Hartz IV-Benachteiligung behinderter Menschen beenden

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) und der Sozialverband VdK Deutschland fordern ein Ende der Benachteiligung von behinderten Menschen bei den Grundsicherungsleistungen. „Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen deutlich: Der Gesetzgeber muss die Ungleichbehandlung endlich korrigieren und den betroffenen Menschen zu ihrem Recht verhelfen. Geschieht dies nicht, sind wir bereit einzugreifen und Musterklagen ins Auge zu fassen“, erklärte SoVD-Präsident Adolf Bauer anlässlich des heute veröffentlichten Gutachtens der Hans Böckler Stiftung zur Neuregelung der Regelbedarfe bei Arbeitslosengeld II und Sozialhilfe.
„Es ist für erwachsene Menschen mit Behinderung, die noch bei ihren Eltern leben, bitter, dass die Zusage der Bundesregierung immer noch nicht eingelöst wurde. Monat für Monat werden ihnen 73 Euro vorenthalten. Es muss noch in diesem Jahr der volle Regelsatz kommen“, fordert Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland.
Die Bundesregierung hatte im Vermittlungsverfahren zum Hartz IV-Kompromiss zugesagt, die neue Regelung mit dem Ziel zu prüfen, behinderten Menschen den vollen Regelsatz zu ermöglichen.
Durch die zurückliegende Regelsatzreform erhalten Menschen mit Behinderungen ab dem 25. Lebensjahr, die mit anderen Erwachsenen in einem gemeinsamen Haushalt leben, einen Regelbedarf von 291 Euro. Das sind 80 Prozent des vollen Hartz IV-Regelbedarfs von 364 Euro und damit 73 Euro weniger, als Menschen ohne Behinderungen beziehen. VdK und SoVD hatten dies bereits im Rahmen der Debatte um die Neuberechnung der Regelbedarfe scharf kritisiert.

Beim „Gemeinsamen Lernen“ von Kindern mit und ohne Behinderung liegt Nordrhein-Westfalen unter dem Bundesdurchschnitt.

Nach Recherchen der Aktion Mensch lernen nur 16,7 Prozent der Kinder mit Förderbedarf an Regelschulen. Bundesweit betrug der Anteil zuletzt 20,1 Prozent, neue Zahlen wird die Kultusministerkonferenz frühestens im November veröffentlichen. Dabei sind die Unterschiede zwischen den Städten groß: Während in Bonn 23 Prozent der Kinder mit Förderbedarf eine weiterführende Schule besuchen, sind es in Gelsenkirchen lediglich zwei Prozent. Diese Differenz wird bei den Grundschulen noch deutlicher: Fast 40 Prozent der Kinder werden in Remscheid inklusiv unterrichtet, in Bottrop sind es dagegen nur vier Prozent.

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Die Grünen) sieht Nordrhein-Westfalen trotzdem auf einem guten Weg: „Der sich aus der UN-Behindertenrechtskonvention ergebene Auftrag, ein inklusives Bildungssystem zu gewährleisten, ist eine Mammut-Aufgabe.“ Diese sei nur über mehrere Schritte in einem mittelfristigen Zeitraum zu absolvieren. Die Landesregierung hat für das kommende Schuljahr 2011/12 rund 400 zusätzliche Lehrerstellen zur Verfügung gestellt. Es solle nicht länger beim Wechsel zur weiterführenden Schule Schluss mit der inklusiven Bildung sein, so Löhrmann weiter. Denn: Während ein Viertel der Grundschüler mit Förderbedarf im NRW-Durchschnitt inklusiv unterrichtet werden, besuchen danach nur noch elf Prozent die weiterführende Schule. Nach der UN-Behindertenrechtskonvention, die in Deutschland seit 2009 in Kraft ist, darf niemand aufgrund seiner Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW kritisiert die Vorgaben der Landesregierung. „Nur ein Fortbildungstag pro Jahr und Schule, um die Lehrer auf inklusiven Unterricht vorzubereiten, ist eindeutig zu wenig“, sagt deren Vorsitzende Dorothea Schäfer. Auch seien die Klassen mit bis zu 30 Schülern zu groß. Bei fünf Kindern mit Förderbedarf liege die optimale Klassengröße bei nicht mehr als 20 Kindern. Darüber hinaus sei eine Doppelbesetzung mit Sonderpädagogen und Regelschullehrkräften erforderlich.

