Badewannen nachträglich mit einem sicheren Zugang ausstatten

Die größten Unfallgefahren lauern in den eigenen vier Wänden: Rund drei Millionen Bundesbürger verletzen sich nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) jedes Jahr in ihrer Wohnung. Besonders oft sind ältere Menschen betroffen. Schon kleine Ursachen wie eine Falte im Teppich oder ein rutschiger Fliesenboden können oft eine fatale Wirkung haben. Dabei lassen sich viele Stolperfallen mit einfachen Mitteln entschärfen. Um beispielsweise das Bad barrierefrei umzubauen, lässt sich nahezu jede Badewanne nachträglich mit einer Zutrittstür ausstatten.

Unfallrisiken beseitigen

Der Umbau verbindet eine verbesserte Sicherheit mit mehr Komfort, und das nicht nur für ältere Menschen, sondern beispielsweise auch für die jüngsten Familienmitglieder. „Senioren, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind, fällt der Zutritt zur Wanne oft schwer. Schnell verliert man dabei das Gleichgewicht, rutscht aus und zieht sich schmerzhafte Verletzungen zu“, erläutert Modernisierungsexperte Alexander Aßmann von Tecnobad. Das Risiko lässt sich mit einer soliden Eintrittstür verhindern, die nachträglich in die Wanne eingesetzt wird und sich bei Bedarf einfach hochklappen lässt. Der Experte empfiehlt, den Umbau durch Fachleute vornehmen zu lassen, damit der Zutritt garantiert dicht hält.

Umbau in wenigen Stunden

Der Umbau selbst ist mit nahezu jeder Badewanne möglich und nimmt nur rund einen halben Tag in Anspruch. Passgenau wird eine transparente Tür aus bruchfestem Kunststoff eingesetzt. 24 Stunden muss das spezielle Dicht- und Klebematerial aushärten, danach kann die Wanne wieder wie gewohnt genutzt werden. Da die gesamte Einrichtung des Badezimmers inklusive der Fliesen dabei intakt bleibt, ist der barrierefreie Umbau nicht nur besonders schnell, sondern auch kostengünstig. „Eine komplette Badrenovierung und den damit verbundenen Lärm und Schmutz muss man heute nicht mehr in Kauf nehmen, um sich barrierefrei und sicher einzurichten“, berichtet Alexander Aßmann weiter.

Weitere Informationen gibt es unter www.badewannentuer.de

„Umfrage zur Pflegekammer eine klare „Ablehnung durch Nichtteilnahme“

„Wenn sich von etwa 40.000 Pflegenden in Rheinland-Pfalz nur gut 5.000 für eine Pflegekammer aussprechen, dann sollte die Landesregierung anerkennen, dass die Pflegenden die Verkammerung für unwichtig halten und ablehnen.“ Mit diesen Worten kommentiert der stellvertretende Landesvorsitzende des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) Manfred Hoffmann die geringe Beteiligung an der Umfrage zur Pflegekammer.

„Die Pflegenden haben ganz andere Probleme, die mit einer Kammer nicht gelöst werden“, erklärt Hoffmann die geringe Teilnahme: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege wünschen sich verbesserte Personalschlüssel, weniger Bürokratie und eine höhere Anerkennung für ihren Beruf, auch durch bessere Bezahlung. Die Kammer wird für all diese Bereiche aber nicht zuständig sein und ist deshalb unsinnig.“

Die Landesregierung solle jetzt nicht versuchen, ihr Wunschprojekt Pflegekammer dadurch durchzudrücken, indem sie ein Minderheitsvotum als Willen der Pflegenden präsentiere. „Viele Pflegende haben ihre Ablehnung einfach durch das legitime Instrument der Nichtteilnahme ausgedrückt“, so Hoffmann. „Immerhin 2.000 Pflegenden war die Ablehnung einer Kammer so wichtig, dass sie sich durch den komplizierten Registrierungsprozess gequält haben, um mit Nein zu stimmen.“.

