Anstrengungen für inklusiven Unterricht müssen steigen

Behindertenbeauftragter der Bundesregierung veröffentlicht Eltern-Broschüre.

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, hat eine Überarbeitung des „Wegweisers für Eltern zum Gemeinsamen Unterricht“ behinderter und nicht behinderter Kinder veröffentlicht. „Noch immer werden behinderte Kinder daran gehindert, gemeinsam mit ihren nicht behinderten Freunden zur Schule zu gehen. Hintergrund sind entweder Schulgesetze der Länder, die einen Anspruch auf Gemeinsamen Unterricht nicht vorsehen oder die Schulbehörden und Regelschulen, die Gemeinsamen Unterricht faktisch verhindern“, so Hubert Hüppe. Fast 80 % der Schülerinnen und Schüler mit Behinderung werden heute noch Förderschulen zugewiesen, in anderen europäischen Ländern sind es weniger als 20 %. In keinem Land Europas gehen zudem mehr Schülerinnen und Schüler – gemessen an allen Schülerinnen und Schülern – auf Förderschulen.

„Der Wegweiser soll Eltern dabei unterstützen, das Recht ihres Kindes auf Gemeinsamen Unterricht durchzusetzen. Er soll sie auch ermutigen nicht aufzugeben, wenn ihnen Hindernisse in den Weg gestellt werden“, verdeutlicht Hubert Hüppe.

„Der Wegweiser könne aber nicht notwendige Entscheidungen der Länder ersetzen“, so der Beauftragte. „Wenn es um inklusive Bildung geht, dann wird meist zuerst die Strukturfrage gestellt. Dabei geht es nicht um den Erhalt von Strukturen, sondern um die Zukunft der Kinder“, betont Hubert Hüppe. „Inklusiver Unterricht verfolgt den Ansatz, Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern. Er sei damit am besten geeignet, schulische Leistungen und soziale Fähigkeiten von Schülerinnen und Schülern abzurufen, wie viele gute Beispiele zeigen. Dies gelte für alle Kinder, ob mit oder ohne Behinderung“, so Hubert Hüppe.

Erarbeitet wurde die Broschüre von der Bundesarbeitsgemeinschaft „Gemeinsam leben – gemeinsam lernen e.V.“

„Wir wollen, dass unsere Kinder mit Behinderung inmitten der Gesellschaft lernen und leben können und dass sie als Erwachsene über ihre Angelegenheiten – wenn nötig mit Unterstützung – selbst bestimmen können. Inklusion beginnt in Kindergarten und Schule. Die UN-Behindertenrechtskonvention fordert ausdrücklich ein inklusives Schulsystem, woraus sich das individuelle Recht jedes Kindes auf Gemeinsamen Unterricht ergibt. Diese Broschüre soll Eltern darin bestärken, diesen Weg für ihre Kinder und im Namen ihrer Kinder zu gehen“, erklärt Camilla Dawletschin-Linder, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben – gemeinsam lernen.

Die Broschüre „Wegweiser für Eltern zum Gemeinsamen Unterricht“ bietet allgemeine Informationen zur inklusiven Beschulung und kann unter www.behindertenbeauftragter.de/gemeinsamerunterricht heruntergeladen bzw. als Druckexemplar bestellt werden. Darüber hinaus sind auf der Internetseite des Beauftragten weitere Hinweise zur Situation in einzelnen Bundesländern eingestellt.

Behinderte Schüler: SoVD fordert Bildungszusammenarbeit von Bund und Ländern im schulischen Bereich

