Neuer Bericht zu contergangeschädigten Menschen zeigt Handlungsbedarf

Ergebnisse einer Studie zur Lebenssituation contergangeschädigter Menschen sind heute in einem zusammenfassenden Bericht von der Conterganstiftung für behinderte Menschen veröffentlicht worden. In der letzten Legislaturperiode hatten CDU/CSU, SPD und FDP die Studie mit einem Antrag im Deutschen Bundestag auf den Weg gebracht.

„Es liegen nunmehr umfassende Erkenntnisse zu speziellen Bedarfen und Versorgungsdefiziten contergangeschädigter Menschen vor, wie mit dem Bundestags-Antrag beabsichtigt. Diese Erkenntnisse müssen jetzt aber auch zu Entscheidungen führen, die die Lebenssituation contergangeschädigter Menschen spürbar verbessern“, so der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe.

Der Bericht zeige, dass Contergan zu noch stärkeren Folgeschäden geführt hat und immer noch führt, als viele bisher glaubten. „Gleichzeitig bestätigt der Bericht die Betroffenen, die schon seit Langem auf diese Folgeschäden hinweisen“, so der Beauftragte. Zu den Folgeschäden gehören laut Bericht etwa Gelenke und Gliedmaßen, die durch Fehlbelastungen schneller verschleißen. Hinzu komme nach dem Bericht etwa ein mit zunehmendem Alter steigender Assistenz- und Pflegebedarf, der oft nicht gedeckt ist.

Der Bericht verdeutlicht ebenso Lücken in der medizinischen Versorgung. Diese werden unter anderem bei Hilfs- und Heilmittel erkennbar, aber auch bei der Suche nach Ärzten, die mit gesundheitlichen Belangen contergangeschädigter Menschen vertraut sind. „Ein besonderes Augenmerk verlangen Hinweise im Bericht auf Gefäße, Nerven und Muskeln, die bei Menschen mit Conterganschädigungen möglicherweise völlig anders verlaufen als bei anderen Menschen“, so Hubert Hüppe. Der Bericht nennt in diesem Zusammenhang etwa die Gefahr, die von unbeabsichtigten Verletzungen an Gefäßen bei chirurgischen Eingriffen ausgehen kann.

Der abschließende Bericht zur Studie „Wiederholt durchzuführende Befragungen zu Problemen, speziellen Bedarfen und Versorgungsdefiziten von contergangeschädigten Menschen“ wird bis zum Ende dieses Jahres erwartet.

Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, begrüßt, dass mit der Diskussion um den Fiskalpakt das Thema Eingliederungshilfe wieder aufgegriffen worden ist. „Dabei dürfe aber nicht der Schwerpunkt auf die Frage der Kostenverschiebungen zwischen Bund und Kommunen gelegt werden“, so der Beauftragte.

„Es muss die Frage in den Mittelpunkt gestellt werden, wie die Eingliederungshilfe im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention in ein Bundesleistungsgesetz überführt werden soll. Hierzu müssen auch Aspekte, wie die Einkommens- und Vermögensanrechnung, der Kostenvorbehalt und die Umstellung von einrichtungs- auf personenzentrierte Leistungen wieder auf den Tisch“, so Hubert Hüppe. „Diese Aspekte seien zentral für die wirksame Teilhabe von Menschen mit Behinderungen mitten in der Gesellschaft“, betonte der Beauftragte.

Workshop „Reiseassistenz für Menschen mit Behinderung“

„Der Sinn des Reisens ist, ans Ziel zu kommen“ stellte Theodor Heuss einmal fest. Damit man dort auch ankommt, selbst wenn man im Rollstuhl verreist, schult und vermittelt der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. (BSK) „Reiseassistenten“.

In dem einwöchigen Workshop werden in praktischen und theoretischen Übungen unter anderem die Fragen beantwortet: „Wie helfe ich einem Rollstuhlfahrer an einer Bordsteinkante?“, „Welche Pflege benötigt ein querschnittsgelähmter Mensch auf Reisen?“, „Wie begleite ich eine blinde Person?“ oder „Welche unterschiedlichen Behinderungsarten gibt es überhaupt?“. Ziel dieses einwöchigen Kurses ist es, die Teilnehmer für die Anforderungen und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung zu sensibilisieren. Der Workshop findet von 5. bis 11. November in Krautheim/Baden-Württemberg statt. Teilnehmen können Personen, die mindestens 18 Jahre alt, körperlich belastbar sind und Einfühlungsvermögen, Geduld und Ausdauer mitbringen. Der Workshop kostet 298,- € und beinhaltet Unterkunft, Lehrgangsmaterial und Vollverpflegung. Das detaillierte Programm und die Anmeldeunterlagen finden Sie auf der Webseite des Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderte e.V.