Wie schwer es den Pflegenden gemacht wurde, sich an der Befragung zu beteiligen, zeigt nach Einschätzung des bpa auch die Tatsache, dass ein Viertel derjenigen, die sich vor der Abstimmung registriert haben, letztlich keine Stimme abgegeben haben. „Diese nicht abgegebenen Stimmen müsste das Ministerium eigentlich als bewusste Enthaltungen werten. Faktisch hat sich also nur etwas mehr als die Hälfte der rund 9.500 registrierten Pflegenden für eine Kammer ausgesprochen.“

Der bpa, in dem fast 400 ambulante und stationäre Pflegeunternehmen in Rhein-land-Pfalz mit Rund 8.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern allein in der Pflege organisiert sind, kritisiert weiterhin den jährlichen finanziellen Aufwand für die Pflegekammer von vier Millionen Euro und vor allem die Zwangsmitgliedschaft, mit der Pflegende bei einer Verkammerung zusätzlich belastet werden. Die Kammer bringe keine erkennbaren Vorteile, binde aber viel Geld und personelle Ressourcen, das in der Pflege an anderer Stelle dringen gebraucht würde.

„In mehreren anderen Bundesländern gibt es klare Entscheidungen gegen die Pflegekammer“, ruft Hoffmann in Erinnerung und verweist auf entsprechende Äußerungen der thüringischen Sozialministerin Taubert sowie eine große Befragung von Pflegenden in Niedersachsen. Dort hatten sich die Betroffenen deutlich gegen Zwangsmitgliedschaften und hohe Kammerbeiträge ausgesprochen. Auch Bremen habe sich gegen die Gründung einer Kammer ausgesprochen.

Haare waschen ohne Wasser

Eine tolle Idee, insbesondere für bettlägerige Patienten bietet die ANHALT GmbH – PARTNER DER PFLEGE an: Die Haarwaschhaube zum Haarewaschen ohne Wasser in 4 Minuten. Shampoo und Wasser sind bereits eingearbeitet. Einfach Beutel öffnen, eventuell in der Mikrowelle erwärmen, aufsetzen, 1 Minute einmassieren, abnehmen … fertig. Haare wie gewohnt abtrocknen mit Handtuch / Fön. Geeignet für alle Kopfgrößen (außer Kinder), auch für Volumenhaar. Erhältlich bei Anhalt GmbH, 67592 Flörsheim-Dalsheim, Tel: 06243 / 90 36 – 0, in der Apotheke PZN 03865261 oder im Shop für Pflegeartikel: www.guenstiger-pflegen.de (Preis ca. 3,80 Euro).

Menschenrechtsverletzungen

Menschenrechtsverletzungen gibt es vielfach auch in Deutschland. Häufig betrifft dies Menschen mit Behinderungen. Das belegt ein 80-seitiger Bericht mit dem Titel „Für Selbstbestimmung, gleiche Rechte, Barrierefreiheit, Inklusion!“ der von einer Allianz von rund 80 Organisationen der Zivilgesellschaft gemeinsam erstellt wurde. Anlässlich des vierten Jahrestages des In-Kraft-Tretens der UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) in Deutschland am 26. März 2013 wurde der Report an Tom Koenigs, den Vorsitzenden des Menschenrechtsausschusses des Deutschen Bundestages, übergeben. Einen Tag später wird die Übergabe an Arbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen erfolgen.

„Wenn einer unbekannten Zahl von Menschen mit Behinderungen pauschal das Wahlrecht verweigert wird, wenn Menschen gegen ihren Willen zwangsbehandelt und zwangseingewiesen werden, wenn Frauen und Mädchen mit Behinderungen zwei- bis dreimal häufiger als nichtbehinderte Frauen von sexueller Gewalt betroffen sind und mehr als 140.000 pflegebedürftige Menschen ans Bett fixiert werden, so sind das gravierende Menschenrechtsverletzungen“, stellt Dr. Sigrid Arnade, eine Sprecherin der Allianz, fest.

Ferner stellt der Bericht dar, dass nur 29 Prozent der Kinder mit Behinderungen die Allgemeine Schule besuchen, besonders betroffen sind behinderte Kinder mit Migrationshintergrund. Viele Menschen mit Behinderungen können ihren Wohnort und die Wohnform nicht frei bestimmen und müssen gegen ihren Willen in Einrichtungen leben. Auf dem Arbeitsmarkt sind sie mit 14,8 Prozent doppelt so häufig arbeitslos wie nichtbehinderte Menschen.