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) fordert erweiterte Möglichkeiten bei der Bildungszusammenarbeit von Bund und Ländern. „Es reicht nicht aus, das strikte Kooperationsverbot allein im Hochschulbereich aufzulockern. Bund und Länder müssen auch im schulischen Bereich kooperieren dürfen. Inklusive Bildung ist eine Herkulesaufgabe – dafür müssen alle Kräfte genutzt und gebündelt werden.“ Das erklärte SoVD-Präsident Adolf Bauer heute aus Anlass des Kabinettsbeschlusses zur Lockerung des Kooperationsverbotes zwischen Bund und Ländern im Hochschulbereich. Die UN-Behindertenrechtskonvention fordert von Bund und Ländern vereinte Anstrengungen für das gemeinsame Lernen behinderter und nicht behinderter Kinder. „Der Bund trägt jedoch kaum zur Umsetzung der inklusiven Bildung bei“, so Bauer. „Grund ist das Kooperationsverbot. Es blockiert die Verwirklichung von Menschenrechten für behinderte Kinder“, unterstrich der SoVD-Präsident. Er betonte, dass zentrale Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention ohne breit angelegte Förderprogramme des Bundes kaum umsetzbar seien. Insbesondere für das Ziel barrierefreier Schulen sei ein Sonderförderprogramm erforderlich, das eine gemeinsame Vorgehensweise von Bund und Ländern voraussetze.

Jahresempfang des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung

Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention bleibt Kampf um Bürger- und Menschenrechte

„Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention bleibt ein Kampf um Bürger- und Menschenrechte“, so der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe auf seinem Jahresempfang in dieser Woche im Kleisthaus in Berlin. Vor über 200 Gästen, unter ihnen Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert und die Autorin und Schauspielerin Jana Zöll, verdeutlichte der Beauftragte, dass einige Schritte in die richtige Richtung bereits gegangen seien. „Menschen mit Behinderung müssten aber immer noch oft um ihr Recht auf Teilhabe kämpfen“, so der Beauftragte.

Das „Erste Wort“ sprach in diesem Jahr Jana Zöll. In einer schauspielerischen Darbietung näherte sie sich der Frage „Was ist normal?“. „Dieses ‚Normal‘ von dem alle reden, gibt es gar nicht. Und wenn es ein ‚Normal‘ gibt, dann ist alles was es gibt normal“, so Jana Zöll.

Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert bezog sich in seiner Rede auf den Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes am 23. Mai. „Es habe in den zurückliegenden Jahren etliche Fortschritte für Menschen mit Behinderung gegeben. Das im Grundgesetz verankerte Benachteiligungsverbot werde aber längst noch nicht immer berücksichtigt“, so der Bundestagspräsident.

Im Mittelpunkt des Rückblicks des Beauftragten auf die Ereignisse seit seinem letzten Jahresempfang stand dabei seine Tagungsreihe „Teilhabe braucht Gesundheit!“. In insgesamt fünf Tagungen formulierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, unter ihnen viele Menschen mit Behinderung, Forderungen für eine bessere Gesundheitsversorgung behinderter Menschen. Auf der Abschlussveranstaltung im September 2011 diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagungsreihe ihre Forderungen mit Gesundheitspolitikerinnen und -politikern aller Fraktionen des Deutschen Bundestages. Im März 2012 überreichte der Behindertenbeauftragte die Dokumentation der Tagungsreihe an Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. „Etliche Forderungen, die die Teilnehmer auf der Gesundheitstagungsreihe einbrachten, wurden zwischenzeitlich umgesetzt. Hierzu zählen etwa Verbesserungen bei anzuerkennenden Praxisbesonderheiten, langfristigen Heilmittelbehandlungen, der zahnärztlichen Versorgung bei aufsuchender Behandlung und der Versorgung hörbehinderter Menschen“, so Hubert Hüppe. „Weitere Schritte für eine bessere Gesundheitsversorgung seien aber nötig“, betonte der Beauftragte.

„In diesem Jahr werde der Schwerpunkt seiner Arbeit im Bereich Beschäftigung liegen“, so Hubert Hüppe. Er verwies hierbei auf den Auftakt mit dem Fachgespräch „Mehr Teilhabe von werkstattberechtigten Personen in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes“, das im März stattfand. Weitere Veranstaltungen werden folgen. „Ich möchte erreichen, dass mehr Menschen in Betrieben des ersten Arbeitsmarkts eine Chance haben, ob die Akademikerin im Rollstuhl oder der Jugendliche mit hohem Unterstützungsbedarf“, erklärte Hubert Hüppe. „Deshalb müsse es ein Budget für Arbeit geben, das Menschen beispielsweise ermöglicht, unterstützende Dienste auch ohne Anbindung an eine Werkstatt für behinderte Menschen zu bekommen“, so der Beauftragte.

