Dank Fressnapf-Spende: Happy End für Jenson und Doreen

Dank einer Spende von Fressnapf ist die Finanzierung der Assistenzhündin Doreen für den körperbehinderten Jenson Göb gesichert. Fressnapf war Hauptsponsor der Benefiz-Gala „Don’t Stop Believin‘“, in deren Rahmen am vergangenen Samstag namhafte Künstler um Musical-Star und Gala-Initiator Bernie Blanks für den guten Zweck aufgetreten sind: 25.000 Euro, die Kosten für die Ausbildung eines Assistenzhundes, galt es zu sammeln, damit Jenson seine Doreen für immer mit nach Hause nehmen kann. Sponsorengelder und Spendenaktionen reichten jedoch schlussendlich nicht aus, um die volle Summe aufzubringen. Als Fressnapf-Sprecher Achim Schütz im RuhrCongress Bochum die Gala-Bühne betrat, wartete er mit einer Überraschung auf: Im Namen von Fressnapf stockte er die noch fehlende Summe spontan auf und sicherte damit die gemeinsame Zukunft von Jenson und Doreen.

Der 10-jährige Jenson leidet an Muskelschwund und sitzt im Rollstuhl. Mehr als alles in der Welt wünschte sich Jenson einen Assistenzhund, der ihm als helfende Pfote durch den Alltag begleitet, ihm nicht nur Türen öffnet und Schuhe auszieht, sondern Mut, Selbstbewusstsein und Lebenskraft gibt. Allein die 25.000 Euro, die die Ausbildung eines solchen Assistenzhundes beim Verein Vita Assistenzhunde kostet, konnte die Familie nicht aufbringen. „Daran kann und darf es nicht scheitern, dass Jenson und Doreen ein starkes Team werden“, erklärt Achim Schütz. „Uns ist es eine Herzensangelegenheit, dass die beiden zusammenkommen. Dafür geben wir gerne Geld, dafür unterstützen wir als Sponsor die Benefiz-Gala ‚Don’t Stop Believin‘‘.“

Zum zweiten Mal haben sich Bernie Blanks, seine Freunde aus der internationalen Musical-Szene und Fressnapf gemeinsam engagiert, um einen körperbehinderten Menschen und einen Assistenzhund von Vita zusammenzubringen. Im letzten Jahr waren die Gelder der Gala Dominique Kogut und ihrem Hund Miss Sophie zugutegekommen, in diesem Jahr wurde für Jenson und Doreen ein Traum wahr. „Mensch und Tier gehen hier eine einzigartige Partnerschaft ein. Was die Assistenzhunde für ihre körperbehinderten Partner leisten, ist unermesslich und faszinierend. Als Förderer der Beziehungen zwischen Mensch und Tier können sich der Verein Vita und die Gala-Veranstaltung „Don’t Stop Believin‘“ in Zukunft der Unterstützung von Fressnapf sicher sein“, so Schütz.

Eingliederungshilfe für behinderte Menschen: Zahl der Empfänger 2010 um 6,2 % gestiegen

WIESBADEN – Im Jahr 2010 erhielten in Deutschland rund 770 000 Personen Eingliederungshilfe für behinderte Menschen nach dem 6. Kapitel des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch (SGB XII). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, stieg die Zahl der Hilfeempfänger gegenüber dem Vorjahr um 6,2 %.

Die Eingliederungshilfe hat die Aufgabe, eine drohende Behinderung zu verhüten, eine vorhandene Behinderung oder deren Folgen zu beseitigen beziehungsweise zu mildern und die Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft einzugliedern.

Im Jahr 2010 waren die Empfänger von Eingliederungshilfe für behinderte Menschen im Durchschnitt 32 Jahre alt. Gemäß dem gesetzlich festgelegten Grundsatz „ambulant vor stationär“ hat sich die Leistungserbringung in den letzten Jahren kontinuierlich zu den außerhalb von Einrichtungen erbrachten Hilfen verschoben: 2010 erhielten 43 % der Hilfebezieher Leistungen außerhalb von Einrichtungen, 1998 waren es lediglich 26 %.