„Wir haben unseren Bericht zwar in erster Linie für den zuständigen Überwachungsausschuss der Vereinten Nationen verfasst“, betont Dr. Detlef Eckert, ein weiterer Sprecher der Allianz. „Wir halten es jedoch für wichtig, dass gerade im Wahljahr 2013 auch die deutsche Öffentlichkeit davon erfährt, wie unzureichend die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland umgesetzt wird. Wir wollen erreichen, dass Behinderung endlich als Menschenrechtsthema verstanden wird.“

Der 80-seitige Bericht der BRK-Allianz wurde in Kooperation mit der Aktion Mensch erstellt und ist zu finden unter: http://www.brk-allianz.de/

In der BRK-Allianz haben sich im Jahr 2012 insgesamt 78 Organisationen zusammengeschlossen, die im Wesentlichen das Spektrum der behindertenpolitisch arbeitenden Verbände in Deutschland repräsentieren. Sie kommen vor allem aus dem Bereich der Selbstvertretungsverbände behinderter Menschen, der Behindertenselbsthilfe und der Sozialverbände. Ebenso sind die Wohlfahrtsverbände, die Fachverbände der Behindertenhilfe und der Psychiatrie vertreten. Zum anderen arbeiten Berufs- und Fachverbände aus dem Bereich der Allgemeinen Schule und der Entwicklungszusammenarbeit sowie Elternverbände und Gewerkschaften mit.

Die UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Dezember 2006 verabschiedet und ist in Deutschland am 26. März 2009 in Kraft getreten. Diese Menschenrechtskonvention hat den Rang eines Bundesgesetzes. Sie gilt neben dem Bund auch für die Länder und Kommunen. Nach zwei Jahren muss die Regierung den Vereinten Nationen über den Stand der Umsetzung berichten. Die Zivilgesellschaft ergänzt diesen Bericht mit einem sogenannten Parallel- oder Schattenbericht. Die Prüfung vor dem zuständigen UN-Ausschuss wird frühestens im Jahr 2014 erfolgen, ein genauer Termin steht noch nicht fest.

Hans-Rosenthal-Ehrenpreis 2013 geht an Kinderhospiz „Sterntaler“

Das Kinderhospiz „Sterntaler“ erhält 2013 den mit 10 000 Euro dotierten Hans-Rosenthal-Ehrenpreis für sein großes soziales und humanitäres Engagement. Die Auszeichnung wird am Samstag, 6. April 2013, im Rahmen des Showprogramms der Charity-Veranstaltung „21 Jahre Hans-Rosenthal-Gala“ in der Jugendstil-Festhalle in Landau in der Pfalz verliehen.

Mit einstimmigem Votum entschied sich die Jury in diesem Jahr für das Kinderhospiz „Sterntaler“ in Dudenhofen bei Speyer. Der Verein ist nach Karlheinz Böhm (2003), Ingeborg Schäuble (2004), Christina Rau (2005), „Ein Herz für Kinder“ (2006), Veronica Ferres (2007), „Schüler helfen Leben“ (2008), Peter Maffay (2009), Franz Beckenbauer (2010), „alt – arm – allein“ (2011) und Gesine Cukrowski (2012) der elfte Träger des Hans-Rosenthal-Ehrenpreises, der seit 2003 jährlich von der Hans-Rosenthal-Stiftung und dem Verein „Aktion Hilfe in Not“ an Personen oder Institutionen verliehen wird, die sich in herausragender Weise und uneigennützig für Not leidende Menschen einsetzen.

Das Kinderhospiz „Sterntaler“ ist eines von elf stationären Kinderhospizen in Deutschland und das einzige in Rheinland-Pfalz. Es besteht seit 2009 und wird getragen vom Mannheimer Verein „Kinderhospiz Sterntaler e.V.“ Das Kinderhospiz sieht sich als Herberge für unheilbar erkrankte Kinder und ihre Familien. Neben Kinderkrankenschwestern und Pflegern kümmern sich Pädagogen und eine Psychologin um die Kinder und ihre Familien. Besonders wichtig ist den „Sterntalern“ die Betreuung der Geschwisterkinder, die sich mit ihren Sorgen und Ängsten um die kranke Schwester oder den kranken Bruder hilflos und bei allen Bemühungen der Eltern oft zurückgesetzt fühlen.

