umfang von jährlich 120 Millionen Euro), auf die Tagesordnung des Koalitionsausschusses der Bundesregierung kam. „Das war der Durchbruch unseres jahrelangen Kampfes, wofür sind wir sehr dankbar sind“, so Christian Stürmer.