Arbeitslosigkeit behinderter Menschen nicht länger unterschätzen

Zehn-Punkte-Plan für faire Chancen am Arbeitsmarkt vorgelegt

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) warnt vor deutlich steigender Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen. „Menschen mit Behinderungen gehören am Arbeitsmarkt schon jetzt klar zu den Verlierern. Wir wollen, dass Schluss ist mit der Schönfärberei, denn die Situation ist kritisch. Das Problem wurde zu lange unterschätzt und nimmt inzwischen ein dramatisches Ausmaß an.“ Das erklärte SoVD-Präsident Adolf Bauer am Donnerstag in Berlin. „Schwerbehinderte Menschen liegen mit 14,8 Prozent weit über der allgemeinen Arbeitslosenquote von 7,7 Prozent. Insbesondere für ältere Menschen mit Behinderungen sei der Arbeitsmarkt verschlossen“, so Bauer. Der SoVD weist darauf hin, dass nur 6,3 Prozent der schwerbehinderten Arbeitslosen über 60 Jahren 2011 eine Beschäftigung aufnahm. „Schwerbehinderung kann jeden treffen. Dies wird allzu oft vergessen und verdrängt“, erklärte Bauer. Aus Sicht des SoVD ist eine dramatische Zuspitzung der Lage absehbar, sobald sich die Konjunktur eintrübt. Unabhängig davon sei langfristig ein erheblicher Anstieg der Zahl schwerbehinderter Arbeitsloser zu erwarten. „Es besteht enormer Handlungsbedarf, um tiefgreifende soziale Folgen für die betroffenen Menschen abzuwenden“, betonte Verbandspräsident Bauer.

Mit einem Zehn-Punkte-Plan zeigt der SoVD Lösungswege auf. Die Vorschläge richten sich an Politik und Unternehmen. Neben einer Informationskampagne sollen bessere gesetzliche Rahmenbedingungen sowie mehr qualifizierte Beratung und Vermittlung helfen.

Die Broschüre „Für umfassende Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben“ steht unter www.sovd.de zum Download bereit.

Menschenrechtsbasierte Forschung zur Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen

Die Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention hat die Bundesregierung aufgefordert, die Lebenslagen von Menschen mit Behinderungen verstärkt zu erforschen. „Eine gute Behindertenpolitik braucht spezifisches Wissen darüber, ob und wie behinderte Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen ihre Menschenrechte wahrnehmen können“, erklärte Valentin Aichele, Leiter der Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention, anlässlich der Veröffentlichung des Policy Paper „Menschenrechtsbasierte Datenerhebung – Schlüssel für gute Behindertenpolitik“.

Die vorliegenden Datensammlungen über die Lebenslagen behinderter Menschen in Deutschland seien bisher nicht menschenrechtsbasiert. Es sei aber notwendig zu wissen, wie staatliche Maßnahmen, beispielsweise Gesetze, Programme und Entscheidungen, die Lebenssituation behinderter Menschen beeinflussen und ob sie die unterschiedlichen Lebenslagen angemessen und differenzierend berücksichtigen, so Aichele. „Artikel 31 der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet Deutschland dazu, geeignete Informationen einschließlich Daten und Statistiken über die Lebenslagen behinderter Menschen zu sammeln und auf dieser Basis politische Maßnahmen zu entwickeln“.

„Bisherige Datenerhebungen orientieren sich meist an den Defiziten behinderter Menschen und nicht an ihren menschenrechtlichen Ansprüchen und den ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen“, sagte Marianne Hirschberg, die Autorin des Papiers. Die bisher genutzten statistischen Instrumente seien entweder auf einen speziellen Lebensbereich wie die Gesundheit behinderter Menschen oder allgemein auf die gesamte Bevölkerung ausgerichtet und damit nicht aussagekräftig für die Kategorie Behinderung beziehungsweise für die Lebenssituation behinderter Menschen. „Beispielsweise enthält der Mikrozensus nur eine Aussage über das Vorliegen oder Fehlen einer Behinderung, jedoch keine weiteren spezifizierten Aussagen, die über die Geschlechtszugehörigkeit oder Alter hinausgehen“, so Hirschberg.

