Teilhabe von Menschen mit Behinderungen auf allen Ebenen stärken und praktisch erfahrbar machen”

Die vollständige gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ist ein Prozess, der von der Landesregierung auf vielen Eben vorangebracht wird. Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt: „Unser Gemeinwesen wird vor allem in den Kommunen gestaltet. Wir wollen deshalb den Gedanken der Inklusion auch dort stärken, wo ihn Menschen mit und ohne Behinderungen direkt und ganz konkret erleben: in den Städten und Gemeinden. Das ist ein wichtiger Beitrag für eine bessere Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen.”

Vor diesem Hintergrund hat das Niedersächsische Sozialministerium eine neue Förderrichtlinie veröffentlicht. Mit 1,675 Millionen Euro in 2016 und jeweils 425.000 Euro in den Folgejahren können ab sofort Projekte mit bis zu 50.000 Euro gefördert werden, die ganz konkret die Infrastruktur für Menschen mit Behinderungen vor Ort verbessern, innovative Wohnformen ermöglichen oder die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben erleichtern.

Mit dem Geld, so Ministerin Rundt, könne der eher schwammige Begriff der ‚Inklusion’ endlich im Alltag umgesetzt werden. Wichtig sei ihr dabei, dass vor allem ein Umdenken in den Köpfen stattfinde. „Menschen mit Behinderung gehören in die Mitte der Gesellschaft, nicht an den Rand”, betont die Ministerin: „Ich bin sicher, dass unsere Förderung auch dazu einen wertvollen Beitrag leisten wird. Barrierefreiheit muss endlich kostengünstiger Standard werden und nicht mehr als Sonderlösung dem Mehrkostenargument zum Opfer fallen.”

In einem vorhergehenden Ideenwettbewerb 2014 wurden bereits Kommunen mit zusätzlichen Fördermitteln bedacht, die sich erfolgreich um die Entwicklung inklusiver Sozialräume und ein Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen auf örtlicher Ebene bemüht hatten.

Eine der Kommunen war die Landeshauptstadt Hannover, die die Fördermittel in Höhe von 90.000 Euro für neue Projekte und Maßnahmen eingesetzt hat. So ist das inklusive Kultur-Café Anna Blume in Hannover-Stöcken unterstützt worden. Mit einem Schülercafé der Wilhelm-Schade-Schule wurde ferner ein realistisches Arbeits- und Übungsfeld für Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen geschaffen.

Auch der Landkreis Friesland gehörte dazu. Er hat mit den Fördermitteln in Höhe von 130.000 Euro einen Inklusionsfonds geschaffen, mit dem Lebensräume für Menschen mit und ohne Behinderungen füreinander geöffnet, näher gebracht sowie der gegenseitige Respekt und das gegenseitige Verständnis gestärkt werden sollen. Mit dieser besonderen Lösung wurde eine beachtliche Aktivierung der gesellschaftlichen Kräfte vor Ort erreicht.

Die Stadt und der Landkreis Göttingen gehörten ebenfalls zu den 2014 ausgewählten Kommunen. Mit den zur Verfügung gestellten 90.0000 Euro ist ein interkommunales Projekt „Inklusion Bewegen” initiiert worden. Dabei ist ein Fahrplan für ein inklusives Gemeinwesen entwickelt worden. Erwähnenswert ist auch ein Newsletter, der zum Europäischen Protesttag von Menschen mit Behinderungen am 05.05.2015 erstmals erschienen ist.

Die Stadt Oldenburg hat mit den erhaltenen 90.000 Euro ihre vorbildhaften Ansätze der Partizipation von Menschen mit Behinderungen intensiviert und beispielsweise im schulischen Bereich bemerkenswerte Fortschritte erreicht. Die Erfahrungen dieses Inklusionsprozesses sind in einem Sammelband, der im Belz-Verlag erschienen ist, zusammengefasst worden.

Auch die Stadt Langen hat den Förderbetrag in Höhe von 50.000 Euro sehr sinnvoll eingesetzt. Inzwischen ist sie mit der Samtgemeinde Bederkesa zur Stadt Geestland fusioniert und hat die Verwirklichung der Inklusion in den Grundschulen dialogorientiert fortgesetzt. Ferner wurde das Außengelände der integrativen Kindertagesstätte Nimmerland in einen barrierefreien und naturbelassenen Erlebnisraum umgestaltet.