Der Beauftragte ging auch auf die Situation von Kindern und Jugendlichen ein, die in Heimen misshandelt und gedemütigt wurden. Für Kinder und Jugendliche, die in Heimen der Erziehungshilfe in der Bundesrepublik in den Jahren 1949 bis 1975 misshandelt wurden, gebe es bereits seit Anfang des Jahres Leistungen. Die Leistungen für Kinder und Jugendliche, die dasselbe in Heimen in der ehemaligen DDR erfahren mussten, laufen noch in diesem Jahr an. „Die einzige Gruppe, die bisher keine Unterstützung erhielt, sind die Menschen, die als Kinder und Jugendliche in Heimen der Behindertenhilfe untergebracht waren“, betonte der Beauftragte.

Hubert Hüppe kritisierte ebenfalls bioethische Entwicklungen, wie vorgeburtliche Tests auf das „Down-Syndrom“ oder den Beschluss des Deutschen Bundestages zur Präimplantationsdiagnostik. „Letztendlich gehe es hierbei immer darum, Menschen nach lebenswert und lebensunwert zu sortieren“, so der Beauftragte.

Antrag des Freistaates Bayern an den Bundesrat zur „Schaffung eines Bundesleistungsgesetzes“

Anfang Mai informierte der Paritätische Gesamtverband vom Gespräch auf der Ebene der Staatssekretär/-innen mit Vertreter/-innen des Bundes und der Länder, dass ein erneuter Termin für Ende Mai 2012 verabredet wurde, weil die Bund-Länder-Arbeitsgruppe bis dahin nochmals „Hausaufgaben“ zu erledigen habe. Auf der Homepage des Bundesrats ist ein Antrag des Freistaates Bayern zur „Schaffung eines Bundesleistungsgesetzes“ mit Datum 16.05.2012 eingestellt. In dem Antrag wird gefordert, dass der Bund künftig die Kosten der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe der Eingliederungshilfe übernimmt, da es vor dem Hintergrund der UN-Behindertenrechtskonvention und dem Leitbild der Teilhabe nicht mehr zeitgemäß sei, Menschen mit Behinderung auf das System der Sozialhilfe zu verweisen. Weiterhin wird darauf hingewiesen, dass die Anzahl und die Unterstützungsbedarfe von Menschen mit Behinderung in den letzten Jahren signifikant angestiegen sind und eine Entlastungen der Kommunen zwingend erforderlich sei.

Mit einem Bundesleistungsgesetz soll u. a.

– eine Loslösung der Leistungen der Eingliederungshilfe vom System der Sozialhilfe erfolgen, verbunden mit dem Ziel, langfristig Menschen mit Behinderung so weit wie möglich vom Einsatz eigenen Einkommens und Vermögens freizustellen.

– ein bundesweit einheitliches Bedarfsbemessungssystem und -verfahren unter Einbeziehung aller beteiligten Sozialleistungsträger etabliert werden.

– eine Trennung von Leistungen zum Lebensunterhalt und Eingliederungshilfeleistungen vorgenommen werden.

– die Hilfe zur Teilhabe am Arbeitsleben flexibilisiert und personenzentriert ausgestaltet werden.

– die Wechselwirkungen zwischen der (reformierten) Eingliederungshilfe einerseits und der Sozialen Pflegeversicherung andererseits berücksichtigt werden.

Der Antrag greift im Wesentlichen die Aspekte der bisherigen Reformdiskussion auf. Dennoch scheint keine Einigkeit zum weiteren Vorgehen zwischen Bund und Ländern zu bestehen. Eine Reform der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung in dieser Wahlperiode scheint somit unwahrscheinlich.

Nach den Vorstellungen Bayerns könnte der Antrag am 6. Juli 2012 im Bundesrat beraten und anschließend den Ausschüssen zur Beratung zugewiesen werden.

