VdK-Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ ist ein voller Erfolg

Die VdK-Kampagne „Weg mit den Barrieren!“, mit der sich der VdK für eine Gesellschaft ohne Hindernisse einsetzt, ist schon zur Halbzeit ein großer Erfolg. Mehr als 55 000 Menschen unterstützen bereits die VdK-Forderungen für ein barrierefreies Deutschland. „Seit Anfang des Jahres konnten wir mit zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Aktionen und Veranstaltungen deutliche Akzente setzen“, erklärt Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland.

Wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Kampagne ist das Engagement der Landes-, Orts- und Kreisverbände. „Alle Verbandsstufen des VdK sind aktiv und machen sich vor Ort für Barrierefreiheit stark, damit Menschen mit Behinderung und Beeinträchtigungen wirklich teilhaben können“, so die VdK-Präsidentin.

Dass das Thema „Barrierefreiheit“ die Menschen berührt, zeigt vor allem auch die „Landkarte der Barrieren“, die das Herzstück der VdK-Kampagne ist. „Seit Kampagnenstart haben uns schon mehr als 1600 Meldungen über Bahnhöfe, Internetseiten, Geschäfte, Arztpraxen, Behörden und öffentliche Plätze erreicht, die für Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigungen kaum oder gar nicht zugänglich sind. Das zeigt, dass wir von einer inklusiven Gesellschaft noch weit entfernt sind. Wir brauchen aber Barrierefreiheit im umfassenden Sinn“, so Mascher.

Der Sozialverband VdK kritisiert erneut vehement, dass in der kürzlich vom Bundestag verabschiedeten novellierten Fassung des Behindertengleichstellungsgesetzes die Privatwirtschaft beim Abbau von Barrieren nicht in die Pflicht genommen wird. „Es bedarf klarer gesetzlicher Regelungen, um Teilhabe zu garantieren, und auch um die Zugänglichkeit im Bereich privater Güter und Dienstleistungen, wie zum Beispiel Arztpraxen, sicherzustellen“, fordert die VdK-Präsidentin.

Dass der Druck des VdK auf die Politik Wirkung zeigt, machen die jüngst verkündeten Pläne des Bundesverkehrsministeriums deutlich, mehr als 100 kleine Bahnstationen in Deutschland barrierefrei umzubauen. „Das ist ein erster Schritt, dem viele weitere folgen müssen. Verkehrsmittel und -anlagen müssen für alle zugänglich sein. Deswegen fordern wir auch weiterhin ein höheres Tempo beim Umbau der Bahnhöfe und mehr Zuschüsse vom Bund“, erklärt Mascher.

Der VdK wird beim Thema Barrierefreiheit nicht locker lassen und auch im Vorfeld der Bundestagswahl im nächsten Jahr Politiker aller Parteien überall im Land mit seinen Forderungen zur Barrierefreiheit konfrontieren. „Von einer barrierefreien Gesellschaft profitieren nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern auch Ältere, Familien oder Menschen, die nur vorübergehend ein Handicap haben“, so die VdK-Präsidentin.

Der VdK ist mit über 1,75 Millionen Mitgliedern die größte Interessenvertretung behinderter und älterer Menschen in Deutschland. Mit der Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ macht sich der Sozialverband VdK für eine barrierefreie Gesellschaft stark. Jetzt informieren: www.weg-mit-den-barrieren.de

DBR: Bundesteilhabegesetz ist mangelhaft

„Der Entwurf für ein Bundesteilhabegesetz stellt den Deutschen Behindertenrat nicht zufrieden. Als das wichtigste behindertenpolitische Reformvorhaben dieser Legislaturperiode darf es in der vorliegenden Form nicht vom Bundestag und Bundesrat beschlossen werden“, erklärt Ulrike Mascher, Vorsitzende des Sprecherrats des Deutschen Behindertenrats (DBR) und Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, anlässlich der morgigen Beratung im Bundeskabinett.

Menschen mit Behinderung müssen materiell besser und nicht schlechter gestellt werden gegenüber dem geltenden Recht“, fordert Mascher. Der DBR sieht im geplanten Bundesteilhabegesetz allerdings die Gefahr von Leistungseinschränkungen und weiteren möglichen Verschlechterungen für Menschen mit Behinderung.

