VETO setzt deutschen Sport in Szene

Der Deutscher Behindertensportverband (DBS) und der Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) haben sich mit VETO auf eine fünfjährige Zusammenarbeit geeinigt. Deutschlands Marktführer im Bereich Sonderwerbemittel, Brands und Venue-Dressing unterstützt DBS und DOSB zukünftig bei der Gestaltung ihrer öffentlichen Auftritte.

Der Anpfiff für die Kooperation erfolgt bereits bei den Olympischen und Paralympischen Spielen London 2012. VETO wird das Erscheinungsbild des Deutschen Hauses sowie des Deutschen Hauses Paralympics kreativ mitgestalten. Als Dienstleister wird das Unternehmen für die Umsetzung der Werbemaßnahmen im „Wohnzimmer der Athleten“ verantwortlich sein. Hier bringt VETO seine umfassende Erfahrung bei nationalen und internationalen Sportgroßveranstaltungen ein.

„Der DOSB freut sich darauf, die langjährige Sporterfahrung von VETO nutzen zu können. Die Partnerschaft mit dem innovativen Unternehmen garantiert originelle und konzeptionell hochwertige Auftritte auf Events und in den Deutschen Häusern der kommenden Olympischen und Paralympischen Spiele“, sagt DOSB-Generaldirektor Michael Vesper.

Die Deutsche Sport-Marketing (DSM), die als Vermarktungsagentur des DOSB und des DBS die Zusammenarbeit auf den Weg gebracht hat, vereinbarte mit dem Unternehmen eine Partnerschaft bis 2016, so dass VETOs Expertise langfristig und für mindestens drei Olympische und Paralympische Spiele zur Verfügung steht. Der Fullservice-Dienstleister wird darüber hinaus die Auftritte von DOSB und DBS mit der Olympia-Lounge bei verschiedenen Veranstaltungen wie dem Ball des Sports und der Goldenen Sportpyramide mitgestalten.

Friedhelm Julius Beucher, Präsident des DBS, erhofft sich langfristige Vorteile aus der Partnerschaft: „VETOs herausragendes Know-how garantiert, dass der Deutsche Behindertensport bestens in Szene gesetzt wird. Die gemeinsamen Maßnahmen, bereits für das Deutsche Haus Paralympics in London, werden die Außendarstellung des deutschen paralympischen Sports deutlich verbessern.“

Frank Mormann und Thomas H.C. Weber, Geschäftsführer von VETO erklären die Zusammenarbeit: „Wir freuen uns mit dem DOSB und dem DBS zusammenarbeiten zu können. Mit unserem Engagement möchten wir unsere Stellung als Marktführer im Bereich Sport ausbauen und unsere langjährigen Erfahrungen aus den Länderspielen des Deutschen Fußball-Bundes, den Spielen im DFB-Vereinspokal und Europameisterschaften einbringen. Außerdem wollen wir mit der Partnerschaft einen Beitrag zum professionellen Auftritt des deutschen Sports in London und weit darüber hinaus leisten.“

Versorgungsangebote häufig weder kind- noch familiengerecht 2″. Berliner Appell von Kindernetzwerk e.V.: Verbesserungen für Kinder und junge Menschen mit Krankheiten und Behinderungen sind überfällig

Immer mehr Kinder mit chronischen und seltenen Krankheiten, Behinderungen und besonderen Bedürfnissen wachsen hierzulande zusätzlich unter Armutsbedingungen, in Scheidungs- oder Trennungsfamilien oder bei Eltern auf, die selbst psychisch oder chronisch krank sind. Für viele dieser jungen Patienten stehen bislang zu wenige kindgerechte und individuell ausgerichtete Versorgungsangebote zur Verfügung.