Präimplantationsdiagnostik (PID) – Noch immer sind viele Fragen offen

Die PID ermöglicht es, schwere Erbkrankheiten und Chromosomenanomalien an künstlich erzeugten Embryonen noch vor deren Implantation zu erkennen. Dadurch können bereits vor Einleitung einer Schwangerschaft Fehl- und Totgeburten und die Weitergabe von besonders schweren Erkrankungen an das zukünftige Kind verhindert sowie schwere Belastungen, insbesondere von den betroffenen Frauen, aber auch den Familien insgesamt, abgewendet werden.

Das PID-Gesetz wurde am 08. Dezember 2011 verabschiedet, nach wie vor liegt jedoch noch immer keine Rechtverordnung nach § 3a Abs. 3 des neuen Embryonenschutzgesetzes, in das das Gesetz rechtlich eingeordnet wurde, vor.

Offen ist damit die Frage, unter welchen Voraussetzungen eine PID erlaubt ist. Das Präimplantationsdiagnosegesetz sieht vor, dass eine PID grundsätzlich verboten ist, sofern nicht bestimmte Bedingungen vorliegen.

In der Rechtsverordnung sollen zudem die Voraussetzungen für die Zulassung der Zentren, an denen in Deutschland eine PID durchgeführt werden soll, geregelt werden sowie die Qualifikationsanforderungen dort tätigen Ärztinnen und Ärzte. Ebenso geht es um die genaue Ausgestaltung der Ethikkommission, die über die Durchführung der PID entscheidet und für die Überprüfung der Einhaltung der Voraussetzungen zuständig ist und die Ausgestaltung der Zentralstelle, der die Dokumentation der durchgeführten PIDs obliegt.

Das Bundesgesundheitsministerium (BGM) arbeitet derzeit an einer entsprechenden Rechtverordnung.
Quelle: Der Paritätische Gesamtverband

Ein Fest für blinde, sehbehinderte und taubblinde Kinder – Deutschland-Premiere: Turnier im Sehbehindertenfußball

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) richtet vom 30. Mai bis 1. Juni in Berlin ein spezielles Kultur- und Sportprogramm für blinde und sehbehinderte Kinder und Jugendliche sowie ihre Freunde aus.

Beim DBSV-Jugendclub-Fest werden unter anderem Workshops für Schülerbands angeboten, in denen die Teilnehmer mehr über Gesang, Gitarre und Songwriting erfahren. Eine Trainerin wird sich speziell der Frage widmen, wie man als Bühnenmusiker auch ohne Blickkontakt zum Publikum eine gelungene Show abliefert. In Theatergruppen können blinde, sehbehinderte, gehörlose und sogar taubblinde Kinder ihr Schauspieltalent verfeinern.

Parallel findet erstmals in Deutschland ein Turnier im Sehbehindertenfußball nach den offiziellen internationalen Regeln statt. Der DBSV möchte diese junge und dynamische Sportart auch in Deutschland etablieren und den Anschluss an die internationale Szene herstellen.

Am 1. Juni – dem internationalen Kindertag – mündet das DBSV-Jugendclub-Fest dann in das Louis Braille Festival der Begegnung (www.dbsv-festival.de), wo die jungen Teilnehmer ihr Können vor großem Publikum präsentieren.

Weitere Informationen unter www.jugendclub-fest.dbsv.org

Ermöglicht wird das DBSV-Jugendclub-Fest durch die freundliche Unterstützung der Aktion Mensch und der Deutschen Blindenstudienanstalt.

Als älteste bundesweite Selbsthilfeorganisation feiert der DBSV in diesem Jahr sein hundertjähriges Bestehen. Für das Jubiläumsjahr hat Bundespräsident Joachim Gauck die Schirmherrschaft übernommen.

Verleihung des ersten Kinderhospizsiegels in Deutschland

Erstmals in Deutschland wird einem Kinderhospiz ein eigens entwickeltes Zertifikat für verlässliche Qualitätsstandards verliehen. Dafür wurde das Kinder- und Jugendhospiz Balthasar in Olpe von einer Prüferin des TÜV Rheinland auf Herz und Nieren begutachtet. Die Schirmherrschaft über das Kinderhospizsiegel hat die FDP-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Vorsitzende (bis April 2012) der interfraktionellen Kinderkommission des Deutschen Bundestages Nicole Bracht-Bendt übernommen.