Der DBR sieht zwar auch positive Ansätze in der Gesetzesvorlage des Bundesteilhabegesetzes, jedoch überwiegen die negativen Aspekte. Inakzeptabel seien vor allem Einschränkungen des leistungsberechtigten Personenkreises, Leistungsausschlüsse oder -einschränkungen, die grundsätzliche Beibehaltung der Einkommens- und Vermögensgrenzen für Menschen mit Behinderung, der Vorrang der Leistungen der Pflegeversicherung vor Leistungen der Eingliederungshilfe sowie die Aushöhlung des Grundsatzes „ambulant vor stationär“ bzw. des Wahlrechts von Menschen mit Behinderung, etwa beim Wohnen.

„Wir appellieren an Bundestag und Bundesrat, das Gesetz nachzubessern und sich für eine echte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben von Menschen mit Behinderung einzusetzen“, so Mascher.

Ein ausführliches Papier mit weiteren Informationen zu den Kritikpunkten, in denen der DBR dringenden Nachbesserungsbedarf sieht, finden Sie hier: www.deutscher-behindertenrat.de/ID184259

Deutscher Behindertenrat fordert: Neuer Hilfsfonds für ehemalige Heimkinder in Behinderteneinrichtungen und Psychiatrien ohne weitere Verzögerungen und Diskriminierungen

Der Deutsche Behindertenrat (DBR) fordert anlässlich des morgigen Treffens der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Länder die Verantwortlichen aus Bund, Ländern und Kirchen auf, ohne weitere Verzögerungen einen diskriminierungsfreien Hilfsfonds zur Anerkennung des Leids ehemaliger Heimkinder in Behinderteneinrichtungen und Jugendpsychiatrien aufzubauen und Nachbesserungen im aktuellen Entwurf vorzunehmen.

„Menschen, die bereits als Kinder oder Jugendliche in Psychiatrien Gewalt erlebt haben oder in Behinderteneinrichtungen ohne Bezahlung arbeiten mussten, sind aktuell dreifach diskriminiert: Ihnen wurde in der Jugend grausames Leid angetan; im Fonds Heimerziehung, der seit 2012 existiert, wurden sie nicht berücksichtigt und bei der Diskussion um den neuen Hilfsfonds gibt es immer wieder Verzögerungen und Geschacher um die Finanzierung der Stiftung. Das ist endwürdigend und nicht tragbar!“, empört sich Ulrike Mascher, Vorsitzende des Sprecherrats im DBR.

Nach dem Vorschlag einer Arbeitsgruppe von Vertreterinnen und Vertretern vom Bund, den Ländern und den Kirchen für ein Konzept für eine Stiftung „Anerkennung und Hilfe“, soll Menschen, die als Kind oder Jugendliche Leid oder Unrecht in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder in Psychiatrien erlitten haben, eine einmalige materielle Anerkennung zukommen. Die Stiftung orientiert sich an den beiden „Fonds Heimerziehung Ost und West“, an den sich bereits seit 2012 ehemalige Heimkinder wenden können. Diese richteten sich jedoch lediglich an Ehemalige aus der Jugendhilfe und nicht aus der Behindertenhilfe oder Psychiatrien.

„Die aktuellen Pläne zum Aufbau einer neuen Stiftung müssen dringend noch nachgebessert werden!“, fordert Mascher weiter. „Ein Antrag auf Anerkennung steht und fällt mit der Glaubhaftmachung. Sie muss unkompliziert vonstattengehen.“

Deshalb fordert der DBR insbesondere:

1. Die Glaubhaftmachung bei der Beantragung von Leistungen aus der Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ muss unkompliziert durch Nachweise zu erbringen sein, die eine Unterbringung in einer für Gewalt, Missbrauch und Arbeit ohne Bezahlung bekannte Einrichtung der Behindertenhilfe oder Psychiatrie darlegen!