„Die Erfahrungen mit dem Ideenwettbewerb haben deutlich gemacht, dass Partizipation und Inklusion in den Landkreisen, Städten und Gemeinden schon gelebt werden, dass hierfür aber auch ein weiterer kleiner Schubs hilfreich ist”, so Ministerin Rundt.

Hannover setzt Maßstäbe für Menschen mit Behinderung

Wege ohne Stufen und ohne Stolperfallen, Platz für Menschen mit Rollstühlen oder Rollatoren, Hilfen für schwerhörige und sehbehinderte Menschen: Das alles sollte eine Städtereise heute auch für gehandicapte und ältere Menschen zum Vergnügen machen. In Deutschland ist bereits viel für Barrierefreiheit getan worden, als gelungenes Beispiel darf Hannover gelten. “Die niedersächsische Landeshauptstadt gilt als vorbildlich für Menschen mit Behinderung“, weiß Beate Fuchs, Reiseexpertin des Verbraucherportals Ratgeberzentrale.de. So gibt es beispielsweise Rollstuhlplätze im offenen Doppeldecker-Bus bei der Stadtrundfahrt, bei der man im Übrigen an allen Sehenswürdigkeiten barrierefrei aus- und wieder zusteigen kann – vielleicht für einen Rundgang durch die berühmten Herrenhäuser Gärten mit einer kulinarischen Pause im Café-Restaurant.

Rundgänge für Gäste mit Behinderung

Im barocken Großen Garten in Herrenhausen stehen für mobilitätseingeschränkte Personen sogenannte E-Scooter bereit, mit denen sie durch das weitläufige Gartenkunstwerk rollen können. Auf hörbehinderte Gäste wartet ein sogenanntes VideoVisit-Führungssystem. Blinde Besucher können sich bei ihren Spaziergang durch die Gärten mit Plänen in Braille-Schrift die Architektur des Gartens besser vorstellen.
Alle Museen in Hannover sind barrierefrei: Das Museum August Kestner beispielsweise mit seinen Sammlungen vom alten Ägypten bis zum modernen Design bietet neben Kommunikationshilfen für schwerhörige Menschen einmal im Monat Führungen an. Mit den Tast- und Erlebnisrundgängen “Museum anders gesehen” spricht es speziell blinde und sehbehinderte Gäste an. Alle speziellen Angebote sind inklusiv, das heißt, dass sie für alle Menschen nutzbar sind. Informationen und Broschüren zur Barrierefreiheit gibt es unter www.hannover.de.

Auf dem “Roten Faden” durch die Stadt

Auf rollstuhl- und rollatorgerechten Wegen führt der “Rote Faden” zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Hannovers Innenstadt. Das dazugehörige Faltblatt wie auch die App beinhalten Hinweise auf Bänke, Toiletten und barrierefreie Gaststätten. Noch mehr Informationen hat die kostenlose “Broschüre für Touristen mit Behinderung”: von der Anreise über barrierefreie Hotels in allen Stadtteilen bis hin zu Ausflugstipps für Besucher mit Behinderung. Noch kompakter und im lesefreundlichen Großdruck ist das Faltblatt “Tipps für Touristen mit Behinderung” gestaltet

Menschen mit Behinderung müssen weiter auf die Verwirklichung ihrer Rechte warten

„Menschen mit Behinderung müssen auch weiterhin auf die Verwirklichung ihrer Rechte warten. Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich die Bundesrepublik zwar bereits 2009 verpflichtet, geeignete Maßnahmen für eine inklusive Gesellschaft zu treffen und damit die Gleichstellung mit anderen Menschen sicherzustellen. Von diesem Ziel sind wir aber noch weit entfernt.“ Das erklärt Ulrike Mascher, Sprecherratsvorsitzende des Deutschen Behindertenrats (DBR) und Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai.