Auf diese Lebenswirklichkeiten hat Prof. Hubertus von Voß, Bundesvorsitzender von „Kindernetzwerk e.V. für Kinder, Jugendliche und (junge) Erwachsene mit chronischen Krankheiten und Behinderungen“ anlässlich der Jubiläumstagung „20 Jahre Kindernetzwerk“ in der Charité in Berlin hingewiesen. Dem Kindeswohl dieser Kinder könne künftig aber nur dann entsprochen werden, wenn sich in der Gesellschaft ein tragfähiges Kinderbewusstsein entwickeln würde. Um diesen Prozess zu forcieren, haben Kindernetzwerk e.V. und die Eltern-Selbsthilfe in Deutschland in Berlin gemeinsam den 2. Berliner Appell 2012 verabschiedet. Mit dem Appell soll „das Motto des Jubiläums „Eine Zukunft für vergessene Kinder“ in konkretes Handeln und praktische Politik implementiert werden. Knapp 300 Delegierte haben den Appell einstimmig verabschiedet, der damit von den bundesweit mehr als 100.000 assoziierten Mitgliedern aus 100 Mitgliedsorganisationen getragen wird.

Dringender Handlungsbedarf besteht zum Beispiel bei pflegebedürftigen Kindern mit und ohne mentale Behinderungen. Benötigt werde dazu, so von Voß, ein neues Pflegegesetz, das deshalb auch zu einer „Nagelprobe werden wird, ob hierzulande Kinderrechte nach den Vorgaben der UN-Kinderrechtskonvention tatsächlich beachtet werden.“ Was bei der Pflegebedürftigkeit für Menschen mit einer Demenz gelten soll, müsse auch Kindern aller Altersgruppen bis ins junge Erwachsenenalter hinein eingeräumt werden. So müssten beispielsweise eine individuell ausgerichtete – bei Bedarf auch – 24-stündige Beaufsichtigung, ausreichende Kurzzeitpflegeplätze und vor allem eine kindgerechte Pflegebegutachtung bereit gestellt und auch in vollem Umfang finanziert werden.

Neu ausgerichtet werden müssten auch, so von Voß, die insgesamt 12 Sozialgesetzbücher. Diese böten Kindern mit besonderen Bedürfnissen zwar prinzipiell ein weites Netz an sozialer Fürsorge, erreichten jedoch häufig nicht die tatsächlich sozial Bedürftigen. Daher fordert das Kindernetzwerk ein für alle Altersgruppen verständliches „Teilhabe- und Leistungsgesetz“, welches alle sozialen Hilfen für Menschen in Not allgemein und transparent bündelt. Von Voß: „Es darf weiterhin nicht so bleiben, dass nur der soziale Hilfen und Unterstützung gewinnt, der selbst kundig genug ist, den Dschungel der Sozialgesetzgebung durchdringen zu können.“

Um die Rechte von Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen mit besonderen Bedürfnissen und ihrer Familien zu verwirklichen, fordert Kindernetzwerk e.V. zudem eine am individuellen Bedarf ausgerichtete bereichsübergreifende und dem medizinischen Fortschritt angemessene Therapie und Rehabilitation sowie Inklusion und Teilhabe.

Ausreichende, notwendige und zweckmäßige Versorgungsangebote, wie sie derzeit Gesundheits- und Sozialgesetze vorsehen, reichten Familien mit besonderem Bedarf häufig nicht aus. Speziell für den Übergang vom Jugendlichen- ins Erwachsenenalter (so genannte Transition) sollten zudem deutlich mehr Mittel als bislang zur besseren Vernetzung aller beteiligten Fachleute bereit gestellt werden. In allen Sektoren müssten zusätzlich gerade für Kinder aus Migrantenfamilien interkulturelle Aspekte weitaus stärker als bislang beachtet werden. Und schließlich sollte nach Ansicht von Kindernetzwerk e.V. auch die Kompetenz der Eltern-Selbsthilfe deutlich gestärkt werden. Notwendig sei vor allem die Erweiterung und nachhaltige Stärkung der Basis-Finanzierung zugunsten der Selbsthilfe. Hoffnung dafür weckte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), der mit seinem Auftritt bei der Jubiläumsveranstaltung von Kindernetzwerk e.V: in Berlin ein „Zeichen der Wertschätzung“ für das Kindernetzwerk und die gesamte Eltern-Selbsthilfe gesetzt hat. Bewegt und ermuntert von den vielen konstruktiven Vorschlägen der rund 300 Tagungsteilnehmer lud der Minister die Führungsspitze des Kindernetzwerkes zu einem Gespräch nach Berlin ein. Dort soll dann konkret ausgelotet werden, welche der im 2. Berliner Appell verabschiedeten Forderungen tatsächlich auf die politische Agenda kommen und dann auch zeitnah im Gesetzgebungsverfahren umgesetzt werden können.