2. Der Grundsatz „Nichts über uns ohne uns!“ muss auch für die Anlauf- und Beratungsstellen der Stiftung vor Ort sowie die wissenschaftliche Aufarbeitung gelten!

3. Die vorgesehenen pauschalen Anerkennungsunterstützungsleistungen und Rentenersatzleistungen dürfen nicht zu weiteren Diskriminierungen führen! Sie müssen in der Höhe entsprechend der beiden Fonds Heimerziehung West und Ost angelegt sein.

„Es muss gelingen, dass sich Menschen, die als Kinder und Jugendliche Gewalt, Missbrauch, Demütigungen und anderes Leid in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder Psychiatrien erfahren haben und nun bereits seit mehreren Jahren auf eine Anerkennung warten, nicht erneut diskriminiert werden, indem die sichtbare Anerkennung geringer ist als in den Heimkinderfonds!“, so Mascher abschließend.

Info: Der Deutsche Behindertenrat (DBR) ist ein Aktionsbündnis der Behindertenverbände und Selbsthilfeorganisationen in Deutschland und engagiert sich seit vielen Jahren für die Rechte von Menschen mit Behinderung. Im DBR haben sich über 140 Organisationen behinderter und chronisch kranker Menschen vereinigt. Es repräsentiert mehr als 2,5 Millionen Betroffene. Mehr unter www.deutscher-behindertenrat.de

Selbstbestimmt Wohnen im Alter – auch für Menschen mit Behinderungen!

Die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Petra Wontorra, hat heute im Rahmen eines Fachtages ihre neue Broschüre „Selbstbestimmt Wohnen im Alter – auch für Menschen mit Behinderungen?” vorgestellt. Die Broschüre wurde in Zusammenarbeit mit dem Niedersachsenbüro „Neues Wohnen im Alter” erstellt. Der Grundsatz, dass Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt leben können, muss auch für Menschen mit Behinderungen im Alter gelten. Die Broschüre soll helfen, das Bewusstsein dafür zu stärken.

„Es gibt nur wenig Informationen darüber, wie älter werdende Menschen mit Behinderungen in Niedersachsen leben. Mit einer neuen Broschüre schließen wir diese Informationslücke, präsentieren vorbildliche Projekte und machen deutlich, dass ältere Menschen mit Behinderung ein Recht darauf haben, solange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld zu leben”, so Petra Wontorra.

Die Ergebnisse einer Befragung über die Wohnmöglichkeiten für älter werdende Menschen mit Behinderungen werden in der Broschüre zusammengefasst. Dabei sind zwei Tatbestände für die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen alarmierend: Es kommt immer noch vor, dass Menschen das Wohnheim verlassen müssen, in welchem sie jahrelang gelebt haben, ohne dass sie es wollen. Sie müssen umziehen, weil sie eine Altersgrenze erreicht haben oder noch häufiger, weil sie pflegebedürftiger werden. Aber genauso wie andere Menschen auch betrachten viele „ihr” Wohnheim als ihre Heimat und wollen nicht zwangsweise in eine Altenwohneinrichtung ziehen müssen.

In der Erhebung wurde auch die Vermutung bestätigt, dass viele Menschen mit Behinderungen im fortgeschrittenen Alter immer noch bei ihren Eltern leben. „Aber was passiert, wenn die oft hochbetagten Eltern nicht mehr da sind? Wir brauchen Ideen und Strategien, um zu verhindern, dass diese Menschen dann zwangsläufig in Altenpflegeheime übersiedeln müssen”, mahnt Wontorra an.

Dass es auch anders geht, belegt die Broschüre an 14 so genannten Leuchtturmprojekten. Darüber hinaus enthält die Broschüre Empfehlungen für die niedersächsische Sozialpolitik und die Akteurinnen und Akteure vor Ort. Hier werden Vorschläge aus der Studie abgeleitet, die dazu beitragen sollen, dass auch älter werdende Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt leben können.

„Besonders wichtig wird die Broschüre zusätzlich durch eine Liste von Adressen von Wohneinrichtungen, in denen Menschen mit Behinderungen auch im hohen Alter leben können”, so die Mitautorin Annette Brümmer vom Niedersachsenbüro Neues Wohnen im Alter.