Die Aktion Mensch sieht großen Handlungsbedarf: „Es ist immer noch weitverbreitete Ansicht, dass Kinder mit Behinderung nur in der Sonder- oder Förderschule gut aufgehoben sind oder sie sogar das Fortkommen anderer auf der Regelschule bremsen“, sagt Martin Georgi, Vorstand der Aktion Mensch und Mitglied im Expertenkreis „Inklusive Bildung“ der deutschen UNESCO-Kommission.

Ein einheitliches Schulsystem mit weniger Schultypen ist auf Dauer auch kostengünstiger, meint Andreas Hinz, Inklusionspädagoge der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. „Mit einem voll ausgestatteten sonderpädagogischem System plus einem Gemeinsamen Unterricht an Regelschulen leistet sich Deutschland im Moment das denkbar teuerste Schulsystem überhaupt.“

TV-Spendengala zu Gunsten krebskranker Menschen Carmen Nebel

Am Samstag, dem 24. September 2011, ruft das ZDF zur Hilfe für krebskranke Menschen auf. Um 20.15 Uhr startet die große Spendengala „Willkommen bei Carmen Nebel“ aus der GETEC Arena in Magdeburg. Dabei bittet Carmen Nebel, die Botschafterin der Deutschen Krebshilfe, um Spenden für die gemeinnützige Organisation. Im Mittelpunkt der Show steht ein unterhaltsames Abendprogramm – musikalisch umrahmt von Stars wie Andrea Berg, DJ Ötzi, Mireille Mathieu, Jürgen von der Lippe, Karel Gott, Maite Kelly und die Popband Klee. Außerdem werden beispielhaft Menschen und Projekte vorgestellt, die tapfer und erfolgreich gegen den Krebs kämpfen.

„Die Spendenbereitschaft in Deutschland ist vorbildlich. Im Kampf gegen den Krebs hat sie bereits vielen Menschen das Leben gerettet und die Forschung vorangebracht. Jede Spende hilft, die Volkskrankheit Krebs weiter zurückzudrängen und am Ende hoffentlich zu besiegen. So hat sich Mildred Scheel die Bürgerbewegung Deutsche Krebshilfe vorgestellt“, sagt Dr. h.c. Fritz Pleitgen, Präsident der Deutschen Krebshilfe. Für Carmen Nebel ist es eine Herzensangelegenheit, sich für krebskranke Menschen einzusetzen: „Krebs kann jeden treffen, aber wir alle können auch helfen“, so die beliebte TV-Moderatorin, die seit März 2010 als Botschafterin der Deutschen Krebshilfe aktiv ist. Im letzten Jahr konnte Nebel in ihrer Sendung über 3,7 Millionen Euro für krebskranke Menschen sammeln.

Der Deutschen Krebshilfe stehen für ihre Arbeit ausschließlich Spenden, Aktionserlöse, Erbschaften und Vermächtnisse zur Verfügung. Während der ZDF-Gala und anschließend noch bis 24 Uhr sowie am Sonntag von 9 bis 13 Uhr können die Zuschauer telefonisch spenden unter der Aktionstelefonnummer 01 80 – 2 10 10 30 (6 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, 42 Cent pro Minute aus dem Mobilfunknetz) oder über die Faxnummer 01 80 – 2 10 10 50. Die Kontonummer der Deutschen Krebshilfe lautet: 82 82 82 bei der Kreissparkasse Köln (BLZ 370 502 99).

Führung für Rollstuhlfahrer und gehbehinderte Menschen durch das Freilichtmuseum Beuren

Für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Geheinschränkung gibt es im September eine öffentliche Führung durch das Freilichtmuseum Beuren, zu der man sich ab sofort anmelden kann. Die Führung, ausgerichtet an den Bedürfnissen dieser Gruppe findet am Samstag, dem 17. September, um 14 Uhr statt. Sie gehört zur Reihe der „Angebote für Menschen mit Behinderung„. Die Voranmeldung zu der Sonderführung ist erforderlich, weil die Teilnehmerzahl begrenzt ist. Die Führung dauert etwa eine Stunde und ist im Museumseintritt enthalten. Das Angebot kann selbstverständlich von behinderten und nicht behinderten Menschen gemeinsam genutzt werden. Gesonderte Parkplätze für Rollstuhlfahrer sind am unteren Museumseingang ausgewiesen, der Museumseingang ist von hier aus ohne größere Steigungen erreichbar. Die geführte Route durchs Museum ist mit dem Rollstuhl zu bewältigen, eine Begleitperson kann zusätzlich gute Dienste tun.