„Deutschland wird inklusiv – wir sind dabei!“

Die Kampagne „Deutschland wird inklusiv – wir sind dabei!“ des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, machte in der vergangenen Woche in Hamburg Station. Zusammen mit Hamburgs Senatskoordinatorin für die Gleichstellung behinderter Menschen, Ingrid Körner, besuchte Hüppe inklusive Beispiele, die sie abends auf einer „Inklusionsparty“ auszeichneten. Die Auszeichnungen gingen an die Ateliergemeinschaft „Die Schlumper“, das Zentrum für Disability Studies der Universität Hamburg und Vertreter der Behörde für Schule und Berufsbildung.

„Die Beispiele zeigen, wie Inklusion mit Kreativität und Engagement weiter vorangebracht werden kann. Großes Lob für Ihren Einsatz. Ich hoffe, Sie werden den inklusiven Weg weiter beschreiten“, so Hubert Hüppe an die Vertreterinnen und Vertreter der ausgezeichneten Beispiele.

„Ich freue mich, dass wir in Hamburg vielfältige Beispiele der Inklusion auszeichnen konnten und ich wünsche mir viele Nachahmer, um den Weg zu einer inklusiven Gesellschaft Schritt für Schritt zu gestalten“, so Ingrid Körner.

Die Schlumper, eine Ateliergemeinschaft von Künstlerinnen und Künstlern mit Behinderung, wurden für das Projekt „Schule der Schlumper“ ausgezeichnet. Im Projekt arbeiten die Künstlerinnen und Künstler gestalterisch mit Kindern und Jugendlichen, unter anderem von der integrativen Louise-Schroeder-Schule.

Das Zentrum für Disability Studies der Universität Hamburg bietet seit 2005 barrierefreie Lehrveranstaltungen an. Zum Lehrangebot gehören Seminare und die Ringvorlesung „Behinderung ohne Behinderte!? Perspektiven der Disability Studies“. Das Ziel des Zentrums ist, einen inklusiven Studiengang „Disability Studies“ zu entwickeln.

Als drittes Beispiel zeichneten Hüppe und Körner die Hansestadt Hamburg, vertreten durch die Behörde für Schule und Berufsbildung, für ihre Schritte hin zu einem inklusiven Schulwesen aus. Im Schuljahr 2010/2011 hat die Hansestadt mit den 1. und 5. Klassen begonnen, ihr Bildungsangebot inklusiv umzugestalten. Etwa 1.000 Schülerinnen und Schüler haben das inklusive Angebot im ersten Jahr bereits wahrgenommen.

Ausgewählt wurden die Beispiele durch Mitglieder des Inklusionsbeirates, einem Gremium der Koordinierungsstelle des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung zur UN-Behindertenrechtskonvention. Der Inklusionsbeirat besteht fast ausschließlich aus Menschen mit Behinderung. Weitere inklusive Beispiele und Informationen zur Bewerbung sind unter www.inklusionslandkarte.de zu finden.

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung besucht von 2011 bis 2013 im Rahmen seiner Kampagne „Deutschland wird inklusiv – wir sind dabei!“ inklusive Beispiele in verschiedenen Bundesländern.

Behindertenbeauftragter begrüßt Initiative der Frauenministerkonferenz zum Thema „Gewalt gegen behinderte Frauen“

„Die Initiative der Frauenministerkonferenz der Länder, das Thema Gewalt gegen Frauen mit Behinderung auf die Tagesordnung zu setzen, ist ein ermutigendes Zeichen an die Betroffenen“, so der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, mit Blick auf die heute und morgen stattfindende Gleichstellungs- und Frauenministerkonferenz der Länder in Nürnberg. Der Beauftragte lobte hierbei die Ankündigung der Vorsitzenden der Konferenz, Bayerns Familienministerin und Frauenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Christine Haderthauer, einen deutlich besseren Schutz von Frauen mit Behinderung gegen Gewalt erreichen zu wollen.

Die Frauenministerkonferenz knüpft an Ergebnisse einer Studie des Bundesfamilienministeriums an, die im November letzten Jahres veröffentlicht wurden. Die Studie verdeutlichte, dass Frauen mit Behinderung fast doppelt so häufig körperliche Gewalt und zwei- bis dreimal häufiger sexuelle Gewalt erlebt haben als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt. Sie zeigte ebenfalls die teils erschreckende Situation von Frauen mit Behinderung in Einrichtungen.

Der Beauftragte geht davon aus, dass sich auch der Deutsche Bundestag in seinen unterschiedlichen Ausschüssen noch mit der Thematik befassen wird.

Wattrollstühle für den Nationalpark Wattenmeer auf Nordstrand

Ab sofort verleiht die Kurverwaltung Nordstrand fünf Rollstühle fürs Watt. Damit bietet sie auch Gruppen von Menschen, die wenig mobil sind, die einmalige Möglichkeit, den Nationalpark und das Weltnaturerbe Wattenmeer unmittelbar zu erleben.

Senioren, die nicht mehr weit gehen können und Menschen, die sich ein Bein gebrochen haben oder die im täglichen Leben auf den Rollstuhl angewiesen sind, können mitmachen und müssen nicht mehr nur zuschauen.

