Minister Schäuble muss sich zu den Sozialkürzungsplänen erklären

„Die bekannt gewordenen Pläne weitreichender Sozialkürzungen, die das Finanzministerium für die Zeit nach der Bundestagswahl planen soll, sind so gravierend, dass ein halbseidenes Dementi aus dem Ministerium nicht beruhigen kann. Minister Schäuble selbst muss sich gegenüber Parlament und Öffentlichkeit klar und eindeutig zu diesem unsozialen Horror-Katalog erklären“, fordert der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, Gregor Gysi, zu den in den Medien kolportierten Kürzungsplänen zur Einhaltung der Schuldenbremse. „Es wäre nicht das erste Mal, dass von Seiten der Regierung Testballons gestartet werden, um zu sehen, wie weit man insbesondere nach einer Wahl gehen kann.“ Gysi weiter:

„Die schäbigen und ungerechten Kürzungspläne wären der tiefgreifendste Einschnitt in den Sozialstaat seit den Hartz-Gesetzen. Dass über eine Erhöhung des 7-Prozent-Mehrwertsteuersatzes zum Beispiel für Lebensmittel und Bücher auf 19 Prozent, eine Verschiebung des Renteneintritts auf 68 oder 69 Jahre, eine Kürzung der Witwenrenten, eine weitere Kürzung bei vorzeitiger Rente und die Einführung einer zusätzlichen Gesundheitssteuer bei der Lohn- und Einkommensteuer nachgedacht werden soll, um trotz Euro-Krise die Schuldenbremse einzuhalten, erweckt schlimmste Befürchtungen. Damit würden erneut diejenigen für die Krise zur Kasse gebeten werden, die keine, aber auch nicht die geringste Schuld an ihr tragen. Das müsste eigentlich indiskutabel sein.

Kein Rauch ohne Feuer sagt der Volksmund. Es ist ein übles Spiel, was CDU/CSU und FDP hier treiben. Die Wählerinnen und Wähler haben ein Recht darauf, vor den Wahlen zu erfahren, was die Parteien planen. Minister Schäuble muss jetzt Farbe bekennen.“

Integration fördern: 40.000 Euro zur Unterstützung der Aktion Mensch e.V.

Mit ihrem Förderengagement möchte die Aktion Mensch zu einer lebendigeren, toleranten und verantwortungsbewussten Gesellschaft beitragen. Deshalb unterstützt sie Projekte, die Menschen mit Behinderung von Anfang an einbinden und so die Idee von Inklusion verwirklichen – im Arbeitsleben, in der Bildung oder bei der Freizeitgestaltung. Informationen und Hintergründe zu den einzelnen Projekten liefert die Internetseite www.aktion-mensch.de. Nicht nur zur Weihnachtszeit

Die Aufgabe als Personaldienstleister begreift das Unternehmen Orizon ganz ähnlich: Menschen durch einen Beruf mehr gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. „Wir sind Vermittler zwischen Unternehmen, die offene Stellen zu besetzen haben und Menschen die auf der Suche nach ihrem Platz in der Arbeitswelt sind. Diesen stehen wir als aktiver Begleiter zur Seite und helfen auch, wenn es mal Probleme jenseits des Berufsalltags gibt“, sagt Dr. Dieter Traub, Geschäftsführer der Orizon GmbH.

Neben der Aktion Mensch leistet Orizon auch bei verschiedenen lokalen Projekten einen Förderbeitrag. So wurden mit Sachspenden wie nahezu 1.000 Sweatshirts für die Initiative „Weihnachten im Schuhkarton“ und weitere an die Hamburger Sternenbrücke praktische Hilfe geleistet.

Jedem Mitarbeiter ein Anliegen

In Augsburg, dem Sitz der Orizon Zentrale unterstützen die Mitarbeiter von Orizon zusammen mit Freunden und Geschäftspartnern außerdem jedes Jahr lokale Einrichtungen: „Dieses Jahr spielen unsere Kolleginnen und Kollegen Weihnachtsmann für die Kinder und Jugendlichen des Kinderheims Friedberg e.V. und das Evangelische Kinder- und Jugendhilfezentrum“, sagt Traub. Die Einrichtungen leiten die Wünsche der Kinder an Orizon weiter, die von den Mitarbeitern dann einfach erfüllt werden.