Patrick Weiß, Sprecher der Jury: „Das herausragende Engagement der „Sterntaler“, mit dem sie Familien und Betroffenen Halt und Zuversicht geben, verdient Dank und Anerkennung. Ich bin daher sehr stolz und froh darüber, dass sich die Ehrenpreis-Jury in diesem Jahr darauf verständigt hat, diesen Einsatz für Familien, die in einer schweren Lebenskrise sind, zu würdigen. Dies ist uns eine ganz besondere Ehre.“

Der Hans-Rosenthal-Ehrenpreis wird in Würdigung der Persönlichkeit des 1987 verstorbenen Fernsehmoderators und Quizmasters („Dalli-Dalli“) sowie zur Erinnerung an sein Werk verliehen. Hans Rosenthal war es schon aufgrund seiner eigenen Geschichte wichtig, dass selbstlose und mutige Personen Anerkennung finden. Er selbst verdankte sein Überleben während des Holocausts zwei fremden Frauen, die unter Lebensgefahr mit ihm ihre Lebensmittel teilten und ihn so am Leben erhielten. Später war es Hans Rosenthal selbst ein Anliegen, Not leidenden Menschen zu helfen, unter anderem mit der Aktion „Dalli-Dalli-hilft“, in deren Nachfolge die Hans-Rosenthal-Stiftung gegründet wurde.

Sichtbares Zeichen der Auszeichnung mit dem Ehrenpreis ist eine Plastik des international renommierten Künstlers Prof. Gernot Rumpf aus Neustadt an der Weinstraße: ein Pelikan als Symboltier der Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe.

Mitglieder der 15-köpfigen Jury sind: die TV-Journalistin Sabine Christiansen, der Ministerpräsident a.D. von Rheinland-Pfalz Kurt Beck, die Olympiasiegerin Katarina Witt, der Stiftungsvorsitzende Gert Rosenthal, die Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer, Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, Focus-Herausgeber Helmut Markwort, ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut (Vorsitzender der Jury), SWR-Intendant Peter Boudgoust, BASF-Vorstandsmitglied Margret Suckale, die Schauspielerin und Moderatorin Désirée Nosbusch, Rheinpfalz-Chefredakteur Michael Garthe, Bunte-Chefredakteurin Patricia Riekel, Europa-Park-Chef Roland Mack sowie der Initiator des Hans-Rosenthal-Ehrenpreises und Sprecher der Jury, Patrick Weiß.

Sexueller Missbrauch in Kinderpsychiatrie

In der Kinder- und Jugendpsychiatrie St. Johannesstift in Marsberg gab es in den 50er und 60er Jahren massive sexuelle Übergriffe durch Pfleger und Nonnen. Das berichten Betroffene nach Jahrzehnten des Schweigens im WDR-Politikmagazin Westpol (WDR Fernsehen, Sonntag, 24.3., 19.30 Uhr).

Einer der Patienten beschreibt in der Sendung, wie ihn eine Schwester der Vincentinerinnen 1964 im Alter von 13 Jahren mehrfach in ihr Zimmer beordert habe. Dort habe er sich ausziehen müssen, die Schwester habe sexuelle Handlungen an ihm vorgenommen. Ein weiterer damaliger Patient schildert, von Nonnen immer wieder extensiv im Genitalbereich gewaschen worden zu sein.

Die Schilderungen ergänzen Berichte von Ehemaligen zu massiven Übergriffen im St. Johannesstift und an weiteren Kinder- und Jugendpsychiatrien, über die Westpol in den letzten Wochen berichtet hat. Zahlreiche Betroffene geben an, in den Einrichtungen bis in die 70er Jahre geschlagen und mit Medikamenten ruhig gestellt worden zu sein. Sie seien mit eiskalten Bädern gequält und in Einzelzellen gesperrt worden. Berichte dieser Art kommen von ehemaligen Patienten aus Kinder- und Jugendpsychiatrien in Marsberg, Bad Oeynhausen und Schleswig.