Ausgewählte historische Gebäude, wie die aus dem 15. Jahrhundert stammende Gärtringer Scheuer oder das Wohn-Stall-Haus aus Beuren, ausgestattet mit dem Inventar aus der Zeit um 1800, sind partiell für Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer zugänglich. Sie machen den Besuch zu einem kurzweiligen Erlebnis. Ganz „barrierefrei“ können die Wege zwischen und in den Häusern des Freilichtmuseums nicht sein, weil das Muse-um sich zugleich um Authentizität bemüht und historische Bausubstanz zu bewahren hat. So sind dem technisch Machbaren im Museum Grenzen auferlegt. Die Wege im Museumsgelände sind nicht asphaltiert, Aufzüge in den Treppenhäusern gibt es nicht. Es gibt kleine Bodenunebenheiten oder niedrige Türschwellen. Die eine oder andere Barriere auf dem Rundweg wird in einem übertragenen Sinne überwunden werden: Geschichten, Fotografien und Gegenstände zum Anschauen und Ausprobieren stellen Bezüge zu jenen Räumen her, die mit dem Rollstuhl nicht zugänglich sind.

Das Freilichtmuseum des Landkreises Esslingen in Beuren ist in der Saison 2011 bis 6. November täglich, dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Die Angebote des Freilichtmuseums für Menschen mit Behinderung werden in einem Faltblatt vorgestellt, das kostenlos erhältlich ist.

Weitere Informationen und Anmeldung: Freilichtmuseum Beuren, In den Herbstwiesen, 72660 Beuren, Infotelefon 07025 91190-90, Fax 07025 91190-10, E-Mail: in-fo@freilichtmuseum-beuren.de. (fair-NEWS) – (lifepr)

Rollstuhlfahrer tragen höheres Risiko für Schulterverletzungen

Querschnittgelähmte, die vollständig auf den Rollstuhl angewiesen sind, erleiden früher und häufiger Bänderrisse in der Schulter als Menschen, die nicht im Rollstuhl sitzen. Diesen Zusammenhang belegte Dr. Michael Akbar von der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg und zeigte erstmals, dass der Verschleiß des Schultergelenks primär von der Länge der Zeit im Rollstuhl und weniger vom Alter der Betroffenen abhängt. Für seine Arbeit, die 2010 im „Journal of Bone and Joint Surgery“ veröffentlicht wurde, ist der Mediziner im Juni 2010 mit dem Vernon L. Nickel Award der American Orthopedic Rehabilitation Association ausgezeichnet worden. Das Preisgeld betrug 1.500 US-Dollar.

Das Schultergelenk wird hauptsächlich durch Sehnen und Muskeln stabilisiert. Sich ständig wiederholende Bewegungen und starke Belastungen in Schulter- und über Kopfhöhe fördern vermutlich den Verschleiß der Weichteile: Besonders die Sehnen können ganz oder teilweise reißen. Auch zunehmendes Alter erhöht das Risiko für Muskelsehnenrisse, sogenannte Rotatorenmanschettenrupturen, in der Schulter.

Rollstuhlfahrer können starke Belastung der Schulter nicht vermeiden

Bei querschnittgelähmten Menschen ist die starke Beanspruchung der Schultergelenke unumgänglich: Betroffene bewegen mit den Armen den Rollstuhl, stemmen sich ins Auto oder Bett, erreichen Waren in Einkaufsregalen und Gegenstände des alltäglichen Lebens häufig nur in oder über Kopfhöhe und heben Lasten auf Brusthöhe oder darüber.

In der ausgezeichneten Studie untersuchte ein Team um Dr. Michael Akbar, Oberarzt an der Orthopädischen Universitätsklinik, mit Hilfe der Kernspintomographie, ob querschnittgelähmte Rollstuhlfahrer häufiger Sehnenrisse in der Schulter erleiden als Menschen, die nicht im Rollstuhl sitzen. An der Studie nahmen 100 Rollstuhlfahrer teil, die im Durchschnitt 50 Jahre alt und seit mindestens 30 Jahren auf den Rollstuhl angewiesen waren. Die Vergleichsgruppe bestand aus 100 nicht-querschnittgelähmten Freiwilligen gleichen Alters und Geschlechts.