„Ich bin sicher, dass die Broschüre dazu beiträgt, die Lebenssituation von älter werdenden Menschen in Niedersachsen mehr in den Fokus der Politik und der Öffentlichkeit zu bringen, und hoffe, dass dadurch zunehmend Wohnmöglichkeiten, insbesondere selbstbestimmte Wohnformen für älter werdende Menschen mit Behinderungen in Niedersachsen entstehen”, so die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen.

Teilhabe von Menschen mit Behinderungen auf allen Ebenen stärken und praktisch erfahrbar machen”

Die vollständige gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ist ein Prozess, der von der Landesregierung auf vielen Eben vorangebracht wird. Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt: „Unser Gemeinwesen wird vor allem in den Kommunen gestaltet. Wir wollen deshalb den Gedanken der Inklusion auch dort stärken, wo ihn Menschen mit und ohne Behinderungen direkt und ganz konkret erleben: in den Städten und Gemeinden. Das ist ein wichtiger Beitrag für eine bessere Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen.”

Vor diesem Hintergrund hat das Niedersächsische Sozialministerium eine neue Förderrichtlinie veröffentlicht. Mit 1,675 Millionen Euro in 2016 und jeweils 425.000 Euro in den Folgejahren können ab sofort Projekte mit bis zu 50.000 Euro gefördert werden, die ganz konkret die Infrastruktur für Menschen mit Behinderungen vor Ort verbessern, innovative Wohnformen ermöglichen oder die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben erleichtern.

Mit dem Geld, so Ministerin Rundt, könne der eher schwammige Begriff der ‚Inklusion’ endlich im Alltag umgesetzt werden. Wichtig sei ihr dabei, dass vor allem ein Umdenken in den Köpfen stattfinde. „Menschen mit Behinderung gehören in die Mitte der Gesellschaft, nicht an den Rand”, betont die Ministerin: „Ich bin sicher, dass unsere Förderung auch dazu einen wertvollen Beitrag leisten wird. Barrierefreiheit muss endlich kostengünstiger Standard werden und nicht mehr als Sonderlösung dem Mehrkostenargument zum Opfer fallen.”

In einem vorhergehenden Ideenwettbewerb 2014 wurden bereits Kommunen mit zusätzlichen Fördermitteln bedacht, die sich erfolgreich um die Entwicklung inklusiver Sozialräume und ein Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen auf örtlicher Ebene bemüht hatten.

Eine der Kommunen war die Landeshauptstadt Hannover, die die Fördermittel in Höhe von 90.000 Euro für neue Projekte und Maßnahmen eingesetzt hat. So ist das inklusive Kultur-Café Anna Blume in Hannover-Stöcken unterstützt worden. Mit einem Schülercafé der Wilhelm-Schade-Schule wurde ferner ein realistisches Arbeits- und Übungsfeld für Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen geschaffen.

Auch der Landkreis Friesland gehörte dazu. Er hat mit den Fördermitteln in Höhe von 130.000 Euro einen Inklusionsfonds geschaffen, mit dem Lebensräume für Menschen mit und ohne Behinderungen füreinander geöffnet, näher gebracht sowie der gegenseitige Respekt und das gegenseitige Verständnis gestärkt werden sollen. Mit dieser besonderen Lösung wurde eine beachtliche Aktivierung der gesellschaftlichen Kräfte vor Ort erreicht.

Die Stadt und der Landkreis Göttingen gehörten ebenfalls zu den 2014 ausgewählten Kommunen. Mit den zur Verfügung gestellten 90.0000 Euro ist ein interkommunales Projekt „Inklusion Bewegen” initiiert worden. Dabei ist ein Fahrplan für ein inklusives Gemeinwesen entwickelt worden. Erwähnenswert ist auch ein Newsletter, der zum Europäischen Protesttag von Menschen mit Behinderungen am 05.05.2015 erstmals erschienen ist.