Die Eingliederungshilfe für behinderte Menschen ist finanziell die mit Abstand wichtigste Hilfeart der Sozialhilfe: Im Jahr 2010 wurden hierfür 12,5 Milliarden Euro netto aufgewendet. Das war über die Hälfte (57 %) der gesamten Sozialhilfeausgaben in Höhe von 21,7 Milliarden Euro netto.

Verbesserungen für Menschen mit Behinderung durch Versorgungsstrukturgesetz

„Das heute beschlossene Versorgungsstrukturgesetz enthält etliche Verbesserungen für Menschen mit Behinderung“, so der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe. Damit seien auch Forderungen der Tagungsreihe „Teilhabe braucht Gesundheit“ aufgegriffen worden, die zwischen November 2010 und September 2011 zur Gesundheit für Menschen mit Behinderungen stattfand. Etwa könnten anzuerkennende Praxisbesonderheiten mit dem Versorgungsstrukturgesetz nunmehr verbindlich festgelegt werden, so Hubert Hüppe.

Er verwies darauf, dass Ärzte derzeit häufig befürchteten, in Regress genommen zu werden, wenn sie vorgegebene Richtgrößen überschreiten. Hieraus folge die Gefahr, dass bestimmte Behandlungen nicht mehr vorgenommen werden, obwohl sie notwendig sind, so Hubert Hüppe. Versicherte, bei denen langfristig Heilmittelbehandlungen erforderlich sind, können sich mit dem Versorgungsstrukturgesetz die benötigten Heilmittel für einen längeren Zeitraum von ihrer Krankenkasse genehmigen lassen. Dies verschafft Versicherten die Sicherheit, die benötigten Heilmittel für diesen Zeitraum zur Verfügung zu haben.

„Ein großes Problem für viele Menschen mit Behinderung ist auch die ärztliche Versorgung in ländlichen Regionen. Hier ist es besonders für gehbehinderte Menschen wichtig, kurze Wege zum Arzt zu haben. Ich erhoffe mir von den jetzt geregelten finanziellen Anreizen für Ärzte, dass diesem Problem begegnet wird“, so Hubert Hüppe. Falls der Anreiz nicht greife, müsse man andere Wege suchen.

Als positiv schätze er ebenfalls ein, dass zukünftig die ambulante gegenüber der stationären Rehabilitation gestärkt werden soll, so der Beauftragte. Das Versorgungsstrukturgesetz sehe hierfür einheitliche Versorgungsverträge für ambulante und stationäre Rehabilitationseinrichtungen vor.

Ebenso greife das Gesetz das Problem mangelnder zahnärztlicher Versorgung von Menschen mit Behinderung oder Pflegebedürftigkeit auf. Die im Gesetz vorgesehenen Vergütungszuschläge für die aufsuchende Versorgung pflegebedürftiger und behinderter Menschen stellten eine Verbesserung der zahnärztlichen Versorgung von Menschen in Aussicht, die aufgrund ihrer Behinderung nicht in eine Praxis kommen können. „Die Mängel bei der zahnärztlichen Versorgung von Menschen mit Behinderung sind hiermit noch nicht abgestellt, aber es ist ein erster Schritt“, so der Beauftragte.

Er begrüßte ebenfalls, dass die elektronische Gesundheitskarte mit Braille-Schrift ausgestattet sei. Blinde Menschen könnten die Gesundheitskarte so von anderen Karten unterscheiden.

„Eine inklusive Gesellschaft kann allerdings nur erreicht werden, wenn weitere Schritte zur Verbesserung der medizinischen Versorgung von Menschen mit Behinderung folgen. Insbesondere barrierefreie Arztpraxen und die Sensibilisierung und eine bessere Ausbildung von medizinischem Personal bleiben weiter auf der Tagesordnung“, so Hubert Hüppe.

Behindertenbeauftragter der Bundesregierung unterstützt Antrag auf Ausweitung des barrierefreien Filmangebots

„Der gestern im Bundestag beratene Antrag der Koalitionsfraktionen zur Ausweitung des barrierefreien Filmangebots verdeutlicht das Recht von Menschen mit Behinderung auf Kunst und Kultur. Er zeigt ebenso deutlich noch bestehende Defizite im Bereich des barrierefreien Filmangebots auf“, betonte der Beauftagte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe.