Der „Berliner Appel 2012“ im Wortlaut unter www.kindernetzwerk.de

Ausstellungseröffnung im Kleisthaus. Bundesbehindertenbeauftragter präsentiert inklusive Kunst

Am Donnerstag, den 29.03.2012 um 19:00 Uhr eröffnet der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, die diesjährige Frühjahrsausstellung im Kleisthaus in der Berliner Mauerstraße. Unter dem Titel „Arkadische Schatten – Die Erben des Kohlhaas zwischen Wille und Willkür“ präsentieren 23 Künstler mit und ohne Behinderung Werke rund um das Thema Barrieren und Ausgrenzung. Als Leitmotiv der Ausstellung dient Heinrich von Kleists Erzählung Michael Kohlhaas. Aus dieser wurden acht zentrale Zitate ausgewählt, die wichtige Aspekte dieses gesamtgesellschaftlich relevanten Themas aufgreifen. Die Ausstellung wird bis zum 23.05.2012 im Foyer des Kleisthauses zu sehen sein.

„Ich freue mich, dass in dieser Ausstellung verschiedene Kunstwerke präsentiert werden können, die thematisch alle eine Verbindung zu Kleist haben. Literarische Figuren und ihre Geschichten spiegeln der Gesellschaft Aspekte des Miteinanders wider. Inklusion heißt, dass jeder Mensch Zugang zu Kultur und Kunst hat und sich gemeinsam mit anderen damit auseinandersetzen kann“, so Hubert Hüppe.

Kenntnisse über die Erzählung Michael Kohlhaas sind für die Ausstellung nicht nötig. In knappen Worten wird zu Beginn auf den Inhalt verwiesen. Die dazu ausgewählten Kunstwerke porträtieren Menschen, die sich aus verschiedensten Gründen den Konsequenzen von Ausgrenzung durch Barrieren stellen müssen. Parallel zu den Zitaten aus dem Michael Kohlhaas wird den verschiedenen Positionen sowohl in Form von Malerei und Skulpturen als auch durch Ton- und Videoinstallationen auf den Grund gegangen. Welche oder welcher der Künstlerinnen und Künstler dabei eine Behinderung hat oder nicht wird nicht ersichtlich. Der Fokus liegt auf den Kunstwerken und deren Einzigartigkeit, die über den Bezug auf Kleists Kohlhaas einem gemeinsamen Thema zugeordnet werden. Der über die Kunst aufgegriffene Aspekt der Barrieren wird dabei den Besuchern der Ausstellung keine Hindernisse bereiten. Neben den barrierefreien Räumlichkeiten der Ausstellung werden zusätzlich Audioguides für Menschen mit Sehbehinderung sowie Informationen in Leichter Sprache angeboten. Über Führungen durch die Ausstellung für Menschen mit und ohne Behinderung wird rechtzeitig hingewiesen.

Mit der Frühjahrsausstellung läutet das Kleisthaus das Kulturprogramm 2012 ein. „Arkadische Schatten“ wird dabei von einem Rahmenprogramm bestehend aus Filmvorführung, Lesung und einer Podiumsdiskussion flankiert. Ab Mai gibt es dann wie jedes Jahr das Hörfilmkino und im Oktober die obligatorische Herbstausstellung. Das Kulturprogramm selbst besteht seit 2001 und soll im Dienstsitz des Bundesbehindertenbeauftragten ein Forum für die Belange behinderter Künstler bieten, wobei Themen rund um den Bereich „Inklusion und Kultur“ auf verschiedene Art und Weise betrachtet und zur Debatte gestellt werden.