Ergebnisse sollen Rehabilitation verbessern.

Die Studie ergab: Während sich 63 der 100 untersuchten Rollstuhlfahrer (63 Prozent) im Laufe ihres Lebens einen Sehnenriss in der Schulter zugezogen hatten, waren es nur 15 Personen der Kontrollgruppe (15 Prozent). „Damit sind Sehnenrisse der Schulter bei Rollstuhlfahrern mehr als viermal häufiger als bei Nicht-Rollstuhlfahrern“, erklärt Dr. Akbar.

Außerdem zeigte sich, dass Sehnenrisse bei Rollstuhlfahrern deutlich früher auftreten als beim Durchschnitt der Bevölkerung: „Laut Literatur kommen Muskelsehnenrisse der Schulter bei rund 40 Prozent der über 70-Jährigen vor und sind mit zunehmendem Alter häufiger“, so der Orthopäde. Bei den betroffenen 63 Prozent der Testpersonen im Rollstuhl rissen die Sehnen dagegen im Durchschnitt mit 50 Jahren, die jüngsten Patienten mit Rotatorenmanschettenrupturen waren 35 Jahre alt. „Die Rotatorenmanschettenruptur ist bei Rollstuhlfahrern also nicht als altersbedingte Verschleißerscheinung anzusehen, sondern das Risiko steigt mit der Zeit im Rollstuhl“, folgert Dr. Akbar.

Für querschnittgelähmte Menschen sind Sehnenrisse in der Schulter besonders kritisch: Bleibt der Arm nur noch eingeschränkt belastbar, schränkt das Selbständigkeit und Mobilität erheblich ein.

Die Ergebnisse sollen nun dazu beitragen, die Leitlinien für die Rehabilitation zu verbessern. „Wichtig ist eine gezielte Kräftigung der Schultermuskulatur um den Verschleiß der Sehnen zu verringern und die Zeit bis zum Sehnenriss zu verlängern“, sagt Dr. Akbar. Darüber hinaus will er in weiteren Studien prüfen, welche Bewegungsmuster besonders schädlich sind und ob z.B. Sport im Rollstuhl das Risiko für Sehnenrisse erhöht oder vermindert.

Weitere Informationen im Internet:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Dr-med-Michael-Akbar.112043.0.html?&L=deNavigation.htm

Gesund beginnt im Mund. Zahngesundheit bei Menschen mit Behinderungen verbessern.

„Inklusion muss auch im zahnärztlichen Bereich unser oberstes Ziel sein: eine umfassende Teilhabe behinderter Menschen am medizinischen Fortschritt ist unerlässlich, verbessert Lebensqualität und Selbstwertgefühl“, mahnte Dr. Ulrich Noll, gelernter Zahnarzt und stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg, in seinem Grußwort zur Tagung „Ein Koffer voller Zahnbürsten …“ am 9. Juli 2011 in Stuttgart.

Karies und Zahnfleischerkrankungen werden von Bakterien verursacht. Sie bilden auf der Oberfläche von Zähnen und Prothesen einen schmierigen, infektiösen und oft schlecht sichtbaren Belag (Plaque). Werden Karies und Parodontitis nicht behandelt, können die Bakterien durch den Blutkreislauf in verschiedene Organe des Körpers (z.B. Herz, Niere, Gelenke) gelangen und ernsthafte Krankheiten auslösen. Deshalb heißt das oberste Gebot: Zähne putzen – aber richtig! Denn: „Gesund beginnt im Mund!“

Wie man Zähne richtig putzt, damit Zahnbeläge nicht entstehen können, zeigten Referenten der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg bei der Tagung „Ein Koffer voller Zahnbürsten …“ Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörige schilderten ihre persönlichen Erfahrungen. Wie man Zähne tatsächlich richtig putzt oder Zahnprothesen richtig einsetzt, lernten die Teilnehmer in Arbeitsgruppen.