Der DBR kritisiert unter anderem, dass es mit dem nun vorliegenden Entwurf des Bundesteilhabegesetzes nicht gelungen sei, die eigenverantwortliche und selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben von Menschen mit Behinderung wesentlich zu verbessern. „In der Koalitionsvereinbarung hat die Bundesregierung 2013 versprochen, dass sie die Menschen, die aufgrund einer wesentlichen Behinderung nur eingeschränkte Möglichkeiten der Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft haben, aus dem bisherigen ‚Fürsorgesystem‘ herausführen und die Eingliederungshilfe zu einem modernen Teilhaberecht weiterentwickeln werde. Dieses Versprechen wurde kaum erfüllt“, erklärt Mascher.

Es sei vor allem nicht hinnehmbar, dass der Personenkreis, der Leistungen der Eingliederungshilfe in Anspruch nehmen darf, eingeschränkt wird. „Die neuen Hürden sind viel zu hoch und nicht akzeptabel, weil die Gefahr besteht, dass viele Menschen, die heute leistungsberechtigt sind, zukünftig von Leistungen ausgeschlossen werden. Leistungsverschlechterungen werden wir nicht akzeptieren“, so Mascher.

Auch kritisiert der DBR, dass die Einkommens- und Vermögensgrenzen für erwerbstätige Menschen mit Behinderung nicht abgeschafft werden sollen. „Diese Grenzen sind für Menschen mit Behinderung immer eine Barriere, die sie an einem selbstständigen und selbstbestimmten Leben hindert. Zwar ist die Anhebung der Vermögensgrenzen ein erster Schritt, aber sie reicht bei weitem nicht aus“, betont die DBR-Sprecherratsvorsitzende.

Unverzichtbar für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben ist aus Sicht des DBR die Barrierefreiheit. Das novellierte Behindertengleichstellungsgesetz verpflichtet aber vorrangig nur Träger der öffentlichen Gewalt und die Sozialleistungsträger. „Der Bereich privater Güter und Dienstleistungen, wie beispielsweise Arztpraxen, Wohnungen, Internet, Supermärkte, Taxis oder Restaurants, wird nicht gesetzlich geregelt und bleibt im Bereich der Freiwilligkeit. Ausnahmen darf es bei der Barrierefreiheit aber nicht geben. Wir brauchen Barrierefreiheit im umfassenden Sinn“, erklärt Mascher.

Info: Der Deutsche Behindertenrat (DBR) ist ein Aktionsbündnis der Behindertenverbände und Selbsthilfeorganisationen in Deutschland und engagiert sich seit vielen Jahren für die Rechte von Menschen mit Behinderung. Im DBR haben sich über 140 Organisationen behinderter und chronisch kranker Menschen vereinigt. Es repräsentiert mehr als 2,5 Millionen Betroffene. Mehr unter www.deutscher-behindertenrat.de

Länder müssen Barrierefreiheit in Landesbauordnungen sicherstellen

„Die geplanten Regelungen auf Bundesebene für eine verpflichtende Barrierefreiheit bei Bauten der Bundesverwaltung und der Sozialleistungsträger sind ein Fortschritt. Aber sie müssen für die Privatwirtschaft generell und selbstverständlich auch auf der Landesebene gelten!“ Das fordert Ulrike Mascher, Sprecherratsvorsitzende des Deutschen Behindertenrats (DBR) und Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, anlässlich einer Anhörung von Sachverständigen zum Behindertengleichstellungsgesetz im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Bundestages.

Aus Sicht des DBR muss die Privatwirtschaft ihren Beitrag zur Barrierefreiheit zwingend leisten, damit künftig Menschen mit Behinderung vor weniger Hürden stehen. Auch der UN-Fachausschuss fordert in seinen abschließenden Bemerkungen vom 17.04.2015 unmissverständlich bindende Verpflichtungen zur Barrierefreiheit für private Unternehmen. Leider werden durch Ausnahmetatbestände in einigen Landesbauordnungen die Vorschriften zum barrierefreien Bauen unterlaufen. „Die Länder müssen hier eingreifen, damit sich die privaten Bauträger der Pflicht, barrierefrei zu bauen, nicht entziehen können. Wir lassen auch keine Ausreden gelten, dass durch einen vermehrten Zuzug nach Deutschland nun schnell Häuser hochgezogen werden müssen und man daher auf Barrierefreiheit verzichten müsse. Das ist kurzsichtig und würde allen langfristig schaden. Rund 80 Jahre steht durchschnittlich ein Gebäude – dann haben wir spätestens 2090 erneut Häuser, in denen vor allem Menschen mit Behinderung nicht drin wohnen können. Sie haben bereits heute große Probleme, geeigneten und bezahlbaren Wohnraum zu finden“, kritisiert Ulrike Mascher.