Ausstellungseröffnung am 29.03.2012 um 19:00 Uhr
Ort:
Kleisthaus
Mauerstraße 53
10117 Berlin

Bundessozialgericht macht Weg frei für Persönliches Budget ohne Anbindung an Werkstätten für behinderte Menschen

„Das Bundessozialgericht macht in der jetzt vorliegenden Begründung zu seinem Urteil vom 30. November 2011 noch einmal deutlich, dass Menschen mit Behinderung Werkstattleistungen im Persönlichen Budget ohne Anbindung an eine Werkstatt für behinderte Menschen erhalten können. Es hat damit klargestellt, dass Leistungen für behinderte Menschen dem Menschen folgen und nicht umgekehrt. Diese Klarstellung ist ein deutliches Signal für mehr selbstbestimmte Teilhabe von Menschen mit Behinderung“, betont der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe.

Mit dem jetzt begründeten Urteil des Bundessozialgerichts ist eine entscheidende Frage geklärt, die bisher von vielen Kostenträgern anders beurteilt worden ist. „Menschen mit Behinderung können nach der Klarstellung des Bundessozialgerichts nicht mehr mit dem Hinweis abgespeist werden, ein Persönliches Budget von Werkstattleistungen ohne Anbindung an eine Werkstatt für behinderte Menschen sei vom geltenden Recht nicht gedeckt. Die Kostenträger sind jetzt gefordert, den berechtigten Wünschen der behinderten Menschen zu folgen“, erklärt Hubert Hüppe.

Das Bundessozialgericht hat in der Urteilsbegründung ausdrücklich die Bedeutung des Persönlichen Budgets nach § 17 SGB IX hervorgehoben. Das Persönliche Budget sei nicht bloß eine Form der Leistungserbringung. Menschen mit Behinderung sollen notwendige Leistungen selbst bestimmen und sich frei verschaffen können, dies sei bei der Auslegung der einschlägigen Rechtsgrundlage zu berücksichtigen, so das Bundessozialgericht.

Den Klarstellungen des Bundessozialgerichts liegt ein Fall eines Menschen mit sogenannter „geistiger Behinderung“ zugrunde, der außerhalb einer Werkstatt für behinderte Menschen ausgebildet wurde. Die Sache wurde zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an die Vorinstanz zurückverwiesen.

Das in § 17 des Neunten Sozialgesetzbuchs geregelte Persönliche Budget soll Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Menschen mit Behinderungen erhalten statt einer Sachleistung, wie Leistungen in bestimmten Einrichtungen, eine Geldleistung. Sie können sich die benötigten Leistungen einkaufen und dadurch mehr Einfluss auf die Leistungserbringung nehmen.

Werkstätten für behinderte Menschen sind nach § 136 des Neunten Sozialgesetzbuchs „Einrichtungen zur Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben“. In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Zahl der Werkstattplätze auf über 290.000 nahezu verdoppelt.

Welttag Down-Syndrom am 21. März – Menschen mit Down-Syndrom gehören überall dazu!

Der Welttag Down-Syndrom am 21. März soll die Situation von Menschen mit Down-Syndrom in die Öffentlichkeit rücken. „Menschen mit Down-Syndrom müssen in allen Lebensbereichen mitten in der Gesellschaft teilhaben können, ob in Kindertagesstätten, Schulen, der beruflichen Bildung, Arbeit, beim Wohnen oder in der Freizeit. Dies ist allerdings derzeit noch eher die Ausnahme als die Regel“, so der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe. Es gelte, weiter daran zu arbeiten, bestehende Strukturen aufzubrechen und inklusive Wege zu eröffnen. „Hier sind alle gefordert, Einrichtungs- und Kostenträger, Erziehungs- und Lehrpersonal, Schulleitungen und -träger, Unternehmen und Arbeitnehmervertreter, Kirchen sowie Verantwortliche in Bund, Ländern und Kommunen“, betont Hubert Hüppe.