Kinderhospize und ambulante Kinderhospizdienste begleiten Kinder mit lebensverkürzenden Erkrankungen gemeinsam mit ihren Familien auf ihrem schweren Weg. Sie sorgen für Unterstützung, Entlastung und Verständnis und helfen den Familien, den Alltag zu organisieren und eine neue Lebensperspektive entwickeln.

Bereits im Jahr 2006 hatten sich Kinderhospize mit der Frage beschäftigt, wie einheitliche Qualitätsstandards für ihre komplexe und schwierige Arbeit formuliert werden könnten. Ein Arbeitskreis erfasste die Strukturdaten eines Kinderhospizes: mindestens acht Betten, pädiatrische Palliativ-Fachkräfte, Abschiedsbereich, umfassende Trauerbegleitung, Qualifizierung und fachliche Begleitung der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter sind einige Beispiele.

Um verlässliche und transparente Qualität in der Kinderhospizarbeit sicherzustellen entstand die Idee, ein eigenes Siegel zu entwickeln. Mithilfe eines Beratungsunternehmens wurde gemeinsam ein Handbuch entwickelt, das als Muster für alle Kinderhospize dienen sollte. Es wurde im Jahr 2011 fertiggestellt und enthält die Beschreibung aller Abläufe in einem Kinderhospiz. Die Umsetzung dieser Prozesse entspricht einer DIN ISO Zertifizierung. „Das war uns aber nicht genug – wir wollten ein spezifischeres Siegel entwickeln“, sagt Sabine Kraft, Geschäftsführerin des Bundesverband Kinderhospiz e.V.. Also wurden gemeinsam definierte Strukturdaten in die Zertifizierung aufgenommen. „Wenn nun ein Kinderhospiz alle Prozesse des Handbuchs auf seine eigenen Prozesse übertragen hat, kann es eine Zertifizierung beantragen“, erklärt Kraft weiter. Durchgeführt wird die Zertifizierung von TÜV Rheinland, Siegelverleiher ist der Bundesverband Kinderhospiz e.V.. Das Kinderhospizsiegel gilt für drei Jahre.

Eine speziell für den Pflegebereich qualifizierte Prüferin von TÜV Rheinland hat die Umsetzung der Anforderungen nun im Kinder- und Jugendhospiz Balthasar in Olpe überprüft. Zusätzlich wurde Balthasar selbst mit den Räumlichkeiten, den Angeboten und der Struktur des Hauses, sowie der personellen Ausstattung auf der Grundlage eines Fragebogens des Bundesverband Kinderhospiz e.V. beurteilt; die Einrichtung erhält jetzt als erstes Kinderhospiz das Siegel des Verbandes. Balthasar-Leiter Rüdiger Barth: „Wir sind sehr stolz und glücklich, dass wir als erstes deutsches Kinderhospiz nun auch das erste sind, das dieses Qualitätssiegel erhält. Es ist eine Bestätigung unserer Arbeit und gibt unseren Familien noch mehr Sicherheit, hier gut aufgehoben zu sein.“

„Mit dem Zertifikat gibt der Bundesverband zukünftig den Familien erkrankter Kinder eine wichtige Orientierung zur Auswahl einer geeigneten Einrichtung“, fasst Sabine Kraft den Nutzen des Siegels zusammen.

„Brainpainter“ Adi Hoesle zu Gast beim „Talk im Kleisthaus“

Bundesbehindertenbeauftragter lädt ein zum inklusiven Kunsttalk

Am kommenden Montag, den 21.05.2012 um 19:00 Uhr feiert ein neues Format Premiere im Dienstsitz des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen ( Mauerstraße 53 , Berlin-Mitte). Unter dem Titel „Talk im Kleisthaus“ werden zukünftig zwei mal pro Jahr Gäste aus Politik, Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft (kulturelle) Themen diskutieren, die nicht nur für Menschen mit Behinderung von Belang sind.