Der Antrag stelle klar heraus, dass bestehende Anreize für barrierefreie Filmangebote derzeit nicht ausreichend greifen und hierfür vor allem ein fehlendes Bewusstsein der Beteiligten für die Problematik verantwortlich ist, so der Beauftragte. „Angesichts der Kosten in Höhe von etwa 5.000€ für die Audiodeskription eines Films von 90 Minuten und zirka 1.000€ für eine Untertitelung kann die Zurückhaltung in der Filmbranche nicht an zu hohen Mehrkosten liegen. Es ist richtig, verstärkt zu sensibilisieren und Verpflichtungen vorzusehen, wenn sich die Situation nicht zeitnah bessert“, betonte Hubert Hüppe mit Verweis auf Forderungen aus dem Antrag.

Mehr Jobs für behinderte Menschen gefordert

„Solange Menschen mit Behinderung ausgegrenzt und benachteiligt werden, haben wir das Ziel noch lange nicht erreicht, Chancengleichheit für sie herzustellen und ihnen eine gleichberechtigte berufliche und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.“ Das erklärte die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Ulrike Mascher, heute in Berlin auf der Veranstaltung „Menschenrechte – nicht mehr und nicht weniger!“ des Deutschen Behindertenrats (DBR). Im Zuge der Veranstaltung, die anlässlich des morgigen Welttags der Menschen mit Behinderung stattfand, übernahm der Sozialverband VdK turnusgemäß den DBR-Vorsitz.

„Es ist ein Skandal, wenn 37.500 der 137.000 beschäftigungspflichtigen Betriebe in Deutschland keinen einzigen Schwerbehinderten beschäftigen“, kritisierte die VdK-Präsidentin. Sie fordert deshalb, dass Unternehmen, die ihrer Beschäftigungspflicht nicht nachkommen, in Zukunft eine höhere Ausgleichsabgabe zahlen sollen. Außerdem, so Mascher weiter, müssten berufliche Wiedereingliederungsmaßnahmen ohne Ausnahmen Pflichtleistungen der Arbeitsagentur bleiben. „Hier darf es keine Änderungen zu Lasten behinderter und kranker Menschen geben.“

„Arbeitsschwerpunkt des DBR im Jahr 2012 wird deshalb sein, die berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben zu verbessern“, so Mascher. „Denn der Aufschwung am Arbeitsmarkt ist bei den Menschen mit Behinderung bisher nicht angekommen. Noch immer haben sie zu wenig Chancen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.“

„Menschen mit Behinderung haben ein Recht auf eine selbstbestimmte Teilhabe in allen Bereichen gesellschaftlichen Lebens. Denn niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden – so steht es im Grundgesetz“, betonte Mascher. Mit dem Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention hat die Bundesregierung zwar in diesem Jahr ein Dokument verabschiedet, das eine wesentliche Verbesserung von Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderung bilden soll. Doch aus Sicht der Behindertenverbände greift der Aktionsplan nicht weit genug. „Nicht akzeptabel ist vor allem, dass die vorgesehenen Maßnahmen von der Haushaltslage abhängig gemacht werden sollen. Menschenrechte darf man aber nicht unter einen Kostenvorbehalt stellen“, so VdK-Präsidentin Mascher. Nicht hinnehmbar sei zudem, dass der Aktionsplan keine rechtlichen Garantien enthält. Ohne entsprechende Änderungen in den Büchern des Sozialgesetzbuchs, im Behindertengleichstellungsgesetz und in den anderen relevanten Gesetzen drohe er deshalb zu einer gut gemeinten Absichtserklärung zu verkümmern.

„Zentrale Grundlage für das gleichberechtigte Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung bildet der Abbau von Vorurteilen. Je früher man damit beginnt, desto leichter lassen sich Barrieren in den Köpfen überwinden.“ Deshalb fordert die VdK-Präsidentin, dass behinderte Kinder die Regelschule besuchen und Förderschulen nur in begründeten Ausnahmefällen.