Die tägliche Zahnpflege ist ein wichtiger Baustein für die eigene Gesundheit. Doch gerade bei alten oder mehrfachbehinderten Menschen, die zudem pflegebedürftig sind, reicht dies nicht aus. Eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung ist zusätzlich erforderlich. Doch der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung sieht die besonderen Anforderungen dieser Patientengruppe nicht vor. Der Gesetzgeber verlässt sich ausnahmslos auf die eigene Vorsorge der Patienten und übernimmt daher nicht die Kosten für die professionelle Zahnreinigung. Außerdem wird der zeitliche Mehraufwand für die zahnmedizinische Behandlung dieser besonderen Patientengruppe bislang nicht vergütet. „Die Finanzierung hinkt derzeit dem zahnmedizinischen Fortschritt hinterher. Das muss sich ändern“, so Dr. Ulrich Noll. „Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen zeigt uns den Handlungsbedarf im Gesundheitswesen auf.“

Der Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg setzt sich daher verstärkt für eine Verbesserung der Mund- und Zahngesundheit bei Menschen mit Behinderung ein. Betroffene müssen besser über die Möglichkeiten zur Gesunderhaltung der Zähne informiert werden. Der Landesverband begrüßt und unterstützt die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg, die auf ihren Internetseiten die Suche nach barrierefreien Zahnarztpraxen anbietet sowie ein umfangreiches Schulungskonzept zur Behandlung pflegebedürftiger und mehrfachbehinderter Menschen entwickelt hat.

Fast 10 Millionen behinderte Menschen im Jahr 2009

WIESBADEN – Im Jahr 2009 lebten in Deutschland 9,6 Millionen Menschen mit einer amtlich anerkannten Behinderung. Dies teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) nach den Ergebnissen des Mikrozensus mit. Im Durchschnitt war somit jeder neunte Einwohner (11,7%) behindert. Mehr als die Hälfte davon (53%) waren Männer. Der größte Teil, nämlich rund 7,1 Millionen Menschen, war schwerbehindert; 2,5 Millionen Menschen lebten mit einer leichteren Behinderung.

Die Auswirkungen der Behinderung auf die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft werden als Grad der Behinderung (GdB) nach Zehnergraden von 20 bis 100 abgestuft festgestellt. Personen, deren Grad der Behinderung mindestens 50 beträgt, gelten als schwerbehindert. Als leichter behindert werden Personen mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50 bezeichnet.

Gegenüber 2005 ist die Zahl der behinderten Menschen um 11% beziehungsweise 919 000 Personen gestiegen. Besonders stark erhöhte sich die Zahl der Personen mit leichter Behinderung, und zwar um 29% (+ 546 000 Personen). Die Zahl schwerbehinderter Menschen nahm um 6% zu (+ 374 000 Personen).

Behinderungen treten vor allem bei älteren Menschen auf: So waren 72% der behinderten Menschen 55 Jahre oder älter. Der entsprechende Anteil dieser Altersgruppe innerhalb der nichtbehinderten Menschen betrug demgegenüber nur 29%.

Die Lebenssituation von behinderten Menschen im Alter von 25 bis 44 Jahren unterscheidet sich – nach den Daten des Mikrozensus – häufig deutlich von der Situation bei den nichtbehinderten Menschen gleichen Alters. Behinderte Menschen zwischen 25 und 44 Jahren sind häufiger ledig und leben öfter allein als Nichtbehinderte in dieser Altersklasse. Der Anteil der Ledigen unter den behinderten Menschen beträgt in diesem Alter 54% – der entsprechende Anteil bei den Nichtbehinderten 41%. Der Anteil der Alleinlebenden im Alter zwischen 25 bis 44 Jahren liegt bei behinderten Menschen bei 31%, bei Menschen ohne Behinderung hingegen bei 21%.
Insgesamt 17% der behinderten Menschen im Alter von 25 bis 44 Jahren hatten keinen allgemeinen Schulabschluss (beziehungsweise einen Abschluss nach höchstens sieben Jahren Schulbesuch); bei Menschen ohne Behinderung in diesem Alter hatten deutlich weniger (3%) keinen Abschluss. Abitur hatten hingegen 12% der behinderten und 29% der nichtbehinderten Menschen in dieser Altersklasse.
Am Arbeitsmarkt zeigt sich eine geringere Teilhabe der behinderten Menschen: 70% der behinderten Menschen im Alter von 25 bis 44 Jahren waren erwerbstätig oder suchten nach einer Tätigkeit; bei den gleichaltrigen Nichtbehinderten waren es 88%. Behinderte Menschen zwischen 25 und 44 Jahren waren häufiger erwerbslos. Die Erwerbslosen­quote beträgt bei ihnen 10%, die entsprechende Quote bei den Nichtbehinderten 7%.
Auch von Krankheiten sind behinderte Menschen häufiger betroffen: So waren bei den behinderten Menschen im Alter von 25 bis 44 Jahren 29% in den letzten vier Wochen vor der Mikrozensus-Befragung krank, bei Menschen ohne Behinderung waren es nur 10%.