Die Bundesregierung solle neben einem „Disability Survey“, wie er in Großbritannien durchgeführt werde, qualitative Spezialstudien in Auftrag geben zu den Lebenslagen von Gruppen, deren Rechtsausübung besonders gefährdet sei. Hierzu gehörten beispielsweise Menschen mit mehrfachen Behinderungen oder Menschen, die beispielsweise in geschlossenen Einrichtungen wohnen oder arbeiten oder auch in Gefängnissen sind. Die Bundesregierung solle zudem die Prüfung und Fortentwicklung von menschenrechtsbasierten Indikatoren fördern und vom Staat unabhängige Strukturen für den erforderlichen Arbeits- und Überprüfungsprozess schaffen, so die Menschenrechtsexpertin.

Die Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention, eingerichtet im unabhängigen Deutschen Institut für Menschenrechte in Berlin, hat gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention den Auftrag, die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Sinne der Konvention zu fördern und zu schützen sowie die Umsetzung der Konvention in Deutschland zu überwachen.

Sind Brandkatastrophen wie die in Titisee-Neustadt vermeidbar?

Fachleute wissen seit langem: Im Brandfall ist nicht die Hitze, sondern der sich sehr schnell in enormen Mengen bildende und ausbreitende Rauch das größte Problem. Er verhindert binnen weniger Minuten, dass sich Menschen in brennenden Gebäuden orientieren können. Auch das Atmen ist dann oft nicht mehr möglich. 80 Prozent der Brandtoten ersticken an den Rauchgasen. Sowohl für die noch fluchtfähigen (Selbstrettung) und nicht mehr fluchtfähigen Menschen (Fremdrettung) als auch für die angreifende Feuerwehr hat das Rauchpotenzial höchste Priorität.

Tödliche Gefahr durch Brandrauch

Dipl.-Ing. Frieder Kircher, leitender Branddirektor bei der Berliner Feuerwehr, berichtet, dass es im Brandfall Aufgabe der Feuerwehr sei, Personen und Tiere im Brandobjekt zu retten, eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern und den Brand zu löschen. Allerdings werden die Rettungsmaßnahmen und der Löschangriff durch Hitze und besonders Rauch, wie sie bei Schadenfeuer in Gebäuden unweigerlich entstehen, stark behindert. Deshalb müssen Hitze und Rauch durch Maßnahmen des vorbeugenden Brandschutzes aus dem Gebäude entfernt werden. Dazu zählen an wichtiger Stelle Wärmeabzüge und Rauchabzugsanlagen. Einen voll verrauchten Raum kann die Feuerwehr noch mit Feuerwehrausrüstung und Atemschutz betreten, doch darin befindliche Personen sind wegen der schlechten Sicht meist nicht mehr oder nur noch zu spät auffindbar. Sie können nicht frühzeitig gerettet werden und der Brand entwickelt sich heftiger, als das bei rechtzeitigem Orten und Bekämpfen der Fall gewesen wäre. Bei fehlender oder nicht ausreichender Entrauchung besteht zudem die Gefahr, dass es zu einer Verbrennung unter Sauerstoffmangel kommt. Bei anschließender Sauerstoffzufuhr – beispielsweise durch das Öffnen von Türen oder Bersten von Fenstern – können noch brennbare Gase durchzünden. Dieser sogenannte Backdraft gefährdet auch das Leben der Löschmannschaften erheblich.

Hohes Risiko durch falsche Prioritäten

Der Baugesetzgeber sieht in dieser Thematik seit einigen Jahren leider keine Priorität mehr. In den Bau- und Sonderbauverordnungen wird zunehmend unterstellt, dass die Feuerwehr nicht mehr für die Selbst- und Fremdrettung zuständig ist, weil die Menschen sich wohl rechtzeitig selbst in Sicherheit gebracht hätten. Nur für die Brandbekämpfung soll die Feuerwehr noch ein wenig mit einer Rauchabführung unterstützt werden – im Vergleich zur Vergangenheit allerdings in einem sehr reduzierten Umfang. Dass diese dann weder für die Selbst- noch für die Fremdrettung ausreicht, musste leider auch bei dem verheerenden Brand einer Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt am vergangenen Montag festgestellt werden.