Thema des ersten Talks wird sein: „Kunst als Werkzeug der Inklusion.“
Als Gäste geladen sind:
Dr. Gisela Höhne (Gründerin und Leiterin des renommierten Theaters RambaZamba)
Adi Hoesle (Künstler und Erfinder der „Brainpaint-Methode“)
Angela Jansen (Künstlerin mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) und Anwenderin der ‚Brainpaint-Methode‘)
Ramona Nietzold (Museumspädagogin Staatliche Kunstsammlung Dresden)
Silja Korn (blinde Malerin und Fotografin)
Prof. Dr. Irmgard Merkt (Professorin der Rehabilitationswissenschaften an der Technischen Universität Dortmund)

Moderiert wird der Abend von Minou Amir-Sehhi.

Die Talkgäste berichten von eigenen Erfahrungen und Hindernissen, auf die sie im Bereich Kunst und Inklusion gestoßen sind. Thematisch steht dabei im Vordergrund, in welchem Zusammenhang beide Aspekte stehen und welche Aufgaben der Kunst bei der Entstehung einer inklusiven Gesellschaft zukommen.

Adi Hoesle, dessen „Brainpainting-Methode“ bereits von Jörg Immendorf genutzt wurde und derzeit unter dem Titel „Pingo Ergo Sum“ („Ich male also bin ich“) in der Kunsthalle Rostock genauer betrachtet werden kann, wird die neue und international für Furore sorgende Software live vorstellen.

Das Kleisthaus in der Mauerstraße 53 in Berlin-Mitte ist Dienstsitz des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen. Seit 2001 dient es darüber hinaus als lebendiger Ort der Kultur für alle: Regelmäßig finden hier barrierefreie Ausstellungen, (Hör-) Filmvorführungen, Lesungen, Konzerte und Podiumsdiskussionen statt – der Eintritt ist frei.

Eckdaten der Veranstaltung:
Talk im Kleisthaus – Thema: Kunst als Werkzeug der Inklusion
Beginn: 21.05.2012 um 19:00
Ort: Foyer Kleisthaus, Mauerstraße 53, 10117 Berlin

Junge Behinderte ins Altersheim abgeschoben

Seit einiger Zeit zeichnet sich ein erschreckender Trend bei der Pflege von Behinderten ab: Immer häufiger werden junge behinderte Menschen in Seniorenheime abschoben.
Aufgrund des großen Mangels an freien Plätzen in altersgerechten Pflegeheimen für Behinderte, sehen viele Familien keinen anderen Ausweg, als ihre jungen pflegebedürftigen Angehörige in einem Altenheim unterzubringen. Laut Schätzungen ergeht es so ca. 10.000 Betroffenen, die, wie man in der Fachsprache sagt, „fehlplatziert“ sind. Häufig gibt es auf einen einzigen Platz in einer altersgerechten Pflegeeinrichtung für Behinderte rund 100 Wartende.