Autonomer Rollstuhl

Informatiker der Freien Universität Berlin präsentieren auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) einen Rollstuhl, der das Navigieren in Gebäuden deutlich erleichtert. Der Rollstuhl, eine Leihgabe der Firma Otto Bock, ist mit Laser- und Kamerasensoren sowie einem Computer unter dem Sitz ausgestattet. Lasersensoren ermitteln die Position von Wänden und Hindernissen und verhindern jegliche Kollision. Eine sogenannte Kinect, eigentlich für Microsoft-Spielekonsole X-Box 360 entwickelt, ist ebenfalls auf dem Rollstuhl montiert worden. Dieser Sensor erkennt die dreidimensionale Struktur der Umgebung und verhindert unter anderem den Zusammenstoß von Personen mit dem Rollstuhl. Auf der IFA werden verschiedene Möglichkeiten zur Steuerung des Exponats gezeigt, unter anderem eine Steuerung mit der Kraft von Gedanken oder mit Augenbewegungen. Der Rollstuhl kann in der Halle 11.1 an Stand 2 besichtigt werden. Der Entwickler David Latotzky zeigt das Exponat und Videoclips der Funktionalität des Rollstuhls. Auf der Internetplattform you.tube sind die Erläuterungen ebenfalls als Videos zu sehen.

Für die Steuerung mit Augenbewegungen wird mithilfe einer speziellen Kamera der Blickwinkel des Passagiers verfolgt. Um den Rollstuhl nach links oder rechts fahren zu lassen, braucht der Rollstuhlfahrer nur den Blick nach links oder nach rechts zu richten. Das Beschleunigen und Bremsen werden durch einen Blick nach oben oder nach unten ausgelöst. Für eine Steuerung mit der Kraft von Gedanken trägt der Rollstuhlfahrer eine Kappe mit 16 Sensoren, die Aktivierungsmuster im Gehirn laufend messen. Das System wird trainiert, um vier Gehirnmuster zu unterscheiden: fahre nach links, nach rechts, beschleunige und bremse. Der Proband kann nach einem Training den Rollstuhl allein durch Gedanken steuern. Hohe Konzentration ist dabei gefragt, da idealerweise während der Fahrt ausschließlich die vier trainierten Gehirn-Zustände vom Fahrer erzeugt werden sollten. Da der Rollstuhl bei Hindernissen automatisch stoppt, bleibt die Gehirnnavigation aber auch in diesem Fall unfallfrei. Eine Steuerung mit Gedankenkraft hatte die Arbeitsgruppe bereits am Beispiel von Autos gezeigt.

Der intelligente Rollstuhl baut auf Forschungsergebnissen aus den AutoNOMOS Labs der Freien Universität Berlin auf. Wissenschaftler des durch das Bundesforschungsministerium geförderten Innovationslabors arbeiten an der Entwicklung von Autonomie- und Fahrerassistenzsystemen mit dem Ziel, Verkehrsunfälle in Zukunft zu vermeiden und die Sicherheit im Straßenverkehr durch Einsatz moderner Sensor – und Computertechnik zu erhöhen. Dort werden unter anderem Zukunftsszenarien bei der Steuerung von verschiedenen Arten von Fahrzeugen untersucht: Pkw, elektrische Fahrzeuge und Rollstühle. Geplant ist auch eine Spracherkennung für den Rollstuhl. Dabei soll der Nutzer dem Vehikel befehlen können, in einen bestimmten Raum zu fahren oder einer Person zu folgen. Robotische Greifarme werden den Rollstuhl ergänzen und es dem Rollstuhlfahrer ermöglichen, nach Objekten in höheren Regalen zu greifen.
Weitere Informationen

David Latotzky, Institut für Informatik der Freien Universität Berlin, Arbeitsgruppe Künstliche Intelligenz, Telefon: 030 / 838- 75127, E-Mail: david.latotzky@fu-berlin.de
Film im Internet:
Brain and eye controlled intelligent wheelchair: www.youtube.com/watch?v=yNpOgEbKHbw