Was die Betreiber und Nutzer eines Gebäudes meist nicht wissen: Auch wenn ein Industriegebäude nach den aktuellen Sonderbauverordnungen errichtet wurde, darf eigentlich nicht mehr auf die Unterstützung der Feuerwehr für die Selbst- und Fremdrettung gesetzt werden – obwohl die Feuerwehr dies nach ihrem eigenen Selbstverständnis natürlich versucht. In Titisee-Neustadt konnte die Feuerwehr noch zahlreiche Personen aus dem verrauchten Gebäude retten. Eine sehr beachtliche Leistung bei hohem eigenem Risiko!

Vergleichbare Katastrophen könnten zunehmen

Ein so schreckliches Ereignis, wie es in Titisee-Neustadt geschehen ist, war zu erwarten. „Solche Fälle werden vermutlich sogar noch zunehmen“, erklärt Dipl.-Ing. Thomas Hegger, Geschäftsführer des FVLR Fachverband Tageslicht und Rauchschutz e. V. „Denn die neuesten Planungen zur Überarbeitung der Sonderbauverordnungen wollen die früher in großen Räumen im Brandfall meist verlangte einzuhaltende raucharme Schicht von 2,5 m oberhalb des Fußbodens ersatzlos abschaffen.“

Prof. Reinhard Ries, leitender Branddirektor der Frankfurter Berufsfeuerwehr, trug noch im September 2012 auf den Braunschweiger Brandschutztagen vor, dass die Feuerwehr im Regelfall diese raucharme Schicht von 2,5 m unbedingt benötige, um eine erfolgreiche und schnelle Fremdrettung sowie einen gezielten Löschangriff durchführen zu können. Dipl.-Phys. Georg Spangardt, Branddirektor der Berufsfeuerwehr Köln, berichtet, dass durch die Verrauchung im Gebäude in erster Linie die Rettungswege mit Rauch gefüllt werden. Wenn der erste Rettungsweg, beispielsweise die notwendige Treppe, verraucht ist, können ihn die im Gebäude befindlichen Personen nicht mehr benutzen und sind auf eine Fremdrettung durch die anrückende Feuerwehr angewiesen. In einem verrauchten Raum verliert man sehr schnell die Orientierung, auch wenn man sich normalerweise in dem Raum sehr gut auskennt. Hinzu kommt die große Gefahr des schnellen Erstickungstods aufgrund der toxischen Brandgase. Somit ist jede Behinderung der Rettung durch sich ausbreitenden Rauch im wahrsten Sinne des Wortes lebensgefährlich.

Qualitativer Rauchschutz muss nicht teuer sein

Dass eine gezielte Rauchabführung durchaus bezahlbar ist, erläutert Dipl.-Ing. Michael Kowalski, Geschäftsführer der Essmann GmbH, einem der führenden deutschen Hersteller von natürlichen Rauchabzugsanlagen (NRA). Rechnet man alle dafür entstehenden Kosten allein der Rauchabzugsanlage zu, müsste mit etwa 10 bis 15 Euro pro m² Raumgrundfläche gerechnet werden. Werden die NRA in entsprechend geeignete Dachoberlichter integriert, die zur Ausleuchtung der Innenräume mit kostenlosem Tageslicht und zur Reduzierung des Stromverbrauchs eingesetzt werden, sind die nur für die NRA-Funktion anfallenden Mehrkosten mit lediglich etwa 2,50 Euro pro m² Raumgrundfläche anzusetzen. Allein die Kosten für den Anstrich eines Betonfußbodens lägen meist höher.

Weitere Informationen sind abrufbar unter www.fvlr.de.

Kein Patent auf Zellen für deren Gewinnung menschliche Embryonen zerstört werden

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat heute entschieden, dass Zellen, für deren Gewinnung menschliche Embryonen zerstört werden, nicht patentiert werden dürfen. Hintergrund der Verhandlung am BGH ist ein Patentstreit zwischen Greenpeace und dem Stammzellenforscher Oliver Brüstle. Es kommentiert Christoph Then, Patent-Berater von Greenpeace:

„Die Entscheidung des BGH stärkt die ethischen Grenzen im Patentrecht. Es ist zu erwarten, dass in Zukunft stärker in ethisch unbedenkliche Verfahren investiert wird, um Stammzellen zu gewinnen. Patienten, Ärzte und Stammzellforscher sollten gleichermaßen daran interessiert sein, dass die notwendigen ethischen Grenzen im Patentrecht gewahrt bleiben.
Mit dem Urteil sind allerdings nicht alle rechtlichen Fragen endgültig geklärt. Erst die künftige Rechtsprechung wird zeigen, welche Auswirkungen das Urteil genau hat.“

Anmerkungen:

– Das Patent (DE 19756864) erteilte das deutsche Patentamt im Jahr 1999. Es umfasst die Herstellung und Nutzung menschlicher embryonaler Stammzellen. Laut Patentschrift sollen Stammzellen auch durch das Klonen von Embryonen gewonnen werden, um Nervenzellen herzustellen.