Info: Der Deutsche Behindertenrat (DBR) ist ein Aktionsbündnis der Behindertenverbände und Selbsthilfeorganisationen in Deutschland und engagiert sich seit vielen Jahren für die Rechte von Menschen mit Behinderung. Im DBR haben sich über 140 Organisationen behinderter und chronisch kranker Menschen vereinigt. Es repräsentiert mehr als 2,5 Millionen Betroffene. Mehr unter www.deutscher-behindertenrat.de

Teilhabe von behinderten Menschen ist Menschenrecht

Petra Wontorra, die Niedersächsische Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, mahnt an, endlich mit einem starken Bundesteilhabegesetz bundesweite Rahmenbedingungen für die verbesserte Teilhabe behinderter Menschen zu schaffen. Die Behindertenbeauftragten aus Bund und Ländern bestärken sie und appellieren wie Wontorra anlässlich des heutigen Koalitionsgipfels, den Entwurf für ein gutes und teilhabeorientiertes Bundesteilhabegesetz zügig auf den Weg zu bringen.

„Die Menschen mit Behinderungen und ihre Familien warten seit vielen Jahren auf dieses Gesetz. Es ist an der Zeit, dass die Bundesregierung sich nun endlich an die Umsetzung macht.

Wir fordern, den Weg frei zu machen:
für mehr Selbstbestimmung und mehr Teilhabe in allen Bereichen des Lebens von Menschen mit Behinderungen, damit sie dieselben Chancen auf Arbeit und Bildung haben und umfassend teilhaben können am Leben in unserer Gesellschaft,

> für die Abschaffung der Einkommens- und Vermögensanrechnung bei Teilhabeleistungen und bei der Hilfe zur Pflege. Damit Menschen mit Behinderungen und ihre Familien nicht länger finanziell dafür gestraft werden, dass sie erhöhten Unterstützungsbedarf haben,

> für ein Verfahrensrecht, das für eine schnelle Klärung der Zuständigkeiten sorgt und für Teilhabeleistungen wie aus einer Hand. Damit Menschen mit Behinderungen unabhängig von ihrem Wohnort und dem Leistungsträger die Teilhabeleistungen in gleichem Umfang, unbürokratisch, zügig und verlässlich erhalten.

> für unabhängige Beratung von Menschen mit Behinderungen für Menschen mit Behinderungen. Damit Augenhöhe zwischen den Menschen mit Behinderungen und den Leistungserbringern und Leistungsträgern hergestellt wird.”

Unternehmen profitieren von Inklusion am Arbeitsplatz

Die Inklusion von Menschen mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten im Berufsleben bringt nicht nur Vorteile für die Betroffenen – auch die Betriebe profitieren, und das manchmal auf überraschende Weise. So sind zum Beispiel 52 Prozent der Deutschen davon überzeugt, dass Inklusion die Kreativität und den Ideenreichtum in Unternehmen fördert. Der Grund: Wer im Alltag mit Einschränkungen zu kämpfen hat, bringt auch im Beruf neue und ungewohnte Denkansätze ein. Das ist ein Ergebnis der Studie “Inklusion in Beruf und Alltag” der Coloplast GmbH. Für die Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa 1.000 Bundesbürger ab 18 Jahren.