Die Stadt Oldenburg hat mit den erhaltenen 90.000 Euro ihre vorbildhaften Ansätze der Partizipation von Menschen mit Behinderungen intensiviert und beispielsweise im schulischen Bereich bemerkenswerte Fortschritte erreicht. Die Erfahrungen dieses Inklusionsprozesses sind in einem Sammelband, der im Belz-Verlag erschienen ist, zusammengefasst worden.

Auch die Stadt Langen hat den Förderbetrag in Höhe von 50.000 Euro sehr sinnvoll eingesetzt. Inzwischen ist sie mit der Samtgemeinde Bederkesa zur Stadt Geestland fusioniert und hat die Verwirklichung der Inklusion in den Grundschulen dialogorientiert fortgesetzt. Ferner wurde das Außengelände der integrativen Kindertagesstätte Nimmerland in einen barrierefreien und naturbelassenen Erlebnisraum umgestaltet.

„Die Erfahrungen mit dem Ideenwettbewerb haben deutlich gemacht, dass Partizipation und Inklusion in den Landkreisen, Städten und Gemeinden schon gelebt werden, dass hierfür aber auch ein weiterer kleiner Schubs hilfreich ist”, so Ministerin Rundt.

Hannover setzt Maßstäbe für Menschen mit Behinderung

Wege ohne Stufen und ohne Stolperfallen, Platz für Menschen mit Rollstühlen oder Rollatoren, Hilfen für schwerhörige und sehbehinderte Menschen: Das alles sollte eine Städtereise heute auch für gehandicapte und ältere Menschen zum Vergnügen machen. In Deutschland ist bereits viel für Barrierefreiheit getan worden, als gelungenes Beispiel darf Hannover gelten. “Die niedersächsische Landeshauptstadt gilt als vorbildlich für Menschen mit Behinderung“, weiß Beate Fuchs, Reiseexpertin des Verbraucherportals Ratgeberzentrale.de. So gibt es beispielsweise Rollstuhlplätze im offenen Doppeldecker-Bus bei der Stadtrundfahrt, bei der man im Übrigen an allen Sehenswürdigkeiten barrierefrei aus- und wieder zusteigen kann – vielleicht für einen Rundgang durch die berühmten Herrenhäuser Gärten mit einer kulinarischen Pause im Café-Restaurant.

Rundgänge für Gäste mit Behinderung

Im barocken Großen Garten in Herrenhausen stehen für mobilitätseingeschränkte Personen sogenannte E-Scooter bereit, mit denen sie durch das weitläufige Gartenkunstwerk rollen können. Auf hörbehinderte Gäste wartet ein sogenanntes VideoVisit-Führungssystem. Blinde Besucher können sich bei ihren Spaziergang durch die Gärten mit Plänen in Braille-Schrift die Architektur des Gartens besser vorstellen.
Alle Museen in Hannover sind barrierefrei: Das Museum August Kestner beispielsweise mit seinen Sammlungen vom alten Ägypten bis zum modernen Design bietet neben Kommunikationshilfen für schwerhörige Menschen einmal im Monat Führungen an. Mit den Tast- und Erlebnisrundgängen “Museum anders gesehen” spricht es speziell blinde und sehbehinderte Gäste an. Alle speziellen Angebote sind inklusiv, das heißt, dass sie für alle Menschen nutzbar sind. Informationen und Broschüren zur Barrierefreiheit gibt es unter www.hannover.de.

Auf dem “Roten Faden” durch die Stadt

Auf rollstuhl- und rollatorgerechten Wegen führt der “Rote Faden” zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Hannovers Innenstadt. Das dazugehörige Faltblatt wie auch die App beinhalten Hinweise auf Bänke, Toiletten und barrierefreie Gaststätten. Noch mehr Informationen hat die kostenlose “Broschüre für Touristen mit Behinderung”: von der Anreise über barrierefreie Hotels in allen Stadtteilen bis hin zu Ausflugstipps für Besucher mit Behinderung. Noch kompakter und im lesefreundlichen Großdruck ist das Faltblatt “Tipps für Touristen mit Behinderung” gestaltet

Menschen mit Behinderung müssen weiter auf die Verwirklichung ihrer Rechte warten

„Menschen mit Behinderung müssen auch weiterhin auf die Verwirklichung ihrer Rechte warten. Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich die Bundesrepublik zwar bereits 2009 verpflichtet, geeignete Maßnahmen für eine inklusive Gesellschaft zu treffen und damit die Gleichstellung mit anderen Menschen sicherzustellen. Von diesem Ziel sind wir aber noch weit entfernt.“ Das erklärt Ulrike Mascher, Sprecherratsvorsitzende des Deutschen Behindertenrats (DBR) und Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai.