Orizon GmbH

Orizon bietet das umfassende Spektrum von Personaldienstleistungen an. Zum Serviceportfolio gehört Personalüberlassung und -vermittlung sowie komplexe Personalprojekte. Mit technischen, gewerblichen und kaufmännischen Fach- und Führungskräften werden alle Berufsfelder abgedeckt. Damit ist Orizon Marktführer für den deutschen Mittelstand.

Als Arbeitgeber von rund 10.000 Mitarbeitern an bundesweit 100 Niederlassung und einem Jahresumsatz von 293 Mio. Euro in 2011 zählt Orizon zu den zehn führenden Personaldienstleistern in Deutschland und den 111 größten Personaldienstleistern weltweit.

Neuer GEZ-Beitrag: Ungerechtigkeiten bestehen fort

Anlässlich der Änderungen im Rundfunkgebührenrecht erklärt SoVD-Präsident Adolf Bauer:
Zwar haben sich die Intendanten von ARD, ZDF und Deutschlandradio offenbar darauf verständigt, Bewohner von Pflegeheimen künftig doch nicht einzeln zur Kasse zu bitten. Doch die sozialen Härten bleiben nach wie vor bestehen. Hier ist nur in Teilen eine Ungerechtigkeit zurückgenommen worden, deren gesetzliche Korrektur noch zeitnah folgen muss. Für die Mehrheit der Menschen mit Behinderungen bedeutet der neue GEZ-Rundfunkbeitrag jedoch weiterhin eine deutliche Verschlechterung.

Bisher waren sie von den Gebühren befreit – als Ausgleich für ihre Behinderung. Jetzt soll der seit Jahren bewährte, behinderungsspezifische Nachteilsausgleich wegfallen. Der SoVD lehnt die Abschaffung des Nachteilsausgleiches zulasten behinderter Menschen ab und fordert, weiterhin alle behinderten Menschen vom Rundfunkbeitrag zu befreien.

Bessere zahnmedizinische Versorgung für Pflegebedürftige

Der GKV-Spitzenverband und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung haben sich am 17.12.2012 in Berlin auf zusätzliche Leistungen zur besseren zahnmedizinischen Betreuung von Versicherten in häuslicher und stationärer Pflege geeinigt. Ab 2013 wird es im Leistungskatalog der Krankenkassen eine neue Position für die aufsuchende Betreuung von Pflegebedürftigen, Menschen mit Behinderung und eingeschränkter Alltagskompetenz geben, die nicht mehr selbst in die Zahnarztpraxen kommen können. Auch das Wegegeld, das Zahnärzte für Haus- und Heimbesuche erhalten, wird angepasst. Mit der zügig und einvernehmlich getroffenen Regelung hat die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen einmal mehr ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt.

Beide Seiten zeigten sich mit dem Ergebnis der Verhandlungen im Bewertungsausschuss zufrieden. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg, erklärte: „Wir wollen und müssen uns in der gesetzlichen Krankenversicherung rechtzeitig auf die Herausforderungen des demografischen Wandels und die wachsende Zahl Pflegebedürftiger einstellen. Das gilt natürlich auch für den zahnärztlichen Sektor. Wo der Patient nicht mehr zum Zahnarzt kommen kann, muss der Zahnarzt zum Patienten kommen. Dafür haben wir jetzt eine solide Grundlage geschaffen. Wir hoffen, dass dieser Schritt dazu beiträgt, die zahnärztliche Betreuung von Pflegebedürftigen und Behinderten weiter zu verbessern.“