Es gehe auch darum, Bewusstsein für die Situation von Menschen mit Down-Syndrom zu schaffen. „Die Menschen leiden nicht am Down-Syndrom, wie oft formuliert wird. Sie leiden allenfalls an oft immer noch bestehenden Vorbehalten in der Gesellschaft“, verdeutlicht der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe. Die Vorbehalte gingen teilweise soweit, dass Menschen mit Down-Syndrom das Lebensrecht abgesprochen werde, so Hubert Hüppe. Er verweist hierbei auf die bevorstehende Einführung eines Bluttests auf Down-Syndrom, der im Rahmen der Pränataldiagnostik angewandt werden soll. „Dieser Test ist nicht nur im hohen Maße diskriminierend, ich halte ihn auch für illegal. Er dient weder medizinischen noch therapeutischen Zwecken, sondern einzig und allein der Selektion von Menschen mit Down-Syndrom“, erklärt Hubert Hüppe.

Bereits heute sei die Praxis der Pränataldiagnostik nicht mit der Gesetzeslage konform. Zurzeit werden nach Schätzungen über 90 Prozent der Kinder mit Down-Syndrom abgetrieben. Das sei weder ethisch noch medizinisch begründbar, so Hubert Hüppe. „Der Druck auf Paare abzutreiben, wird mit Einführung des Tests noch steigen, weil zukünftig ein einfacher Bluttest reicht. Der Test wird sich auch nicht auf einzelne Fälle begrenzen lassen, anders als derzeit versichert wird“, so Hubert Hüppe. Diese Ankündigungen habe es schon gegeben als die Pränataldiagnostik eingeführt wurde, die im Laufe der Jahre zum Standard geworden ist. „Der Mensch nach Maß darf nicht zum Maßstab werden“, betont der Behindertenbeauftragte.

Der Welttag Down-Syndrom findet in diesem Jahr zum ersten Mal als offizieller Tag der Vereinten Nationen statt. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hatte im Dezember 2011 den Welttag Down-Syndrom anerkannt. Der 21. März ist als Tag bewusst gewählt. Bei Menschen mit Down-Syndrom ist das 21. Chromosom drei-, nicht zweimal vorhanden.

Behinderte Schüler nicht im Stich lassen – zusätzliche Kooperationsmöglichkeiten von Bund und Ländern bei der Bildung eröffnen

Anlässlich der von der Koalition geplanten erweiterten Kooperationsmöglichkeit von Bund und Ländern erklärt SoVD-Präsident Adolf Bauer:

Die vom Koalitionsausschuss geplante Erweiterung der Kooperationsmöglichkeiten von Bund und Ländern im Hochschulbereich ist richtig und greift doch zu kurz. Denn das strikte Kooperationsverbot darf nicht länger als Begründung dafür dienen, das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern zu verhindern. Deshalb muss die Bundesregierung jetzt konsequent sein und das strikte Kooperationsverbot auch im schulischen Bereich aufbrechen. Dann kann der Bund die für die Verwirklichung der inklusiven Bildung dringend benötigten Förderprogramme auflegen. Insbesondere ein Förderprogramm für barrierefreie Schulen ist dringend erforderlich, um die Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention im Bereich der Bildung in Deutschland endlich auf den Weg zu bringen. Bund und Länder müssen hier vereint vorangehen.

Gesundheitsminister Bahr nimmt Dokumentation zur Gesundheit für behinderte Menschen entgegen – Treffen mit Inklusionsbeirat

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr hat in dieser Woche persönlich die Dokumentation der Tagungsreihe „Teilhabe braucht Gesundheit!“ des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, entgegengenommen.

„Die Dokumentation gibt die Erfahrungen und Forderungen vieler Menschen mit Behinderung im Gesundheitswesen wieder, die bei der Tagung dabei waren. Deshalb kann sie auch Leitfaden und Impuls für die Arbeit des Bundesgesundheitsministeriums sein“, betonte Hüppe anlässlich der Übergabe an Bahr am Amtssitz des Beauftragten in Berlin. Er verwies darauf, dass mit dem Versorgungsstrukturgesetz bereits etliche Forderungen der Tagungsreihe aufgenommen werden konnten. Hierzu gehörten etwa Änderungen bei Richtgrößen und Wirtschaftlichkeitsprüfungen bei Arznei- und Heilmitteln, die zu einer besseren Versorgung führen, Verbesserungen der zahnärztlichen Versorgung von pflegebedürftigen und behinderten Menschen, der langfristigen Heilmittelversorgung und der ärztlichen Versorgung in ländlichen Gebieten.