Als weiteren erheblichen Vorteil der Inklusion sehen 70 Prozent der Deutschen an, dass die sozialen Kompetenzen der Unternehmen gestärkt werden. Und 61 Prozent führen an, dass sich die Inklusion stark oder sehr stark positiv für die Betriebe auswirkt, weil ihnen dadurch betroffene Fachkräfte länger erhalten bleiben. “Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels kann es sich die deutsche Gesellschaft nicht leisten, Leistungsträger vom Berufsleben auszuschließen”, sagt Michael Zwick, Geschäftsführer Coloplast Deutschland. Stringente Inklusionsmaßnahmen wirken sich hier sogar doppelt positiv für die Unternehmen aus: Sie können so nicht nur die konkret von Einschränkungen durch Behinderungen und chronische Krankheiten betroffenen Fachkräfte halten. Sie erhalten auch im generellen Wettbewerb um die qualifiziertesten Mitarbeiter einen Vorteil, weil sie sich verantwortungsbewusst zeigen und so als Arbeitgeber attraktiver werden. Davon sind 47 Prozent der Deutschen überzeugt.

Inklusion beginnt im Kopf

“Die wichtigste Inklusionsmaßnahme in Unternehmen ist zunächst ein Umdenken in den Köpfen. Menschen mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten werden noch zu oft zuerst als behindert oder krank angesehen, und dass wird meist auch noch automatisch mit ‘nicht leistungsfähig’ gleichgesetzt”, schildert Michael Zwick die Hemmschuhe der Inklusion. Diese Einstellung diskriminiert die Betroffenen – und ist auch wirtschaftlich unsinnig. Denn eine gesundheitliche Einschränkung im Leben des Betroffenen durch eine Krankheit oder Behinderung hat nicht automatisch eine Auswirkung auf seine Eignung für seinen Beruf und die Qualität seiner Arbeit.

Hilfsmittel-Wahlfreiheit als Schlüssel für die Teilhabe

Viele chronische körperliche Beschränkungen, wie zum Beispiel Inkontinenz, lassen sich mit modernen Hilfsmitteln so gut beherrschen, dass sie im Alltag kein Hindernis mehr sind. Hinderlich für eine erfolgreiche Inklusion ist allerdings, wenn die Betroffenen bei diesen Hilfsmitteln keine Wahlfreiheit haben. Das führt dazu, dass viele Inkontinenz-Erkrankte ihre Hilfsmittel aus eigener Tasche bezahlen. Denn nur so kommen sie an die Hilfsmittel, die ihnen den für ihren Arbeitsplatz und ihre individuelle Situation passenden Schutz mit dem richtigen Grad an Zuverlässigkeit bieten. “So ist es aufgrund von Erstattungskürzungen der Krankenkassen leider vemehrt Realität, dass Betroffene ihre eigene Inklusion letztendlich selbst bezahlen müssen. Hier bedarf es eines Umdenkens”, so Zwick. Eine Position, die eine breite Mehrheit der Deutschen unterstützt: Mehr als 90 Prozent halten eine Wahlfreiheit bei Inkontinenz-Hilfsmitteln und eine vollständige Abdeckung der damit verbundenen Kosten für wichtig oder sehr wichtig.

Hintergrundinformationen

Für die Studie “Inklusion in Beruf und Alltag” wurden in einer für die deutsche Bevölkerung repräsentativen Umfrage 1.000 Bundesbürger ab 18 Jahren telefonisch befragt. Die Daten sind im zweiten Halbjahr 2015 durch Forsa im Auftrag der Coloplast GmbH erhoben worden. Die Ergebnisse sind auf ganze Zahlen gerundet.

Weitere Informationen und eine Infografik mit Detailergebnissen finden Sie unter: http://www.coloplast.de/inklusionunternehmen.

Frankfurter Sehenswürdigkeiten sind auch für Menschen mit Handicap erlebbar

Ein Museum, das nur über Treppen zu erreichen ist, ein hoher Einstieg in den Bus oder eine Beschilderung in sehr kleiner Schrift: Reisende mit Handicap sind in ihren Unternehmungen oft eingeschränkt. Das gilt nicht nur für Menschen mit Behinderung, sondern auch für Senioren, Familien mit Kinderwagen oder Schwangere. “Damit alle Menschen uneingeschränkt am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben können, bemühen sich bereits viele Städte in Deutschland um ein barrierefreies touristisches Angebot”, weiß Beate Fuchs, Reiseexpertin bei der Ratgeberzentrale.de. Das beste Beispiel sei in dieser Beziehung Frankfurt am Main, das sich auch für Gäste mit Behinderung als attraktives Städtereiseziel präsentiere.