Der stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes der KZBV, Dr. Wolfgang Eßer, sagte: „Wir setzen uns seit Jahren für eine bessere Versorgung von Patienten ein, die aufgrund von Pflegebedürftigkeit oder Behinderung nicht in die Praxis kommen können. Wir sind froh, jetzt nach konstruktiven Gesprächen eine gute Einigung erzielt zu haben. Mit den vereinbarten Leistungen wird die vertragszahnärztliche Betreuung der betroffenen Patienten deutlich einfacher. Bisher war sie vor allem durch ehrenamtliches Engagement von Zahnärzten getragen. Jetzt gibt es für diese Patienten einen verbrieften Anspruch auf aufsuchende Betreuung. Damit haben wir eine wichtige Etappe in der Umsetzung unseres zahnärztlichen Versorgungskonzeptes für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung geschafft.“

Die neuen Leistungen sollen ab April 2013 zur Verfügung stehen. Grundlage für die Verbesserungen ist eine Änderung im fünften Sozialgesetzbuch, die der Gesetzgeber im Rahmen des GKV-Versorgungsstrukturgesetzes beschlossen hatte. Der Bewertungsausschuss Zahnärzte und Krankenkassen ist für die genaue Beschreibung neuer Leistungen und ihre Honorierung zuständig.

Mehr Barrierefreiheit in deutschen Kinos

Die Aktion Mensch setzt sich für mehr Barrierefreiheit in deutschen Kinos ein. Daher begrüßt die Sozialorganisation die Veränderung des Deutschen Filmförderfonds (DFFF). Ab dem 1. Januar 2013 müssen demnach Produzenten von DFFF-geförderten Filmen mindestens eine Endfassung des Films mit Audiodeskription (Hörbeschreibung) und deutschem Untertitel vorlegen, um die gesamte staatliche Fördersumme zu erhalten. „Die technischen Voraussetzungen für die Produktion barrierefreier Filme sind seit Langem vorhanden“, sagt Aktion Mensch-Vorstand Martin Georgi. „Durch die neuen Auflagen im Filmförderfonds werden Produzenten erkennen, dass die Erstellung barrierefreier Fassungen mit geringem finanziellen Aufwand möglich ist“, sagt Georgi.

Damit Menschen mit und ohne Behinderung in Zukunft selbstverständlich gemeinsam Kino erleben können, fordert die Aktion Mensch jedoch noch weitere Schritte. „Nur barrierefreie Fassungen abzuliefern reicht nicht aus. Letztlich müssen auch Kopien der Filme in den Kinos vorgeführt werden“, so Georgi. Die Aktion Mensch fordert zudem die Kinobetreiber auf, Kinosäle vermehrt barrierefrei zu gestalten.

Wie Inklusion im Kino gelingen kann, zeigt die Förderorganisation mit ihrem barrierefreien Filmfestival „überall dabei“, welches bis Mai 2013 unter der Schirmherrschaft von Guildo Horn durch 40 deutsche Städte tourt: Alle gezeigten Dokumentar- und Spielfilme sind mit Untertiteln versehen und es werden Audiodeskriptionen zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus sind alle Spielstätten rollstuhlgeeignet und uneingeschränkt zugänglich.

Über den Deutschen Filmförderfonds

Der Deutsche Filmförderfonds ist eine Filmförderung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, in dessen Rahmen jährlich 60 Millionen Euro für die Produktion von Kinofilmen in Deutschland zur Verfügung gestellt werden. Auf Antrag werden jedem Produzenten bis zu 20 Prozent der in Deutschland ausgegebenen Produktionskosten erstattet. Der Filmförderfonds trat 2007 in Kraft und wird am 1. Januar 2013 zum zweiten Mal für weitere drei Jahre verlängert. Die Neujustierung der DFFF-Richtlinie beinhaltet unter anderem die Verpflichtung, barrierefreie Fassungen des geförderten Films zu erstellen.

Über das Filmfestival

Das Aktion Mensch Filmfestival „überall dabei“ macht vom 20. September 2012 bis 8. Mai 2013 in 40 deutschen Städten Station. Das Filmfestival findet bereits zum fünften Mal statt und ist durch seine umfassende barrierefreie Organisation einzigartig in Europa: Neben der barrierefreien Gestaltung der Filme werden auch anschließende Publikumsdiskussionen von Gebärdensprach- und Schriftdolmetschern begleitet. Zentrales Thema von „überall dabei“ ist Inklusion, also das selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung. Weitere Informationen zum Aktion Mensch Filmfestival erhalten Sie unter www.aktion-mensch.de/filmfestival.