Experten halten die Schilderungen für glaubwürdig. „Das sind Einrichtungen, in denen Menschen über 24 Stunden des Tages einer Fremdbestimmung unterworfen sind, und auch keine Möglichkeit haben, über das, was ihnen dort geschieht, nach außen zu berichten, sich zu beschweren, jemanden zu finden, der ihnen zuhört. Wenn sie versuchen, innerhalb der Institution sich dagegen zu wehren, dann werden sie für diese Gegenwehr noch bestraft“, sagt der Sozialpädagoge und Psychotherapeut Manfred Kappeler.

Von der Westpol-Redaktion mit den Vorwürfen der Psychiatrieopfer konfrontiert, zeigt sich die Generaloberin der Vincentinerinnen, Schwester M. Cäcilie Müller, tief betroffenen: „Das löst in mir unendliche Betroffenheit aus und auch ein Stückchen Beschämung, wenn ich sagen muss, dass Schwestern meiner Gemeinschaft mitgewirkt haben diesbezüglich und ich möchte mich auch im Namen dieser Mitschwestern, die leider nicht mehr leben, aufrichtig entschuldigen für das ihnen zugefügte Leid.“ Mit Betroffenen, die sich an die Vincentinerinnen wenden, möchte die Generaloberin Gespräche führen, um die Vergangenheit aufzuarbeiten. Bis 1980 waren die Nonnen im St. Johannesstift in Marsberg für Pflege und Versorgung zuständig.

Auch der Träger der Einrichtung in Marsberg, der Landschaftsverband Westfalen Lippe, hat nach den Westpol-Recherchen nun erste Konsequenzen gezogen. Der Verband lädt Betroffene zu Gesprächen ein. Meinolf Noecker, der Krankenhausdezernent des LWL sagt: „Wir stehen am Anfang der Analysen, aber die Aussagen, die uns bis jetzt vorliegen haben für mich einfach eine so hohe Glaubwürdigkeit, dass ich auch jetzt schon heute an diesem Tage diese Entschuldigung, dieses Mitgefühl, diese Anteilnahme, diesen Respekt vor dem erlittenen Schicksal ausdrücken kann und wir die Verantwortung dafür auch übernehmen. Und insofern bitten wir tatsächlich und nachhaltig und aus tiefem Herzen heraus die Betroffenen um Entschuldigung.“

Bislang haben Menschen, die in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Opfer von Gewalt und sexuellen Übergriffen geworden sind kein Anrecht auf Entschädigung. Sie sind als Opfergruppe beim Runden Tisch „Heimerziehung“ ausgespart worden. In einer Petition an den Bundestag fordern sie, dass ihr Leid nun aufgearbeitet wird. Und sie wollen Entschädigung.

Behinderte Kinder haben ein Recht auf bessere Bildungschancen

Zur heutigen Bundestagsanhörung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Bildungsbereich in Deutschland erklärt SoVD-Präsident Adolf Bauer:

Es wird viel über ein inklusives Bildungssystem in Deutschland gesprochen und zu wenig getan. Dabei steht längst fest, dass der Handlungsdruck groß ist.

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass behinderte Kinder nach wie vor zu oft vom regulären Schulunterricht ausgeschlossen bleiben. Nur 25 Prozent der behinderten Kinder können aktuell eine Regelschule besuchen. Das ist zwar ein Zuwachs in den letzten vier Jahren, bleibt jedoch auf niedrigem Niveau.

Zugleich zeigt die Entwicklung der letzten Jahre: Die Zuweisungsraten in Förderschulen verharren in Deutschland weiter auf hohem Niveau. Denn weil die Zahl der Schüler mit Förderbedarf insgesamt immer weiter an steigt, führen höhere Integrationszahlen nicht automatisch zu sinkenden Förderschulbesuchsquoten.

Dies ist vier Jahre nach Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention ein verheerendes Signal. Schuld sind insbesondere ein bundesweit unabgestimmtes Vorgehen bei der Umsetzung der Konvention sowie ausbleibende Grundsatzentscheidungen in vielen Ländern. Insbesondere die ungeklärte Frage, wie Ressourcen für das inklusive Lernen von Sonderschulen an reguläre Schulen planvoll umzuschichten sind, braucht eine Antwort. Damit der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung spürbar vorankommt, müssen die Bildungspolitiker aus Bund und Ländern endlich an einen gemeinsamen Tisch und verbindliche Beschlüsse fassen. Denn Lippenbekenntnisse allein reichen nicht.