– Greenpeace klagte im Jahr 2004 gegen das Patent vor dem Bundespatentgericht, um die ethischen Grenzen im Patentrecht gerichtlich überprüfen zu lassen. Dabei ging es Greenpeace nicht darum, gegen die Stammzellforschung vorzugehen. Vielmehr sollen die ethischen Grenzen im Patentrecht geklärt werden, um so den Anreiz zur Kommerzialisierung menschlicher Embryonen zu verhindern. Schon im Oktober 2011 gab der EuGH in einem Grundsatzurteil den ethischen Bedenken von Greenpeace weitgehend Recht.

Wir brauchen ein Bundesleistungsgesetz für Menschen mit Behinderung außerhalb der Fürsorge!

Am 28./29. November 2012 wird sich die Arbeits- und Sozialministerkonferenz der Bundesländer mit der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung befassen. Seit Jahren versuchen die Länder zusammen mit dem Bund, die gesetzlichen Grundlagen für die Leistungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung neu zu regeln. Bei den Verhandlungen zum Fiskalvertrag im Sommer dieses Jahres einigten sich Bund und Länder, Regelungen der Eingliederungshilfe durch ein Bundesleistungsgesetz abzulösen.

Am 22. Oktober stellte die zuständige Arbeitsgruppe des Bundes und der Länder ihre Ergebnisse zur Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe in Hannover vor. Der Bundesbehindertenbeauftragte Hubert Hüppe sowie die Landesbehindertenbeauftragten aus Hamburg, Ingrid Körner, Niedersachsen, Karl Finke und Nordrhein-Westfalen, Norbert Killewald, nahmen an dem Gespräch teil und fordern im Hinblick auf die bevorstehende Sitzung der Arbeits- und Sozialministerkonferenz Korrekturen. „Die am 22. Oktober vorgestellten Ergebnisse erreichen bei weitem nicht die von Bund und Ländern selbst gesteckten Ziele. Insbesondere ist nicht nachvollziehbar, wie die von Bund und Ländern angestrebte Personenzentrierung verwirklicht werden soll. Es zeichnet sich etwa ab, dass die Hürden für alternative Leistungsanbieter zu Werkstätten für behinderte Menschen viel zu hoch sein werden. Wer gehofft hatte, Unterstützungen zukünftig flexibel einsetzen zu können, muss von den nun vorliegenden Ergebnissen bitter enttäuscht sein“, so die Beauftragten.

Die vorliegenden Ergebnisse der Bund-Länder-Arbeitsgruppe bauen auf einem Verbleib der Eingliederungshilfe im Sozialhilferecht (SGB XII) auf. Die Behindertenbeauftragten fordern im Hinblick auf die weiteren Beratungen zwischen Ländern und Bund: „Wir brauchen für die Menschen ein Recht, welches den Betroffenen nicht in die Sozialhilfe drängt, sondern welches den Grundgedanken der Gleichberechtigung und Inklusion trägt. Das verlangt die UN-Behindertenrechtskonvention. Die Eingliederungshilfe muss deshalb in das Recht der Teilhabe und Rehabilitation im Sozialgesetzbuch IX überführt und einkommens- und vermögensunabhängig ausgestaltet werden. Die einmalige Gelegenheit, des von Bund und Ländern angestrebten Bundesleistungsgesetzes muss hierfür genutzt werden“, betonten die Beauftragten.

Bei der gesetzlichen Neuregelung müsse außerdem endlich der Durchbruch hin zu Beratung und Leistungen für Menschen mit Behinderung aus einer Hand stattfinden. Das Hin- und Herschieben von Menschen mit Behinderungen zwischen Kostenträgern aus dem Gesundheitsbereich, der Sozialhilfe, der Pflege und aus anderen einschlägigen Bereichen müsse endlich ein Ende haben, so die Beauftragten.