Conterganopfer bei Großer Kammer des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte

Die Große Kammer des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte entscheidet nun über die Menschenrechtsbeschwerde von Conterganopfern des Contergannetzwerkes Deutschland e.V.

Die 5. Sektion des Gerichtshofes hat das Verfahren zur Entscheidung angenommen. Gegen das Urteil der 8 Richter vom 6. November 2012, dass die Conterganopfer durch den deutschen Staat mehr Leistungen bekommen hätten als sie gegen die Schädigungsfirma hätten einklagen können, wenden sich nun die Beschwerdeführer bei der Großen Kammer. So führt der Vorsitzende des Vereins, Christian Stürmer aus, dass der deutsche Staat mit einem Bundesgesetz sämtliche Ansprüche gegen die Schädigungsfirma Grünenthal, ihre Eigentümer und Angestellten zum Erlöschen gebracht hat und den hieraus folgenden Haftungspflichten, trotz auch eigener Schuld, nicht ordnungsgemäß nachgekommen ist. Gem. Art. 43. der Europäischen Menschenrechtskonvention wird nun die Große Kammer entscheiden.

Allerdings, so betont Stürmer, sei dies gegenwärtig nur von formaler Natur. Aufgrund vielfältiger Gespräche mit hochrangigen Politikern sei die Problemlage im Herzen der Politik angekommen. „Wir sind in die Überlegungen eingebunden und zuversichtlich, dass es in kurzer Zeit zu einer menschlich adäquaten Versorgung der Conterganopfer in Deutschland kommen wird. In diesem Moment werden wir sofort sämtliche Verfahren als erledigt erklären!“

Contergan war und ist der größte Arzneimittelskandal der Bundesrepublik Deutschland. 10.000 Opfer wurden entweder tot oder mit schwersten Schädigungen geboren. Die monatlichen Renten betrugen bis zum 01.07.2008 je nach Schädigungsgrad monatlich höchstens 545 Euro. Nach dem Fernsehfilm „Eine einzige Tablette“ wurden die Renten nunmehr auf 1152 Euro, im Höchstsatz, also im Schädigungsgrad für Personen ohne Arme und/oder ohne Beine erhöht. Damit ist kein selbstbestimmtes leben möglich, so Stürmer.

Alleine die Pflegekosten für eine Person, die weder Arme, noch Beine hat, betragen rd. 12.000 Euro im Monat.

Nähere Informationen auf Contergannetzwerk.de

Große Chancen durch die Digitalisierung

Dr. Ursula von der Leyen hat bei der ZEIT KONFERENZ „Digitale Revolution – Zukunft der Arbeit“ die großen Chancen durch die Digitalisierung betont. So seien zum Beispiel die Eintrittsbarrieren deutlich geringer als in der traditionellen Arbeitswelt: „Alter, Hautfarbe, Behinderung oder Geschlecht treten nirgends stärker in den Hintergrund als in der digitalen Welt“, sagte die Bundesministerin für Arbeit und Soziales bei der Veranstaltung der Wochenzeitung in Berlin. Wer etwas könne und ehrgeizig sei, könne es in dieser Welt auch zu etwas bringen.

Die Unternehmen seien allerdings gefordert, ständig über neue Formen der Partizipation ihrer Mitarbeiter nachzudenken. Ursula von der Leyen warnte Unternehmen davor, in der zunehmenden Digitalisierung nur Einsparmöglichkeiten zu sehen. Diese Unternehmen würden zu den Verlierern der Entwicklung zählen. Die Digitalisierung setze ein völlig neues Verständnis von Führung voraus. Unternehmen müssten Rahmenbedingungen setzen, damit Menschen und Organisationen sich den rasanten Veränderungen anpassen könnten und neue Partizipationsmöglichkeiten bieten. Die Beschäftigten müssten das „warum“ von Entscheidungen verstehen. Unternehmen müssten dem Einzelnen vermitteln können, dass es auf ihn ankommt, und Mitarbeitern, die sich vielleicht nie persönlich begegneten, obgleich sie zusammenarbeiten, ein „Wir-Gefühl“ vermitteln. „In der Cloud gibt es keine Kantine oder Kaffeeküche“, sagte von der Leyen.