Stadtführung für Menschen mit Sehschwäche

Für Menschen mit einer Sehschwäche beispielsweise gibt es eine eigene Stadtführung durch den historischen Stadtteil rund um den Römerberg. Abgestimmt auf die besonderen Bedürfnisse der Teilnehmer beschäftigt sich der Rundgang “Frankfurt begreifen” mit spannenden Anekdoten, dem Ertasten von Reliefabdrucken und der Verkostung lokaler Spezialitäten. Die Gäste lernen die Stadt auch anhand eines taktilen Lageplans kennen, der in verschiedenen Strukturen, leuchtenden Farben und Brailleschrift gestaltet ist. Straßen, Wege, Fußgängerzonen, Grünflächen und Gewässer haben jeweils eine eigene Struktur, an der sie ertastet werden können. Außerdem sind die Sehenswürdigkeiten mit einer Nummer gekennzeichnet, die in einer Legende erklärt wird.

Anfassen erwünscht

Eine Übersicht über die Zugänglichkeiten der wichtigsten Frankfurter Sehenswürdigkeiten gibt es unter www.frankfurt-tourismus.de/barrierefrei. Ungehindert können Rollstuhlfahrer beispielsweise den Blick über die Stadt vom Main Tower in 200 Metern Höhe genießen. Viele Museen in Frankfurt bieten auch Führungen für Besucher mit Handicap an. Im Goethe-Haus gibt es Angebote für Blinde und Sehbehinderte und das Museum Angewandte Kunst lässt Objekte ausnahmsweise von Blinden ertasten. Das Museum zur Geschichte der Gehörlosen und Schwerhörigen bietet einen Einblick in das Alltagsleben mit Hörbehinderung.

Ein besonderes Erlebnis ist ein Spaziergang durch den Duft- und Tastgarten der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte. Hier wachsen rund 100 verschiedene Sträucher, Stauden und Zwiebelgewächse, die intensiv duften und in kontrastreichen Farben blühen, um seheingeschränkten Menschen die visuelle Wahrnehmung zu erleichtern.

Barrierefreiheit ist kein Nischenthema

„Mit diesem Gesetz verfehlt die Bundesregierung ihr Ziel, Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen unseres Landes herzustellen, deutlich“. Das erklärt Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, anlässlich der 1. Lesung des novellierten Behindertengleichstellungsgesetzes im Bundestag.

Kernstück des Gesetzes sollte eigentlich die Herstellung von Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen sein. „Aber es werden nur Benachteiligungen im öffentlichen Bereich unterbunden“, so die VdK-Präsidentin. Dabei verpflichte die UN-Behindertenrechtskonvention zur Herstellung von Barrierefreiheit sowohl durch öffentliche als auch durch private Akteure. „Gerade die Hürden im alltäglichen Leben sind für viele ältere und behinderte Menschen eine große Einschränkung. Es darf nicht sein, dass die Anbieter privater Güter und Dienstleistungen wie Ärzte, Gaststätten, Supermärkte, aber auch Internetportale und private Fernsehsender nicht zur Barrierefreiheit verpflichtet werden“, erklärt Mascher.

Der Sozialverband VdK fordert klare gesetzliche Regelungen, damit Wohnungen, öffentliche Gebäude, Verkehrsanlagen und -mittel sowie private Güter und Dienstleistungen für alle zugänglich werden. Außerdem muss es verbindliche Fristen zur Herstellung von Barrierefreiheit mit entsprechenden Kontrollen und Sanktionen geben. Ein Investitionsprogramm der Bundesregierung von 800 Millionen Euro pro Jahr und ergänzende Programme in den Bundesländern und Kommunen können eine barrierefreie Gesellschaft ermöglichen. „Das rechnet sich für die Gesellschaft. Investitionen kurbeln die Wirtschaft an und sparen, allein durch die Vermeidung von Heimpflege, Sozialausgaben in Milliardenhöhe“, betont Mascher.