Der DBR kritisiert unter anderem, dass es mit dem nun vorliegenden Entwurf des Bundesteilhabegesetzes nicht gelungen sei, die eigenverantwortliche und selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben von Menschen mit Behinderung wesentlich zu verbessern. „In der Koalitionsvereinbarung hat die Bundesregierung 2013 versprochen, dass sie die Menschen, die aufgrund einer wesentlichen Behinderung nur eingeschränkte Möglichkeiten der Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft haben, aus dem bisherigen ‚Fürsorgesystem‘ herausführen und die Eingliederungshilfe zu einem modernen Teilhaberecht weiterentwickeln werde. Dieses Versprechen wurde kaum erfüllt“, erklärt Mascher.

Es sei vor allem nicht hinnehmbar, dass der Personenkreis, der Leistungen der Eingliederungshilfe in Anspruch nehmen darf, eingeschränkt wird. „Die neuen Hürden sind viel zu hoch und nicht akzeptabel, weil die Gefahr besteht, dass viele Menschen, die heute leistungsberechtigt sind, zukünftig von Leistungen ausgeschlossen werden. Leistungsverschlechterungen werden wir nicht akzeptieren“, so Mascher.

Auch kritisiert der DBR, dass die Einkommens- und Vermögensgrenzen für erwerbstätige Menschen mit Behinderung nicht abgeschafft werden sollen. „Diese Grenzen sind für Menschen mit Behinderung immer eine Barriere, die sie an einem selbstständigen und selbstbestimmten Leben hindert. Zwar ist die Anhebung der Vermögensgrenzen ein erster Schritt, aber sie reicht bei weitem nicht aus“, betont die DBR-Sprecherratsvorsitzende.

Unverzichtbar für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben ist aus Sicht des DBR die Barrierefreiheit. Das novellierte Behindertengleichstellungsgesetz verpflichtet aber vorrangig nur Träger der öffentlichen Gewalt und die Sozialleistungsträger. „Der Bereich privater Güter und Dienstleistungen, wie beispielsweise Arztpraxen, Wohnungen, Internet, Supermärkte, Taxis oder Restaurants, wird nicht gesetzlich geregelt und bleibt im Bereich der Freiwilligkeit. Ausnahmen darf es bei der Barrierefreiheit aber nicht geben. Wir brauchen Barrierefreiheit im umfassenden Sinn“, erklärt Mascher.

Info: Der Deutsche Behindertenrat (DBR) ist ein Aktionsbündnis der Behindertenverbände und Selbsthilfeorganisationen in Deutschland und engagiert sich seit vielen Jahren für die Rechte von Menschen mit Behinderung. Im DBR haben sich über 140 Organisationen behinderter und chronisch kranker Menschen vereinigt. Es repräsentiert mehr als 2,5 Millionen Betroffene. Mehr unter www.deutscher-behindertenrat.de

Länder müssen Barrierefreiheit in Landesbauordnungen sicherstellen

„Die geplanten Regelungen auf Bundesebene für eine verpflichtende Barrierefreiheit bei Bauten der Bundesverwaltung und der Sozialleistungsträger sind ein Fortschritt. Aber sie müssen für die Privatwirtschaft generell und selbstverständlich auch auf der Landesebene gelten!“ Das fordert Ulrike Mascher, Sprecherratsvorsitzende des Deutschen Behindertenrats (DBR) und Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, anlässlich einer Anhörung von Sachverständigen zum Behindertengleichstellungsgesetz im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Bundestages.