René Schuster, CEO Telefónica Deutschland AG, sagte in seiner Keynote: „Die Zukunft der Arbeit ist digital und mobil: Künftig werden wir arbeiten, wann und wo wir wollen. Unternehmen und Mitarbeiter profitieren von den mobilen Technologien, wie unsere Studie zeigt. Die Arbeitsabläufe und Kommunikationswege werden dadurch schneller, effizienter und flexibler. So sparen die Unternehmen damit Geld und für die Mitarbeiter bedeutet dies, dass sie freier und flexibler arbeiten können.

Weitere Referenten der Konferenz sind: Anke Domscheit-Berg (Gründerin und Inhaberin, fempower.me und opengov.me), Wolfgang Grupp (Alleiniger Geschäftsführer und Inhaber, Trigema), Henning Kagermann (Präsident, acatech), Thomas Vollmoeller (Vorstandsvorsitzender, XING), Volker Smid (Vorsitzender der Geschäftsführung, Hewlett-Packard) und Thomas Schröder (Geschäftsführer, Microsoft Deutschland).

Eine ZEIT KONFERENZ in Zusammenarbeit mit Telefónica Deutschland sowie mit Unterstützung von Microsoft.

Herausforderung Inklusion

Ohne die Eltern geht es nicht: Wenn Schulbehörden und Schulleitungen die Inklusion – den gemeinsamen Unterricht behinderter und nicht behinderter Kinder – voranbringen wollen, müssten sie immer wieder den Dialog mit den Eltern suchen und sich dabei auch kritischen Diskussionen stellen. Das schreiben die Bildungsforscher Prof. Dr. Marianne Horstkemper und Prof. Dr. Klaus-Jürgen Tillmann in der Novemberausgabe der Fachzeitschrift „Die Deutsche Schule“ (Heft 4/12). Die renommierten Wissenschaftler haben die Ergebnisse der Anfang September vorgestellten 2. JAKO-O Bildungsstudie nochmals analysiert. Ihr Fazit: Eine vorbereitende Elternarbeit „vor Ort“ ist erforderlich, um Verständnis für die anstehenden Veränderungen zu erreichen. Mit schmalen Budgets lässt sich das Ziel den Autoren zufolge aber nicht erreichen: „Die Schulbehörde muss Formen der inklusiven Beschulung auch so gut ausstatten, dass die Förderqualität allen Beteiligten ins Auge fällt.“

Bei vielen Eltern stehe die Sorge um die Leistungen der eigenen Kinder im Mittelpunkt. Wenn es nicht gelingt, die Befürchtung auszuräumen, das fachliche Lernen der Kinder werde durch den gemeinsamen Unterricht gebremst, wird die Unterstützung der Eltern nach Ansicht der Bildungsforscher nur schwer zu erreichen sein. Insgesamt deuteten die Ergebnisse der Datenanalyse darauf hin, dass der Weg zur inklusiven Schule innerhalb der Elternschaft zwar breite Unterstützung findet, aber auch kein „Selbstläufer“ ist. Denn der gemeinsamen Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderungen stimmen Eltern laut der 2. JAKO-O Bildungsstudie nicht vorbehaltlos zu. Wenn es um körperlich beeinträchtigte Kinder und Kinder mit Lernschwierigkeiten geht, findet der gemeinsame Unterricht große Unterstützung: 89 % bzw. 72 % der Eltern sprechen sich dafür aus. Die unterrichtliche Integration von Kindern mit geistigen Behinderungen und solchen mit Verhaltensauffälligkeiten wird dagegen nur von knapp der Hälfte (jeweils 46 %) unterstützt.