In Deutschland leben rund 9,6 Millionen Menschen mit einer Behinderung. Die Mehrzahl davon – 7,1 Millionen – lebt mit einer schweren Behinderung, 2,5 Millionen mit einer leichteren.

Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember 2011 im Zeichen der UN-Behindertenrechtskonvention

„Bereits 153 Staaten haben die UN-Behindertenrechtskonvention weltweit unterzeichnet, 106 haben sie ratifiziert. Dies schafft Chancen, weltweit Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen abzubauen und Teilhabe zu ermöglichen“, so der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe anlässlich des von den Vereinten Nationen initiierten „Internationalen Tags der Menschen mit Behinderung“ am 3. Dezember. In Deutschland habe man auf Bundesebene mit dem Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung einen ersten Schritt getan, so Hubert Hüppe. Der Aktionsplan müsse allerdings noch umgesetzt und konkreter ausgestaltet werden. „Es besteht weiterhin Handlungsbedarf in allen Lebensbereichen, vom Wohnen, Lernen und Arbeiten bis zum Freizeitbereich“, betonte der Beauftragte. International anerkannt werde der Weg Deutschlands, eine Staatliche Anlaufstelle, eine unabhängige Koordinierungsstelle und die unabhängige Monitoringstelle zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtkonvention geschaffen zu haben. Diese Kombination suche man in vielen Staaten vergeblich, verdeutlichte Hubert Hüppe. Insbesondere werde positiv bewertet, dass es mit dem Inklusionsbeirat als Kernstück der Koordinierungsstelle ein Gremium gibt, das fast ausschließlich aus Menschen mit Behinderung besteht. Diese Form der Beteiligung sei in vielen Staaten noch nicht umgesetzt, so der Beauftragte. Der Inklusionsbeirat reagiert auf aktuelle Entwicklungen, die Menschen mit Behinderungen betreffen und weist die verantwortlichen Stellen auf die Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention hin. Ihm sind außerdem beratende Fachausschüsse zu unterschiedlichen Themen zugeordnet. Mit den Fachausschüssen bindet der Inklusionsbeirat unterschiedliche gesellschaftliche Akteure in den Umsetzungsprozess ein. „Die UN-Behindertenrechtskonvention kann aber nicht allein durch die geschaffenen Institutionen mit Leben erfüllt werden. Vielmehr kommt es darauf an, dass jeder mitmacht, Bund, Länder und Gemeinden, soziale Dienstleister, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Kindergärten, Schulen, Kirchen und Vereine“, betonte der Beauftragte.

Behindertenbeauftragter der Bundesregierung begrüßt wegweisende Klarstellung des Bundessozialgerichts zum Persönlichen Budget von Werkstattleistungen

„Menschen mit Behinderungen können nach der Klarstellung des Bundessozialgerichts damit rechnen, zukünftig Werkstattleistungen ohne Anbindung an eine Werkstatt für behinderte Menschen in Anspruch nehmen zu können. Diese Klarstellung ist wegweisend für mehr Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im Arbeitsleben. Sie verdeutlicht auch, dass im Rahmen des Persönlichen Budgets Leistungen dem Menschen folgen und nicht umgekehrt“, verweist der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, auf eine Entscheidung des Bundessozialgerichts vom heutigen Tage. In dem zu entscheidenden Fall ging es um einen behinderten Menschen, der im Rahmen eines Persönlichen Budgets Werkstattleistungen ohne Anbindung an eine anerkannte Werkstatt für behinderte Menschen erhalten wollte. Das Bundessozialgericht stellte klar, dass Werkstattleistungen nicht deshalb verweigert werden dürften, weil ein behinderter Mensch eine Einrichtung wählt, die keine anerkannte Werkstatt ist. Es betonte hierbei den Zweck des Persönlichen Budgets, behinderten Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. „Die Kostenträger sind jetzt aufgerufen, der Klarstellung des Bundessozialgerichts zu folgen und Werkstattleistungen auch ohne Anbindung an Werkstätten für behinderte Menschen zu gewähren“, so der Beauftragte.