Persönliches Budget für Behinderte

Am Beispiel der Stadt Schwerin hat die Wismarer Studentin Madleen Duberatz Auswirkung von Gesetzesänderungen und deren Umsetzung in Bezug auf das Persönliche Budget von behinderten Menschen untersucht. Mit ihrer Arbeit zeigt sie, dass das Persönliche Budget in der Tat ein geeignetes Instrument ist, um die gleichberechtigte Teilhabe am Leben für Menschen mit Behinderungen zu fördern und ihre Wunsch- und Wahlrechte zu konkretisieren.
Das eigene Geld im eigenen Portemonnaie, das ist für die meisten Menschen alltägliche Wirklichkeit. Anders sieht es hingegen für Menschen mit Behinderungen aus. Für viele von ihnen ist es Alltag, dass festlegt wird, was mit ihnen und ihrem Geld geschieht.

Mit der Einführung des Neunten Buchs des Sozialgesetzbuchs (SGB IX), dem Behindertengleich-stellungsgesetz (BGG) und dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) wurde ein Paradigmenwechsel vollzogen. Menschen mit einer Behinderung sollten nicht länger Objekte einer Versorgung sein, sondern möglichst selbst bestimmt über ihre Lebensführung und die Teilhabe am Leben der Gesellschaft entscheiden können. Ein Instrument, das dies ermöglichen soll, ist das so genannte Persönliche Budget, bei dem der behinderte Mensch selbst bestimmt und im Rahmen seines Bedarfs entscheiden kann. Seit dem 1. Januar 2008 besteht auf Leistungen in Form eines solchen Budgets ein Rechtsanspruch.

„Obwohl die Erfahrungen mit diesem Instrument in anderen europäischen Ländern sehr positiv sind, tut sich Deutschland mit diesem Konzept noch schwer“, so Madleen Duberatz. Vor diesem Hintergrund hat sie im Studiengang Management sozialer Dienstleistungen der Hochschule Wismar, die Umsetzung dieses Konzeptes am Beispiel der Stadt Schwerin untersucht. Im Rahmen ihres Forschungsprojektes gelangte die 28-Jährige zu dem Ergebnis, dass das Persönliche Budget in der Tat ein geeignetes Instrument ist, um die gleichberechtigte Teilhabe am Leben für Menschen mit Behinderungen zu fördern und ihre Wunsch- und Wahlrechte zu konkretisieren. Zugleich existieren hier aber nach wie vor Hürden, die es zu überwinden gilt, worauf in der Studie ebenfalls hingewiesen wird.

Die vollständige Studie von Frau Duberatz ist als Heft 02/2009 der Wismarer Diskussionspapiere erschienen und kann entweder über den Buchhandel bestellt oder kostenlos herunter geladen werden.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte direkt an Prof. Dr. Jost W. Kramer, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Tel.: (03841) 753 441 bzw. E-Mail: jost.kramer@hs-wismar.de.

8. Deutscher Reha-Tag am 24. September 2011

Die Rehabilitation in Deutschland ist so vielfältig wie die Anliegen, Nöte und Erkrankungen der betroffenen Menschen, die in ihr Hilfe finden. Medizinische, berufliche und soziale Reha­bilitation arbeiten eng miteinander verzahnt, um rund zwei Millionen Menschen im Jahr die für sie bestmögliche Beratung, Behandlung und Unterstützung zukommen zu lassen. Wirk­same Rehabilitation fordert die starke inhaltliche, fachliche und konzeptionelle Vernetzung einer großen Zahl beteiligter Akteure. Und sie erfordert eine Vielzahl enga­gierter Menschen mit hoher Fachkompetenz unterschiedlichster Professionen, die im Ge­sundheits- und Sozi­alwesen einmalig ist. Das Motto des Reha-Tages 2011 lautet deshalb „REchtzeitig HAndeln – Reha ist Vielfalt“ .
Dabei sein – jetzt kostenlos anmelden

Kliniken und Einrichtungen der Rehabilitation sind aufgerufen, sich am Aktionstag zu beteiligen. Aktionen sind allerdings nicht zwingend an dieses Datum gebunden, da der Reha-Tag sich nicht nur als Aktionstag, sondern zunehmend auch als Forum der Rehabilitation versteht. Die Teilnahme am Reha-Tag ist für alle Kliniken und Einrichtungen kostenlos. Wer eine Aktion zum Reha-Tag plant, kann sich ab sofort im Internet unter www.rehatag.de anmelden und dort weitere Informationen erhalten.