UN-Konvention verlangt gemeinsamen Unterricht in Deutschland

Am 26. März 2009 trat in der Bundesrepublik die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Kraft. Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung – offizielle Bezeichnung: mit sonderpädagogischem Förderbedarf – haben nun einen Rechtsanspruch, gemeinsam mit Kindern ohne einen solchen Förderbedarf unterrichtet zu werden. Der UN-Konvention zufolge muss das deutsche Schulsystem langfristig ohne Sonderschulen auskommen. (Fast) jede Schule wird in Zukunft eine „inklusive“ Schule sein. Bis dahin ist noch viel zu tun: Nicht einmal jedes vierte behinderte Kind in Deutschland besucht gegenwärtig eine reguläre Schule. Spitzenreiter ist Schleswig-Holstein, wo die Hälfte aller lern- oder körperbehinderten Schüler zur Regelschule geht. In Berlin und Bremen liegt der Inklusionsanteil bei mehr als 40%, in Niedersachsen, das hier Schlusslicht ist, bei 8,5%.

Weitere Informationen

Studiensteckbrief: Für die repräsentative Studie befragte das Sozialforschungsinstitut TNS Emnid im Auftrag von JAKO-O 3.000 Eltern mit schulpflichtigen Kindern im Alter bis zu 16 Jahren. Befragt wurden Eltern aus dem gesamten Bundesgebiet. Die Interviews erfolgten per Telefon im Januar 2012.

Zum Nachlesen: Fachbuch und Magazin zur 2. JAKO-O Bildungsstudie Was steckt hinter den Zahlen der 2. JAKO-O Bildungsstudie? Was sind die bildungspolitischen Konsequenzen? Das Fachbuch und das daraus abgeleitete Magazin bieten allen, die bei den Themen Schule und Bildungspolitik mitreden wollen, wertvolle Informationen und Argumente.

– Dagmar Killus, Klaus-Jürgen Tillmann (Hrsg.), „Eltern ziehen
Bilanz – Ein Trendbericht zu Schule und Bildungspolitik in
Deutschland“, 240 Seiten, Waxmann Verlag, Münster, ISBN:
978-3-8309-2755-6, Preis: 24,90 EUR (erhältlich über
www.jako-o.de (Art.-Nr. 641-617), www.waxmann.com und im
Buchhandel)

– „2. JAKO-O Bildungsstudie – Eltern beurteilen Schule in
Deutschland. Das Magazin zur Studie“, 72 Seiten, JAKO-O, Bad
Rodach, ISBN: 978-3-939776-14-7, Preis: 2,00 EUR (erhältlich
über www.jako-o.de (Art.-Nr. 641-618))

WDR baut TV-Angebote für hör- und sehgeschädigte Menschen weiter aus

Der Westdeutsche Rundfunk baut seine TV-Angebote für hör- und sehgeschädigte Menschen weiter aus. So wird ab dem 2. Januar auch das in Köln produzierte Morgenmagazin im Ersten mit Untertiteln ausgestrahlt werden. Damit untertitelt der WDR alle seine Sendungen im Ersten. Im WDR Fernsehen werden bereits 60 Prozent des Programms untertitelt ausgestrahlt, im Abendprogramm ab 18 Uhr sind es sogar mehr als 90 Prozent.

Intendantin Monika Piel: „Wir wollen Menschen mit Hör- und Sehbehinderungen den Zugang zu unseren Sendungen und Programmen weiter erleichtern. Der WDR wird deshalb sein umfangreiches barrierefreies Angebot ab dem kommenden Jahr noch deutlich ausbauen. Für einen großen Teil der Sendungen werden die Untertitel auch in der WDR- bzw. der ARD-Mediathek bereitgestellt.“

Das Angebot an sogenannten Hörfilmen wird der WDR in 2013 ebenfalls verbessern. Künftig werden alle WDR-Fernsehfilme im Abendprogramm des Ersten mit einer gesprochenen Handlungs¬beschreibung (Audiodeskription) versehen. Hinzu kommen die Tier- und Naturdokumentationen am Montagabend. Im WDR Fernsehen wird die Anzahl der Hörfilmneuproduktionen ebenfalls deutlich gesteigert. Nachdem bereits seit 2010 regelmäßig Natur- und Tierfilme mit Audiodeskription versehen werden, sollen in 2013 verstärkt zeitgeschichtliche Dokumentationen als Hörfilme angeboten werden. Geplant sind vor allem Dokumentationen aus und über Nordrhein-Westfalen. Insgesamt plant der WDR, sein Angebot an Hörfilmen zu verdoppeln.