Die Wattrollstühle stehen am Strand von Fuhlehörn. Anmeldungen nimmt die Kurverwaltung Nordstrand entgegen, per Telefon 04842 454 oder per E-Mail an info@nordstrand.de. Dort wird bei Interesse auch eine Führung mit der Krankengymnastin und Nationalpark-Wattführerin Christine Dethleffsen vermittelt. Die Ausleihe eines Wattrollstuhls kostet 10,00 Euro pro Tag.

Diese Art Wattrollstuhl hat vor drei Jahren die Nationalparkverwaltung in Tönning erstmals im Nationalpark Wattenmeer eingesetzt. Der Rollstuhl war der Nationalparkverwaltung vom Kinderschutzbund Ostholstein als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt worden. Weil er sich in der Nationalparkverwaltung bei der Ausleihe bewährt hat, hat die Gemeinde Nordstrand sich für diese stabilen, gelben Wattrollstühle entschieden.

Die Rollstühle ermöglichen das Wandern am Strand genauso wie im knöcheltiefen Watt und im flachen Wasser. Sie wiegen 25 Kilogramm und sind einfach mit einer Hand zu steuern. Sie können sowohl von einer als auch von zwei Personen gezogen werden. Außerdem sind sie leicht zu transportieren und widerstandsfähig gegenüber Sand und Salzwasser.

Quelle: Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein www.nationalpark-wattenmeer.de

ARD-Film „Inklusion – Gemeinsam anders“ öffentlich-rechtliches Fernsehen bedient Vorurteile

„Was heißt Inklusion, für Mitschüler, Lehrer, Eltern und für die Menschen selbst?“ Mit diesem Satz wurde der in der vergangenen Woche Mittwoch zur besten Sendezeit ausgestrahlte Film „Inklusion – Gemeinsam anders“ von der ARD angekündigt. „Statt eine Antwort zu geben, bedienten die Filmemacher reihenweise Vorurteile und Klischees. Wer schon immer der Meinung war, dass Lehrer an Regelschulen behinderte Schüler nicht unterrichten wollen, Eltern um die Noten ihrer nicht behinderten Kinder fürchten müssen und Schüler mit Lernschwierigkeiten sowieso auf Regelschulen nichts zu suchen haben, musste sich nach diesem Film bestätigt fühlen. Mit Inklusion und inklusiver Beschulung hatte das Gezeigte jedenfalls nichts zu tun, allenfalls mit einem Beispiel schlecht gemachter Umsetzung von Inklusion“, kritisiert der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe.

„Weitere Klischees, die der schlecht gelaunten Rollstuhlfahrerin und des aggressiven Jugendlichen mit Lernschwierigkeiten, werden dann mit den Hauptfiguren Steffi und Paul bedient. Fatal ist auch die Botschaft, die von der Darstellung des Paul ausgeht. Bei Eltern nicht behinderter Kinder muss der Eindruck entstehen, dass sie ihr Kind vor Kindern mit Lernschwierigkeiten schützen müssten. Und die vom Film inszenierte Rückkehr Pauls an die Förderschule hinterlässt den Beigeschmack, dass es weniger schlimm ist, wenn er gegenüber den Kindern und Jugendlichen in der Förderschule aggressiv auftritt“, so Hubert Hüppe.

„Zwischendurch verkehren die Filmemacher die tatsächlichen Verhältnisse um, als die gehbehinderte minderjährige Steffi dann auch noch ihren Lehrer zu einem intimen Verhältnis drängen will“, so Hubert Hüppe. Die Tatsache, dass Frauen und Mädchen mit Behinderung in unterschiedlichen Lebensbereichen besonders häufig Opfer sexueller Gewalt sind, werde hier anscheinend völlig ignoriert, betont der Beauftragte.

„Was aus Sicht der Filmemacher noch als künstlerische Freiheit durchgehen kann, wirft gegenüber der ARD die Frage auf, warum ein Verbund öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten meint, das Thema „Inklusion“ mit einem solch einseitigen und vorurteilsbeladenen Film aufgreifen zu müssen. Schließlich wirkt auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention mit. Ebenso gehört zum Bildungsauftrag öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten, Bewusstsein in der Bevölkerung für das Recht behinderter Menschen auf Teilhabe mitten in der Gesellschaft zu schaffen. Stattdessen wird ein solcher Film von Teilen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens auch noch im Zusammenhang mit den Special Olympics angepriesen. Den Teilnehmern der Special Olympics wird mit dem Film die Botschaft mit auf den Weg gegeben: ‚Ihr gehört nicht dazu‘“, kritisiert Hubert Hüppe.

Der Beauftragte hat sich deshalb an die Vorsitzende der ARD und Intendantin des Westdeutschen Rundfunks, Monika Piel, gewandt und um eine Erklärung gebeten. Gleichzeitig hat er auf bereits bestehende Filme zum Thema Inklusion verwiesen, wie etwa auf den Dokumentarfilm „Berg Fidel“ und dazu aufgefordert, das Thema „Inklusion“ noch einmal gelungener an prominenter Stelle aufzugreifen.