Das Problem, wenn junge Behinderte in Altenheimen wohnen, ist, dass sie dort keine angemessene Zuwendung erhalten.
Die Hauptaufgaben der Altenpflege sind es, die Pflegebedürftigen zu säubern und zu ernähren während bei der Pflege von Behinderten auch die pädagogische Zuwendung und Förderung wichtig sind.
Grund für diesen Trend sind die leeren Kassen in den Kommunen. Sie sind für die Bereitstellung von behindertengerechten Einrichtungen zuständig. Wenn aber kein Geld da ist, sparen diese allerdings gerne beim Bau von neuen derartigen Pflegeheimen.
Hinzu kommt, dass die Unterbringung von jungen behinderten Menschen in einem altersgerechtem Pflegeheim mit pädagogischer Unterstützung durchaus teurer ist, als die Unterbringung in einem Altenheim. Hierbei übernehmen die Pflegekassen nur einen geringen Anteil der Kosten, den Rest müssen die Sozialämter bezahlen.
Anders hingegen sieht es bei der Unterbringung von Behinderten in Altenheimen aus: Hier zahlen die Pflegekassen den größten Anteil.
Dies hat zur Folge, dass immer mehr Kommunen versuchen, junge behinderte Menschen zusammen mit Senioren in sogenannten „binnendifferenzierten Pflegeheimen“ unterzubringen, um Kosten zu sparen.
Dort erhalten die Behinderten keine angemessene Betreuung, da die meisten Alten- und Krankenpfleger über keine Qualifikationen in der Betreuung von behinderten Menschen verfügen. Auch die bereits erwähnte psychische Unterstützung fällt dort weg, aus dem einfachen Grund, dass es in Pflegeheimen kein pädagogisch geschultes Personal gibt.
Der Tagesablauf ist häufig unstrukturiert, was für ältere Menschen den Vorteil der Selbstbestimmung mit sich bringt, behinderten Menschen jedoch ganz sich selbst überlässt, sodass sie häufig einfach nur vor sich hin vegetieren.
Wenn keine andere Regelung getroffen wird, dürfte sich der Zustand aufgrund der schlechten Haushalte der Kommunen sogar noch verschlechtern, sodass viele weitere junge behinderte Menschen nicht die Pflege bekommen, die ihnen zusteht und weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Bündnis fordert Aufwertung der Pflegeberufe

Das „Bündnis für gute Pflege“ hat deutlich verbesserte Lohn- und Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten in der Pflege gefordert. Kurz vor dem Internationalen Tag der Pflegenden am 12. Mai warnte das Bündnis vor den verhängnisvollen Folgen fehlender Anerkennung der gesellschaftlich unverzichtbaren Pflegeberufe.

„Es ist überfällig, dass Pflegende in Deutschland mehr Anerkennung und Unterstützung erfahren. Insbesondere die ansteigende Zahl demenziell erkrankter Menschen erfordert eine hohe fachliche und soziale Kompetenz der Pflegekräfte. Diese Leistungen darf es nicht zu Billig-Preisen geben“, erklärte der Präsident des Sozialverbandes Deutschland (SoVD) Adolf Bauer.

Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied, warnte vor Niedriglöhnen in der Pflege. „Eine Aufwertung der Pflegeberufe ist mit Dumpinglöhnen nicht zu erreichen, diese kann nur über eine Bezahlung nach Tarif erfolgen. Zudem müssen die Personalbemessung und die Ausbildungsbedingungen spürbar verbessert werden. Ohne diese Weichenstellungen ist es nicht möglich, Pflege als Beruf attraktiver zu gestalten.“

AWO-Vorstandsmitglied Brigitte Döcker wies auf die Notwendigkeit einer familienfreundlicheren Arbeitsplatzgestaltung im Pflegebereich hin. „Angesichts des enormen Fachkräftemangels müssen alle Rahmenbedingungen stimmen, damit die Menschen diesen Beruf wählen und in der Tätigkeit bleiben!“

Das Bündnis erneuerte seine Kritik an der gegenwärtigen Situation in der Pflege und wies auf die bisher unzureichenden Maßnahmen der Bundesregierung hin.

Das „Bündnis für gute Pflege“ ist ein breit geschmiedeter Zusammenschluss, der neben Gewerkschaften und Sozialverbänden auch Wohlfahrts- und Verbraucherverbände sowie Selbsthilfevertretungen umfasst. Ziel der Bündnispartner ist es, den dringenden Handlungsbedarf in der Pflege aufzuzeigen. Seit der Gründung im Februar 2012 haben sich dem Bündnis weitere Organisationen angeschlossen.

Bündnispartner:
Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e. V. (AWO)
Bundesinteressenvertretung der Nutzerinnen und Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter und bei Behinderung e. V. (BIVA)
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. (DAlzG)
Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe Bundesverband e. V. (DBfK)
Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)
Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Deutschlands e. V. (KAB)
Kuratorium Deutsche Altershilfe
Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband e. V.
Sozialverband Deutschland e. V. (SoVD)
Sozialverband VdK Deutschland e. V.
Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. (vzbv)
Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Bundesverband (ver.di)
Volkssolidarität Bundesverband e. V.
Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e. V. (ZWST)