Aus Sicht des DBR muss die Privatwirtschaft ihren Beitrag zur Barrierefreiheit zwingend leisten, damit künftig Menschen mit Behinderung vor weniger Hürden stehen. Auch der UN-Fachausschuss fordert in seinen abschließenden Bemerkungen vom 17.04.2015 unmissverständlich bindende Verpflichtungen zur Barrierefreiheit für private Unternehmen. Leider werden durch Ausnahmetatbestände in einigen Landesbauordnungen die Vorschriften zum barrierefreien Bauen unterlaufen. „Die Länder müssen hier eingreifen, damit sich die privaten Bauträger der Pflicht, barrierefrei zu bauen, nicht entziehen können. Wir lassen auch keine Ausreden gelten, dass durch einen vermehrten Zuzug nach Deutschland nun schnell Häuser hochgezogen werden müssen und man daher auf Barrierefreiheit verzichten müsse. Das ist kurzsichtig und würde allen langfristig schaden. Rund 80 Jahre steht durchschnittlich ein Gebäude – dann haben wir spätestens 2090 erneut Häuser, in denen vor allem Menschen mit Behinderung nicht drin wohnen können. Sie haben bereits heute große Probleme, geeigneten und bezahlbaren Wohnraum zu finden“, kritisiert Ulrike Mascher.

Info: Der Deutsche Behindertenrat (DBR) ist ein Aktionsbündnis der Behindertenverbände und Selbsthilfeorganisationen in Deutschland und engagiert sich seit vielen Jahren für die Rechte von Menschen mit Behinderung. Im DBR haben sich über 140 Organisationen behinderter und chronisch kranker Menschen vereinigt. Es repräsentiert mehr als 2,5 Millionen Betroffene. Mehr unter www.deutscher-behindertenrat.de

Teilhabe von behinderten Menschen ist Menschenrecht

Petra Wontorra, die Niedersächsische Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, mahnt an, endlich mit einem starken Bundesteilhabegesetz bundesweite Rahmenbedingungen für die verbesserte Teilhabe behinderter Menschen zu schaffen. Die Behindertenbeauftragten aus Bund und Ländern bestärken sie und appellieren wie Wontorra anlässlich des heutigen Koalitionsgipfels, den Entwurf für ein gutes und teilhabeorientiertes Bundesteilhabegesetz zügig auf den Weg zu bringen.

„Die Menschen mit Behinderungen und ihre Familien warten seit vielen Jahren auf dieses Gesetz. Es ist an der Zeit, dass die Bundesregierung sich nun endlich an die Umsetzung macht.

Wir fordern, den Weg frei zu machen:
für mehr Selbstbestimmung und mehr Teilhabe in allen Bereichen des Lebens von Menschen mit Behinderungen, damit sie dieselben Chancen auf Arbeit und Bildung haben und umfassend teilhaben können am Leben in unserer Gesellschaft,

> für die Abschaffung der Einkommens- und Vermögensanrechnung bei Teilhabeleistungen und bei der Hilfe zur Pflege. Damit Menschen mit Behinderungen und ihre Familien nicht länger finanziell dafür gestraft werden, dass sie erhöhten Unterstützungsbedarf haben,

> für ein Verfahrensrecht, das für eine schnelle Klärung der Zuständigkeiten sorgt und für Teilhabeleistungen wie aus einer Hand. Damit Menschen mit Behinderungen unabhängig von ihrem Wohnort und dem Leistungsträger die Teilhabeleistungen in gleichem Umfang, unbürokratisch, zügig und verlässlich erhalten.

> für unabhängige Beratung von Menschen mit Behinderungen für Menschen mit Behinderungen. Damit Augenhöhe zwischen den Menschen mit Behinderungen und den Leistungserbringern und Leistungsträgern hergestellt wird.”

Unternehmen profitieren von Inklusion am Arbeitsplatz

Die Inklusion von Menschen mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten im Berufsleben bringt nicht nur Vorteile für die Betroffenen – auch die Betriebe profitieren, und das manchmal auf überraschende Weise. So sind zum Beispiel 52 Prozent der Deutschen davon überzeugt, dass Inklusion die Kreativität und den Ideenreichtum in Unternehmen fördert. Der Grund: Wer im Alltag mit Einschränkungen zu kämpfen hat, bringt auch im Beruf neue und ungewohnte Denkansätze ein. Das ist ein Ergebnis der Studie “Inklusion in Beruf und Alltag” der Coloplast GmbH. Für die Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa 1.000 Bundesbürger ab 18 Jahren.