Wie sehr das Thema „Barrierefreiheit“ die Menschen berührt, zeigt die „Landkarte der Barrieren“, die Herzstück der VdK-Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ ist. „Seit Kampagnenstart im Januar 2016 haben uns bereits mehr als 700 Meldungen über Bahnhöfe, Geschäfte, Arztpraxen, Behörden und öffentliche Plätze erreicht, die für Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigungen nicht zugänglich sind. Jede Barriere ist eine zu viel“, so Mascher.

Mascher weiter: „Von Barrierefreiheit profitieren alle, nicht nur diejenigen, die dauerhaft darauf angewiesen sind. Schon ein verknackster Fuß, ein schweres Gepäckstück oder ein Kinderwagen lassen jeden Weg im Alltag schnell zum Hürdenlauf werden. Es wird höchste Zeit für ein Deutschland ohne Barrieren.“

Der VdK ist mit über 1,7 Millionen Mitgliedern die größte Interessenvertretung behinderter und älterer Menschen in Deutschland. Mit der Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ macht sich der Sozialverband VdK für eine barrierefreie Gesellschaft stark. Jetzt informieren: www.weg-mit-den-barrieren.de

Tag des barrierefreien Tourismus auf der ITB Berlin: 11.03.2016

Auf der weltweit größten Tourismusmesse, der ITB Berlin, findet auch in diesem Jahr der „Tag des barrierefreien Tourismus“ statt. Die Veranstaltung wird wie in den vergangenen Jahren von der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) in Kooperation mit „Tourismus für Alle Deutschland e.V.“ (NatKo) durchgeführt.

Inhaltliche Schwerpunkte im diesjährigen Veranstaltungsprogramm sind „Barrierefreie Ansätze im Kultur- und Städtetourismus“ sowie „Praktische Ansätze entlang der touristischen Servicekette“. Im Fokus stehen die Herausforderungen des demografischen Wandels sowie die Entwicklung barrierefreier touristischer Angebote.

Der demografische Wandel und die sich daraus ableitenden Bedürfnisse einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft sowie der Zusammenhang von Alter und Beeinträchtigung haben das öffentliche Bewusstsein geprägt und die Sensibilität der Branche für das Thema Barrierefreiheit geschärft. Barrierefreies Reisen stellt einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil für Destinationen dar und verbessert die Möglichkeiten zur Teilhabe für Alle.

Interessierte Besucher sind herzlich eingeladen an der Veranstaltung teilzunehmen. Es erwartet Sie ein hochkarätiges Programm mit vielseitigen Fachvorträgen, guten Praxisbeispielen sowie Podiumsdiskussionen. Die Veranstaltung hat zum Ziel, das Thema mehr in den Fokus der Tourismuswirtschaft zu rücken und Diskussionen anzuregen.

Ausführliche Informationen zum Programm erhalten Sie unter: www.germany.travel/barrierefrei

Aufgrund der besseren Zugänglichkeit wird die Veranstaltung am Freitag, den 11.03.2016 von 10:30 – 15:30 Uhr im CityCube im „Raum A5“ auf dem Messegelände in Berlin stattfinden.

Hinweise zur Barrierefreiheit/Anreise zum CityCube Raum A5:
Halle A im CityCube ist stufenlos (teilweise über Aufzüge) über den Eingang „CityCube – Messedamm“, „Jafféstraße“, dem Innenbereich des Messegeländes sowie einem Übergang zur Halle 7 erreichbar. Der Veranstaltungsraum A5 befindet sich direkt neben dem Eingang „Jafféstraße“.In direkter Nähe zum Raum A5 befinden sich zwei barrierefreie WC-Anlagen. Für die Anreise stehen auf dem Parkplatz vor dem CityCube (Messedamm) 20 Behinderten-PKW-Stellplätze zur Verfügung. Weiterhin ist die S-Bahnhaltestelle „Messe-Süd“ in unmittelbarer Nähe.

Für die Veranstaltung werden Gebärdensprach-, Simultan- und Schriftdolmetscher eingesetzt. Veranstaltungssprachen sind Deutsch und Englisch (mit Simultanübersetzung).

Weitere Informationen zum CityCube erhalten Sie auf der Webseite: http://www.citycube-berlin.de/ .