Weiterer Handlungsbedarf bestehe aber insbesondere bei der Barrierefreiheit von Arztpraxen und Kliniken und der Ausbildung des medizinischen Personals, so der Beauftragte. Es komme immer wieder vor, dass eine Beratung über die Köpfe behinderter Menschen hinweg mit Betreuern und Assistenten stattfinde. Viele seien auch unsicher bis unwissend, manche ignorant bei der Behandlung von Menschen mit Behinderungen, betonte der Beauftragte.

Hiervon berichteten auch die Mitglieder des Inklusionsbeirats beim Behindertenbeauftragten, mit denen sich Bahr im Anschluss an die Übergabe der Dokumentation austauschte. In dem Gespräch wurde etwa von einem Fall berichtet, in denen eine hochschwangere Frau mit Querschnittslähmung von mehreren Kliniken abgewiesen wurde. Ärzte und Hebammen wussten nicht, wie sie bei der Frau entbinden sollten. Andere Mitglieder forderten etwa Leichte Sprache bei der Beratung und Behandlung von Menschen mit sogenannter „geistiger Behinderung“ und barrierefreie Medizinprodukte. Es wurde auch eingefordert, im Bundesgesundheitsministerium – wie in anderen Ministerien, Behörden und Stellen auch – die Belange von Menschen mit Behinderungen bei allen Vorhaben und Entscheidungen im Sinne eines „disability-mainstreaming“ zu berücksichtigen und ihre gleichberechtigte Teilhabe durchzusetzen. Dies sehe nicht zuletzt die UN-Behindertenrechtskonvention vor, so Mitglieder des Inklusionsbeirates.

Bahr machte deutlich, dass das Gesundheitsministerium sich an der UN-Behindertenrechtskonvention orientiere und er dies auch von anderen Stellen einfordere: „In unserem Gesundheitssystem sind Leistungserbringer und Krankenkassen verpflichtet, den besonderen Belangen behinderter und chronisch kranker Menschen Rechnung zu tragen. Dieser gesetzlich verankerte Grundsatz muss im Alltag gelebt werden, um Teilhabe umfassend zu ermöglichen. Hier besteht noch Verbesserungsbedarf und deshalb wird das Bundesgesundheitsministerium mit den Ländern und der Ärzteschaft im Rahmen des Nationalen Aktionsplans der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ein Gesamtkonzept zur Förderung entsprechender Initiativen erarbeiten. Ich bin zuversichtlich, dass alle Verantwortlichen hier gemeinsam helfen, sprichwörtlich „den Weg frei zu machen“, um noch bestehende Barrieren abzubauen und Inklusion selbstverständlich zu leben. Für den wichtigen Beitrag und ihr Engagement danke ich allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Inklusionsbeirates ganz herzlich.“

Die Tagungsreihe „Teilhabe braucht Gesundheit! – Gesundheit für Menschen mit Behinderung – Zwischen Ansprüchen der UN-Behindertenrechtskonvention, Kostendämpfung und Wirklichkeit“ fand von November 2010 bis September 2011 statt. In vier Tagungen und einer Abschlussveranstaltung wurden die Themen: „Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen“, „Patientenversorgung“, „Hilfsmittelversorgung“, „Problematik zwischen Arznei- und Heilmittelversorgung“ behandelt.

Der Inklusionsbeirat ist wichtigster Teil der Koordinierungsstelle zur UN-Behindertenrechtskonvention nach Art. 33 der UN-BRK, die der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung verantwortet. In ihm sind mehrheitlich Menschen mit Behinderungen vertreten. Die Koordinierungsstelle hat unter anderem die Aufgabe, die Umsetzung der UN-BRK zu unterstützen und verschiedene Akteure der Gesellschaft einzubinden.