Das gerichtliche Teil-Aus für Zwangsbehandlungen in der Psychiatrie verlangt neue Regeln

Ein Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) untersagt die Zwangsbehandlung psychisch Kranker, sofern sie vom gesetzlichen Betreuer, der in der Regel kein Arzt ist, veranlasst wurde. Im Prinzip sei dies zu begrüßen, weil es deutlich mache, dass die Maßnahme eine einschneidende und traumatisierende Erfahrung für die Patienten ist, sagt der Freiburger Medizinethiker Professor Giovanni Maio in der „Apotheken-Umschau“. Daraus dürfe aber keine „verkappte Form der Gleichgültigkeit“ werden. „Ärzte brauchen ein Gesetz, das genau festlegt, unter welchen besonderen Umständen eine Zwangsbehandlung doch möglich ist“, verlangt Maio.

Sozial­hilfe­aus­gaben in 2011 um 4,5 % ge­stie­gen

Im Jahr 2011 wurden in Deutschland 22,7 Milliarden Euro netto für Sozialhilfeleistungen nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch (SGB XII „Sozialhilfe“) ausgegeben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) entsprach dies einer Steigerung um 4,5 % gegenüber 2010.

Pro Kopf wurden in Deutschland 2011 für die Sozialhilfe rechnerisch 278 Euro netto aufgewendet. Im früheren Bundesgebiet (ohne Berlin) waren die Pro-Kopf-Ausgaben mit 288 Euro deutlich höher als in den neuen Ländern (einschließlich Berlin) mit 238 Euro. Die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben hatten im Jahr 2011 die drei Stadtstaaten: In Bremen lagen sie bei 462 Euro, in Hamburg bei 437 Euro und in Berlin bei 418 Euro. Von den westdeutschen Flächenländern gab Baden-Württemberg mit 204 Euro je Einwohner am wenigsten für Sozialhilfe aus, Nordrhein-Westfalen mit 327 Euro am meisten. In den ostdeutschen Flächenländern waren die Pro-Kopf-Ausgaben in Sachsen mit 143 Euro am niedrigsten und in Mecklenburg-Vorpommern mit 233 Euro am höchsten.

Im Jahr 2011 entfiel mit 57 % der überwiegende Teil der Nettoausgaben für Sozialhilfe auf die Eingliederungshilfe für behinderte Menschen (im 6. Kapitel des SGB XII geregelt). 19 % der Ausgaben wurden für die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (gemäß 4. Kapitel des SGB XII) aufgewendet, 14 % für die Hilfe zur Pflege (nach dem 7. Kapitel SGB XII) und 5 % für die Hilfe zum Lebensunterhalt (nach dem 3. Kapitel SGB XII) sowie weitere 5 % für sonstige Ausgaben wie die Hilfen zur Gesundheit (gemäß 5. Kapitel des SGB XII). Im Vergleich zum Vorjahr haben sich diese Ausgabenanteile nicht verändert.

Anhörung Betroffener zu ärztlichen Zwangsmaßnahmen

Der Fachausschuss Freiheitsrechte des Inklusionsbeirats beim Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen will, dass das Thema Zwangsbehandlung vor Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens in einer Anhörung von Betroffenen erörtert wird.

Der Fachausschuss Freiheitsrechte kritisiert, dass die jetzt vorliegende Formulierungshilfe der Bundesregierung für einen Fraktionsentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und FDP nicht auf die Vereinbarkeit mit der UN-Behindertenrechtskonvention geprüft worden sei. Das Thema Zwangsbehandlung sei aufgrund der Grundrechtsrelevanz nicht geeignet für ein parlamentarisches Schnellverfahren. Es bedürfe einer ausführlichen Diskussion mit den Betroffenen, den Angehörigen, den Fachverbänden und den beteiligten Berufsgruppen.