Details zur Anfahrt, Raumplänen und weiteren Services finden Sie unter: http://www.citycubeberlin.de/media/ccb/ccb_media/ccb_pdf_dateien/CityCube_Deutsch.pdf“

“Elterngeld” für pflegende Angehörige

Immer häufiger wird eine elterngeldähnliche Leistung für erwerbstätige pflegende Angehörige gefordert, auch um eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu ermöglichen. Eine ZQP-Studie zeigt: Die Erwerbstätigen scheinen dafür überwiegend aufgeschlossen. Doch es gibt auch offene Fragen.

Auch ein Jahr nach Einführung der neuen Regelungen zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf glaubt die große Mehrheit der Erwerbstätigen in Deutschland nicht, dass sich Beruf und Pflege gut vereinbaren lassen. Laut einer aktuellen repräsentativen Befragung des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) beurteilen 80 Prozent der erwerbstätigen Deutschen deren Vereinbarkeit als schlecht. Allerdings meinen 73 Prozent der Befragten, dass der Rechtsanspruch auf ein “Pflegenden-Geld” pflegende Angehörige erheblich entlasten würde und so zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Pflege beitragen könnte.

Ein teilweise diskutiertes “Pflegenden-Geld” wäre eine dem Elterngeld vergleichbare Unterhaltsleistung. Bei Analogie zum Elterngeld könnten sich Berufstätige für die Pflege eines Angehörigen bis zu zwölf Monate von ihrem Job freistellen lassen. Während dieser Auszeit erhielten sie etwa zwei Drittel ihres vorherigen Einkommens – mindestens 300 Euro und höchstens 1800 Euro, bei gleichzeitigem Rückkehrrecht in die Vollerwerbstätigkeit. Nach Ansicht der Befragten könnte dadurch auch die Bereitschaft, Pflege zu übernehmen, wesentlich erhöht werden (72 Prozent). Zudem glaubt mehr als ein Drittel der Berufstätigen, dass mehr Männer bereit wären, Pflegeverantwortung zu übernehmen (37 Prozent). 69 Prozent der Befragten meinen sogar, es könne gerade Erwerbstätige mit geringen Einkommen veranlassen, die Pflege selbst zu übernehmen, statt professionelle Dienste in Anspruch zu nehmen.

Jedoch birgt insbesondere solch ein finanzieller Anreiz, Pflege zu übernehmen, auch Risiken. Gerade kritische Pflegesituationen – wie die Vernachlässigung oder Missachtung eines pflegebedürftigen Menschen – drohen auch dort zu entstehen, wo überwiegend finanzielle und nicht fürsorgliche Motive zur Übernahme einer Pflegeaufgabe bewegen. Zudem sind die Kosten des “Pflegenden-Geldes” nur schwer kalkulierbar. Denn die Zeit der Pflegebedürftigkeit ist mit einer zwölfmonatigen Leistung überwiegend nicht abzudecken. In den wissenschaftlichen Untersuchungen gehen Experten teilweise von einer durchschnittlich achtjährigen Dauer der häuslichen Unterstützung aus. Ein “Pflegenden-Geld” müsste also in vielen Fällen deutlich länger als das Elterngeld gezahlt werden – Unternehmen entsprechend lange auf ihre Mitarbeiter verzichten.

Weitere Informationen zur Studie sowie den neuen ZQP-Themenreport zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf finden Sie unter www.zqp.de. Der Report zeigt Unterstützungsmöglichkeiten auf und bietet eine wissenschaftlich fundierte Bestandsaufnahme zur Lebenssituation erwerbstätiger pflegender Angehöriger.

Methoden und Vorgehensweise

In der dieser Auswertung zugrundeliegenden, anonymen Bevölkerungsbefragung wurden Einstellungen aus dem Themenbereich “Vereinbarkeit von Pflege und Beruf” erhoben. Hierfür wurde vom 11. bis 24. November 2015 eine repräsentative Stichprobe von1008 berufstätigen Deutschen ab 18 Jahre befragt. Die statistische Fehlertoleranz der Untersuchung liegt in der Gesamtstichprobe bei +/-3 Prozentpunkten.