Der getunte Mensch

Im Mittelpunkt der Sendung steht der Mensch mit seinem Wunsch nach Perfektion. Noch nie in der Geschichte haben sich Menschen so sehr mit sich und ihrem Körper beschäftigt wie heute. Wir optimieren unser äußeres Erscheinungsbild, unsere Gesundheit und demnächst vielleicht sogar unsere Gene. Wir wollen perfekt sein. Die Vollkommenheit und Fitness unseres Körpers ist zu einem Marketing-Instrument geworden. Nicht nur im Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch im privaten Leben. Eine neue Schere öffnet sich: Die Wohlhabenden können sich die Gesundheits-Konditionierung leisten, die Ärmeren nicht.

Im Gespräch mit der Schriftstellerin Juli Zeh („Corpus Delicti“) möchte Richard David Precht dem Phänomen des so genannten „Self-Enhancements“, also des Strebens nach Perfektionierung eines eigentlich gesunden Körpers, auf die Spur kommen. Ist es wirklich ein neues Symptom? Wie hat sich das Verhältnis zu unserem Körper und dessen Unzulänglichkeiten menschheitsgeschichtlich entwickelt? Wie entstand die besondere Wertschätzung des Körpers über das reine Funktionieren hinaus? Wann erfand die Philosophie die Unterscheidung zwischen Körper und Geist/Seele, und welche Bedeutung hat das Körperliche in der Philosophie?

Die Marktnormen verdrängen die Sozialnormen immer mehr. Soziologen beobachten, wie es Teenagern immer schwerer fällt, aufgrund ihrer hochgesteckten Erwartung an die körperliche Makellosigkeit und Attraktivität eines potenziellen Partners, reale Beziehungen einzugehen. Was wird aus unserer Gesellschaft und unserem Zusammenhalt, wenn jeder sich nur noch für sich selbst interessiert? Schon heute ist der Ton zwischen denen, die aus eigener Tasche in ihre Gesundheit und Fitness investieren, und jenen, die ihre Gesundheit aus eigener Tasche zu ruinieren scheinen – wie Raucher, Alkoholkonsumenten, Risikosportler oder Fastfood-Konsumenten – rauer geworden. Wie lange wird eine solche Gesellschaft noch bereit sein, ein Gesundheitssystem mitzutragen, dass durch jene „unvollkommenen“ Menschen drastisch verteuert wird? Letztlich stellt sich dann die Frage, wie unsere Gesellschaft mit Menschen umgeht, die nur deshalb durch das Raster der Optimierungsansprüche zu fallen drohen, weil sie mit einer Behinderung leben.

Schulsystem in Deutschland sondert Kinder weiter aus

Heute werden mehr Kinder und Jugendliche an Sonderschulen unterrichtet als vor elf Jahren. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung kommt zu dem Schluss, dass der Anteil der an Sonderschulen unterrichteten Kinder und Jugendlichen an allen Schülerinnen und Schülern in den letzten elf Jahren deutschlandweit angestiegen ist. Zwischen dem Schuljahr 2000/01 und 2011/12 stieg die sogenannte „Exklusionsquote“ von 4,6 % auf 4,8 % . Nachdem die UN-Behindertenrechtskonvention Deutschland vor vier Jahren zu gemeinsamem Unterricht verpflichtet hatte, war die Quote im Schuljahr 2009/10 sogar auf 5 % gestiegen und dann auf aktuell 4,8 % leicht gesunken.