Der Bundesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, unterstützt diese Forderung: „ Auch wenn hinsichtlich einer Neuregelung Eile geboten scheint, so darf doch das grundlegende Motto der UN-Behindertenrechtskonvention „Nichts über uns ohne uns“ nicht außer Acht gelassen werden. Gerade in dem hochsensiblen Bereich der ärztlichen Zwangsmaßnahmen, der die grundlegenden Artikel 14, der Freiheit und Sicherheit der Person und Artikel 17, dem Schutz der Unversehrtheit der Person der Konvention berührt, sind alle Kriterien zu gesetzlichen Neuregelungen mit den Verbänden der Psychiatrieerfahrenen und den Menschen mit Behinderungen gemeinsam zu erarbeiten.“
Es gebe Erfahrungsberichte Betroffener, wonach in der Praxis Unterbringungen und damit einhergehende Zwangsbehandlungen zu schnell und ohne umfassende Prüfung erfolgten, so Hüppe weiter.

Menschen mit geistiger Behinderung arbeiten als Seniorenhelfer

Menschen mit geistiger Behinderung leisten wertvolle Arbeit als Alltagsbegleiter in der Pflege. So das Fazit einer aktuellen Studie der Bundesvereinigung Lebenshilfe und der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege.

Behinderte Menschen werden meist als hilfebedürftige Personen wahrgenommen, die in ihrem täglichen Leben auf Betreuer, Pfleger oder Assistenten angewiesen sind. Die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, Ulla Schmidt, und der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP), Dr. Ralf Suhr, präsentierten am Montag, 5. November 2012, in Berlin die Informationsschrift „Perspektivenwechsel“, die einmal eine ganz andere Sichtweise erlaubt: Menschen mit geistiger Behinderung haben sich in der Altenhilfe ein berufliches Tätigkeitsfeld erobert, in dem sie selbst Unterstützung für andere Menschen leisten können und ihr Kommunikations- und Einfühlungsvermögen gefragt ist. Sie arbeiten dort als Alltagsbegleiter mit vielfältigen Aufgaben – helfen den Senioren etwa beim Essen, begleiten sie bei Spaziergängen oder spielen und singen mit ihnen.

„Die Inklusion von Menschen mit Behinderung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, keine Frage. Doch es wird Zeit zu erkennen“, betont Ulla Schmidt „dass Inklusion auch mithelfen kann, andere wichtige gesellschaftliche Aufgaben wie die menschenwürdige Betreuung im Alter zu lösen.“ Gesellschaft und Pflege könnten von einem anderen Blick auf Menschen mit Behinderung nur profitieren, so auch Dr. Ralf Suhr: „Wir benötigen ein neues, ein anderes Hinsehen, wir müssen stärker die Fähigkeiten von Menschen mit Pflege- und Hilfebedarf wahrnehmen und wegkommen von einer Fixierung auf ihre Einschränkungen. So kommen wir weiter.“

Die Studie „Perspektivenwechsel“ ist das Ergebnis eines Kooperationsprojekts, das die beiden Organisationen im Mai 2011 gestartet hatten. Ein Team von Lebenshilfe- und ZQP-Mitarbeitern besuchte die Helfer direkt an ihren Arbeitsplätzen, führte Gespräche mit ihnen, ihren Vorgesetzten und Anleitern, mit den Senioren und ihren Angehörigen. In einer strukturierten Befragung erhoben sie Praxiserfahrungen von 17 ausbildenden Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM), 29 kooperierenden Altenhilfeeinrichtungen und 56 behinderten Alltagsbegleitern; die Antworten legten sie einer Expertenrunde zur Auswertung vor.
Dabei wurde deutlich, wie vielfältig die Arbeitsverhältnisse vor Ort sind: Die meisten Alltagsbegleiter arbeiten in stationären Einrichtungen der Altenhilfe, manche aber auch in ambulanten Angeboten wie Seniorencafés. Viele haben einen ausgelagerten WfbM-Arbeitsplatz, doch einige haben von dort aus auch den Sprung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt geschafft.
Ein Ergebnis ist allerdings eindeutig: Wenn alle Beteiligten einbezogen werden und gut miteinander kommunizieren, wenn eine praxisnahe und motivierende Qualifizierung und Einarbeitung erfolgt und Ansprechpartner für den behinderten Mitarbeiter zur Verfügung stehen, kurz: wenn die Bedingungen stimmen, dann können interessierte Menschen mit geistiger Behinderung ihren Traumjob als Alltagsbegleiter hervorragend ausfüllen.
Für sie selbst bedeutet dies, einen erfüllenden Beruf zu haben, der stolz und selbstbewusst macht und ihre soziale Teilhabe stärkt. Doch gleichzeitig leisten sie mit ihrer Arbeit einen wertvollen Beitrag dazu, eine „Gesellschaft des langen Lebens“ individuell, lebendig und orientiert an den Bedürfnissen der Senioren zu gestalten.