Auch das Hörfilmangebot des WDR wird weitgehend in der WDR Mediathek abrufbar sein.

Aktion Mensch zeigt Defizite bei Umsetzung von Inklusion auf

Aktion Mensch fordert Durchsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention / Lesung und Gespräch mit Philippe Pozzo di Borgo über Wege in eine inklusive Gesellschaft.

Noch immer kämpfen Menschen mit Behinderung mit Vorurteilen und Barrieren im täglichen Leben. Anlässlich des Internationalen Tags der Menschen mit Behinderung macht die Aktion Mensch auf Defizite im gesellschaftlichen Miteinander aufmerksam. So werden die Rechte von Menschen mit Behinderung in der UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) zwar festgehalten, die Realität sieht jedoch anders aus: Zum Beispiel besucht nur jedes vierte Kind mit besonderem Förderbedarf eine Regelschule. Die Zahl der Arbeitslosen ist unter Menschen mit Behinderung seit 2009 um 5,6 Prozent gestiegen, in der Gesamtbevölkerung hingegen um 14,9 Prozent gesunken. Und in einer Befragung der Aktion Mensch in Sachen Barrierefreiheit (April 2012) wiesen 80 Prozent der Befragten auf Defizite in ihrer Stadt hin.

Inklusion fördern und fordern

„Menschen mit Behinderung sind in vielen Bereichen immer noch nicht selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft. Ob im Bildungsystem oder auf dem Arbeitsmarkt, Sonderwelten und Barrieren schließen Menschen mit Behinderung von der gesellschaftlichen Teilhabe aus“, erklärt Aktion Mensch-Vorstand Martin Georgi. „Unser Engagement und die Auseinandersetzung mit dem Thema Inklusion beschränkt sich nicht nur auf den heutigen Tag: Inklusion muss jeden Tag gelebt werden.“ Die Aktion Mensch setzt sich für Inklusion, die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung an allen gesellschaftlichen Prozessen, ein. Zur Verwirklichung einer inklusiven Gesellschaft trägt sie seit fast 50 Jahren durch die Förderung von Projekten und Aufklärungskampagnen bei. Seit ihrer Gründung hat sie Projekte und gemeinnützige Vorhaben mit mehr als drei Milliarden Euro unterstützt.

Lesung und Gespräch mit Philippe Pozzo di Borgo und Abdel Sellou

Anlässlich des Internationalen Tags der Menschen mit Behinderung veranstalten Hanser Berlin und die Aktion Mensch einen inklusiven Lese- und Gesprächsabend mit Philippe Pozzo di Borgo und seinem ehemaligen Pfleger Abdel Sellou. Ihre Geschichte bildete die Vorlage für den weltweiten Kinoerfolg „Ziemlich beste Freunde“. Erstmals treten die beiden Autoren gemeinsam live in Deutschland auf und diskutieren am Abend des 3. Dezembers zusammen mit ZDF-Moderatorin und Dressurreiterin Bettina Eistel und dem blinden Bergsteiger Andy Holzer in der Berliner Columbiahalle über gesellschaftliche Barrieren und zwischenmenschliche Begegnungen. Durch den Abend führt ZDF-Moderatorin Barbara Hahlweg.

Über den Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung

1993 wurde der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung von den Vereinten Nationen zum ersten Mal ausgerufen. Weltweit machen Menschen in zahlreichen Aktionen und Veranstaltung an diesem Tag auf die Rechte von Menschen mit Behinderung sowie auf ihre Situation in der Gesellschaft aufmerksam. Jedes Jahr findet der Aktionstag unter einem anderen Motto statt: Im Jahr 2012 rufen die Vereinten Nationen dazu auf Barrieren abzubauen, um eine offene und inklusive Gesellschaft für alle zu ermöglichen.