Als weiteren erheblichen Vorteil der Inklusion sehen 70 Prozent der Deutschen an, dass die sozialen Kompetenzen der Unternehmen gestärkt werden. Und 61 Prozent führen an, dass sich die Inklusion stark oder sehr stark positiv für die Betriebe auswirkt, weil ihnen dadurch betroffene Fachkräfte länger erhalten bleiben. “Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels kann es sich die deutsche Gesellschaft nicht leisten, Leistungsträger vom Berufsleben auszuschließen”, sagt Michael Zwick, Geschäftsführer Coloplast Deutschland. Stringente Inklusionsmaßnahmen wirken sich hier sogar doppelt positiv für die Unternehmen aus: Sie können so nicht nur die konkret von Einschränkungen durch Behinderungen und chronische Krankheiten betroffenen Fachkräfte halten. Sie erhalten auch im generellen Wettbewerb um die qualifiziertesten Mitarbeiter einen Vorteil, weil sie sich verantwortungsbewusst zeigen und so als Arbeitgeber attraktiver werden. Davon sind 47 Prozent der Deutschen überzeugt.

Inklusion beginnt im Kopf

“Die wichtigste Inklusionsmaßnahme in Unternehmen ist zunächst ein Umdenken in den Köpfen. Menschen mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten werden noch zu oft zuerst als behindert oder krank angesehen, und dass wird meist auch noch automatisch mit ‘nicht leistungsfähig’ gleichgesetzt”, schildert Michael Zwick die Hemmschuhe der Inklusion. Diese Einstellung diskriminiert die Betroffenen – und ist auch wirtschaftlich unsinnig. Denn eine gesundheitliche Einschränkung im Leben des Betroffenen durch eine Krankheit oder Behinderung hat nicht automatisch eine Auswirkung auf seine Eignung für seinen Beruf und die Qualität seiner Arbeit.

Hilfsmittel-Wahlfreiheit als Schlüssel für die Teilhabe

Viele chronische körperliche Beschränkungen, wie zum Beispiel Inkontinenz, lassen sich mit modernen Hilfsmitteln so gut beherrschen, dass sie im Alltag kein Hindernis mehr sind. Hinderlich für eine erfolgreiche Inklusion ist allerdings, wenn die Betroffenen bei diesen Hilfsmitteln keine Wahlfreiheit haben. Das führt dazu, dass viele Inkontinenz-Erkrankte ihre Hilfsmittel aus eigener Tasche bezahlen. Denn nur so kommen sie an die Hilfsmittel, die ihnen den für ihren Arbeitsplatz und ihre individuelle Situation passenden Schutz mit dem richtigen Grad an Zuverlässigkeit bieten. “So ist es aufgrund von Erstattungskürzungen der Krankenkassen leider vemehrt Realität, dass Betroffene ihre eigene Inklusion letztendlich selbst bezahlen müssen. Hier bedarf es eines Umdenkens”, so Zwick. Eine Position, die eine breite Mehrheit der Deutschen unterstützt: Mehr als 90 Prozent halten eine Wahlfreiheit bei Inkontinenz-Hilfsmitteln und eine vollständige Abdeckung der damit verbundenen Kosten für wichtig oder sehr wichtig.

Hintergrundinformationen

Für die Studie “Inklusion in Beruf und Alltag” wurden in einer für die deutsche Bevölkerung repräsentativen Umfrage 1.000 Bundesbürger ab 18 Jahren telefonisch befragt. Die Daten sind im zweiten Halbjahr 2015 durch Forsa im Auftrag der Coloplast GmbH erhoben worden. Die Ergebnisse sind auf ganze Zahlen gerundet.

Weitere Informationen und eine Infografik mit Detailergebnissen finden Sie unter: http://www.coloplast.de/inklusionunternehmen.