Katja Häfke, eine der Alltagsbegleiterinnen und -begleiter, die in der Studie vorgestellt werden, drückt das so aus: „Ich habe etwas Richtiges zu tun!“

Benefiz-Gala anlässlich 25 Jahre McDonald’s Kinderhilfe Stiftung

McDonald’s Deutschland erzielt mit Unterstützung zahlreicher Gäste und Prominenter eine Rekordspendensumme von 1.451.792 Euro im Münchener Postpalast

Knapp 700 Gäste aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, darunter zahlreiche Prominente, feierten anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der McDonald’s Kinderhilfe Stiftung am Freitagabend im Postpalast München eine bewegende Spendengala. Der von Kai Pflaume moderierte Abend stand ganz im Zeichen des Engagements für schwer kranke Kinder und ihre Familien. Und das mit Erfolg: Am Ende kam eine Gesamtspendensumme von 1.451.792 Euro zugunsten der McDonald’s Kinderhilfe zusammen. Diese Summe ist unter anderem der Benefiz-Auktion zu verdanken, bei der am Gala-Abend traditionell außergewöhnliche Geschenke prominenter Gäste und Partner unter den Hammer kommen. So wurde in diesem Jahr unter anderem eine exklusive Champions League Reise mit dem FC Bayern zu einem Auswärtsspiel für 11.000 Euro versteigert. Und der FC Bayern Präsident Uli Hoeneß legte sogar noch einen drauf: Er kündigte an, im nächsten Jahr 100.000 Euro durch Vorträge für die McDonald`s Kinderhilfe Stiftung zu sammeln. Durch den Kauf roter Rosen im Spendenwert von je 50 Euro konnten die Gäste zudem im Rahmen der Aktion „Nähe schenken“ den ganzen Abend über einen individuellen Beitrag leisten.

Gründer und Gratulanten

Das 25-jährige Bestehen der McDonald’s Kinderhilfe Stiftung war auch ein Anlass, gemeinsam mit deren Gründern, Fran und Fred Hill aus den USA, auf die Anfänge zurückzublicken. „Als unsere Tochter 1969 schwer an Leukämie erkrankte, erkannten wir, wie entscheidend die Nähe und Wärme der Familie für die Heilung eines Kindes ist“, erinnerte sich das Ehepaar. Die von Fred Hill ins Leben gerufene Organisation „Eagles Fly for Leukemia“ wurde mit Unterstützung von McDonald’s Firmengründer Ray Kroc später zu den „Ronald McDonald House Charities“, deren deutscher Ableger die McDonald’s Kinderhilfe Stiftung ist. Zahlreiche Prominente wie Annemarie Warnkross, Wayne Carpendale, Henry Maske, Nazan Eckes und Sara Nuru kamen als Gratulanten, ebenso wie Katarina Witt, die in diesem Jahr außerdem Fürsprecherin und Patin der McDonald’s Restaurant-Aktion „Helfende Hände“ ist. Umjubeltes musikalisches Highlight war der Auftritt der Gruppe „Unheilig“, deren Sänger, Der Graf, am Morgen der Gala bereits das Ronald McDonald Haus in München-Großhadern besuchte. „Es ist toll, mit eigenen Augen zu sehen, welche großartige Unterstützung diese Häuser den Familien bieten“, so Der Graf.

Über die McDonald’s Kinderhilfe Stiftung

Gemäß dem Grundsatz „Nähe hilft heilen“ setzt sich die McDonald’s Kinderhilfe Stiftung seit 25 Jahren für schwer kranke Kinder ein: In bundesweit 18 Ronald McDonald Häusern finden Familien, deren Kinder in den benachbarten Kliniken behandelt werden, ein Zuhause auf Zeit. Außerdem betreibt die Stiftung drei Ronald McDonald Oasen, die Familien als Rückzugsorte direkt in den Kinderkliniken dienen. Über ein Förderprogramm unterstützt die McDonald’s Kinderhilfe Stiftung zudem ausgesuchte Initiativen und Projekte, die sich für das Wohlbefinden von Kindern einsetzen.