Dazu erklärt der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe: „In Deutschland werden Kinder mit Behinderung im Bildungssystem nach wie vor von Kindern ohne Behinderung getrennt. Obwohl alle über Inklusion reden, passiert viel zu wenig. Die Chancen auf einen qualifizierten Schulabschluss sind schlecht, fast Dreiviertel der Abgänger von Sonderschulen verlassen sie ohne Hauptschulabschluss. Alle Bundesländer müssen sich endlich ihren Verpflichtungen aus der UN-Behindertenrechtskonvention stellen.“

Inklusion sei derzeit vielerorts nur ein Lippenbekenntnis oder die Aussonderung von Kindern mit Behinderung nehme sogar zu, so Hubert Hüppe. So stieg etwa in Nordrhein-Westfalen zwischen 2008/09 und 2011/12 die ‚Exklusionsquote‘ von bereits überdurchschnittlich hohen 5,2 % auf 5,3 % . Gleichzeitig stieg zwischen dem Schuljahr 2008/09 und 2011/12 der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Behinderung, die an Regelschulen unterrichtet wurden, von 18,4 % auf 25 % . Dieser scheinbare Widerspruch zum konstanten Anteil der an Sonderschulen unterrichteten Kinder erklärt sich mit einem gleichzeitig höheren Anteil an Kindern, bei denen sogenannter „sonderpädagogischer Förderbedarf“ festgestellt wurde.

Hubert Hüppe: „Hier wird ein erfolgloses und aussonderndes System aufrechterhalten, indem immer mehr Kinder mit dem Etikett ‚sonderpädagogischer Förderbedarf‘ versehen werden. Die Ressourcen für den Ausbau der inklusiven Bildung werden weiterhin an Sonderschulen gebunden. Es muss endlich ein echtes Umsteuern stattfinden, das Kindern mit Behinderung mehr Bildungs- und Teilhabechancen gibt.“

Gesetzentwurf sieht bis zu 120 Millionen Euro jährlich für contergangeschädigte Menschen vor

Am Donnerstag den 14.03.2013 findet die 1. Beratung des Gesetzentwurfs von CDU/CSU, SPD und FDP zur Änderung des Conterganstiftungsgesetzes im Deutschen Bundestag statt. Im Gesetzentwurf sind bis zu 120 Millionen Euro jährlich für contergangeschädigte Menschen vorgesehen, 90 Millionen für Erhöhungen der Conterganrente und bis zu 30 Millionen für medizinische Zusatzbedarfe.

„Ich begrüße, dass die Bundesregierung und die den Gesetzentwurf unterstützenden Fraktionen schnell gehandelt haben. Die contergangeschädigten Menschen haben keine Zeit, langwierige Diskussionen abzuwarten. Dies ist ein Erfolg für die vielen contergangeschädigten Menschen, die sich seit Jahren für Verbesserungen einsetzen. Für entscheidend halte ich dabei die vorgesehene massive Rentenerhöhung, rückwirkend ab 1.1.2013. Die Menschen können selbst am besten entscheiden, wie sie ihre Lebenssituation verbessern. Die Hilfen müssen nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens schnellstmöglich unbürokratisch an die Betroffenen gezahlt werden“, so der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe.

Die Conterganrente soll nach dem Gesetzentwurf von derzeit maximal 1.152 Euro auf maximal 6.912 Euro steigen. Zu den mit bis zu 30 Millionen Euro zu deckenden medizinischen Zusatzbedarfen gehören etwa zahnärztliche und kieferchirurgische Versorgungen, Hilfs- und Heilmittel oder Rehabilitationsleistungen.

„Contergangeschädigte Menschen waren in den letzten Jahrzehnten Auseinandersetzungen mit der Firma Grünenthal, Ärzten und Behörden ausgesetzt. Sie haben ein Leben lang um ihre Selbständigkeit gekämpft. Viele sind im Alter nicht mehr wie bisher in der Lage, etwa die Zähne und Füße anstatt ihrer Hände zu nutzen oder mit herkömmlichen Prothesen zu laufen. Außerdem fallen, aufgrund des zunehmenden Alters von Angehörigen und Freunden, oft auch wertvolle Unterstützer aus. Contergangeschädigte Menschen sind deshalb unter anderem zunehmend auf Assistenzleistungen angewiesen. Der im Januar veröffentlichte Bericht zu den Versorgungsdefiziten contergangeschädigter Menschen hat eindeutigen Handlungsbedarf in diesen und weiteren Bereichen aufgezeigt. Dem wird jetzt mit dem Gesetzentwurf entsprochen“, so Hubert Hüppe.